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Ein Minenräumer der Bundeswehr beim Einsatz in Bosnien-Herzegowina.
Ein Minenräumer der Bundeswehr beim Einsatz in Bosnien-Herzegowina.(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 19. Juli 2016

Auf der Jagd nach Pokémons: Bosnier stolpern ins Landminenfeld

Weltweit werden immer mehr Gebiete zu "Pokémon"-No-Go-Areas. Doch viele Nutzer verlieren bereits den Kontakt zur Realität und tappen sogar auf Minenfelder, Militärbasen – oder einfach auf die Straße. Es häufen sich Unfälle und Zwischenfälle.

Auf der Jagd nach Pokémons wagen sich einige Menschen in Bosnien-Herzegowina selbst in gefährliche Regionen mit Landminen. Nachdem einzelne Pokemon-Jäger vor den vielen Minenfeldern in diesem Balkanland nicht haltgemacht hatten, warnten Medien und Fachorganisationen in Sarajevo: "Wir bitten die Bürger, die aufgestellten Tafeln wegen der Minengefahr zu beachten."

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Nach dem Bürgerkrieg von 1992 bis 1995 liegen in dem Land noch auf schätzungsweise mehr als 1100 Quadratkilometern verborgene Minen. In diesem Jahr sind bereits zwei Minenentschärfer ums Leben gekommen. Zwei weitere kamen mit Verletzungen davon.

Obwohl seit Kriegsende mehr als 3000 Quadratkilometer entmint worden sind, dürfte es noch bis zum Jahr 2024 dauern, bis Bosnien-Herzegowina minenfrei ist.

Mittlerweile häufen sich zudem Unfälle, Verkehrsverstöße oder gar Überfälle in Zusammenhang mit dem Spiel. Am Dienstag etwa teilte die Polizei in Indonesien mit, sie habe einen 27-jährigen Franzosen auf einer Militärbasis auf Java festgenommen. Er habe ausgesagt, er sei auf der Jagd nach Pokémons gewesen und unabsichtlich auf das Gelände geraten. Der Mann wurde nach Behördenangaben mehrere Stunden befragt, dann aber freigelassen.

Aber auch Israelis und Palästinenser werden von der Pokémon-Go-Welle mitgerissen, die gegenwärtig rund um den Globus schwappt. Aber wie immer in dieser Konfliktregion bekommt auch die Jagd auf die virtuellen Comicfiguren sofort eine hochpolitische Note. Staatspräsident und Militär nutzen sie als PR-Mittel, Palästinenser illustrieren ihre eingeschränkte Bewegungsfreiheit. Befürchtet wird zudem, dass Diplomaten und Soldaten unfreiwillig zu Spionen werden. Deshalb gilt in Israels Kasernen und Botschaften ein striktes "Pokémon No Go".

Warnung vor der Sucht

Schon jetzt kommen laut Studien Hunderttausende junge Menschen von Internetspielen nicht mehr los. "Im schlimmsten Fall verlieren sie den Kontakt zur Realität", warnte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler. Wir müssen neben den faszinierenden Seiten auch die Abgründe erkennen. Pokémons würden wichtiger als echte Sozialkontakte, Ausbildung und Beruf.

Die kostenlose Spiele-App Pokémon Go animiert die Nutzer, mit ihrem Smartphone durch die Gegend zu laufen und in der "echten Welt" versteckte Pokémon-Figuren einzufangen. Dabei werden die GPS-Funktion und das Kartenmaterial des Smartphones genutzt. Seit der Veröffentlichung der App wurde sie bereits millionenfach heruntergeladen.

Quelle: n-tv.de