Panorama

Nach tödlichem Dammbruch Brasilien klagt deutschen Manager an

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Die Schlammlawine nach dem Dammbruch begrub 270 Menschen unter sich.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ein Jahr nach dem verheerenden Bergwerksunglück im brasilianischen Brumadinho erhebt die brasilianische Justiz nun auch gegen 16 Einzelpersonen Anklage. Unter den Beschuldigten befindet sich ein deutscher Manager. Auf die Tüv Süd AG kommen Millionenforderungen Betroffener zu.

Der Dammbruch im Vale-Bergwerk Córrego do Feijão am 25. Januar 2019 war eines der schwersten Unglücke in der Geschichte Brasiliens. 13 Millionen Kubikmeter Schlamm mit Bergbauabwässern ergossen sich damals über die Umgebung und rissen zahlreiche Menschen mit sich. 270 Menschen kamen ums Leben. 259 Leichen konnten geborgen werden, elf Menschen wurden bis heute nicht gefunden.

Bereits im Oktober hatten die deutsche Kanzlei Göhmann und die britische SPG Law laut "Spiegel" eine Schadensersatzklage für sechs Angehörige von Opfern des Dammbruchs eingereicht. Mittlerweile vertreten sie demnach in dem Fall insgesamt rund tausend Kläger. "Wir werden sukzessive weitere Klagen einreichen", sagte Rechtsanwalt Ulrich von Jeinsen dem Magazin. Er gehe "von einer Gesamtforderung gegenüber der Tüv Süd AG von nicht unter 20 Millionen Euro aus". In welcher Höhe Schadensersatzforderungen für die Beseitigung der Umweltschäden gestellt würden, sei noch nicht abzusehen.

Neben den Schadensersatzklagen drohen dem Unternehmen mit Sitz in Bayern strafrechtliche Konsequenzen. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt. Am Dienstag erhob die Staatsanwaltschaft im Bundesstaat Minas Gerais wegen des Dammbruchs Anklage gegen Vale und dessen Prüfunternehmen Tüv Süd. Gegen 16 Einzelpersonen wurde in Minas Gerais zudem Anklage wegen "vorsätzlicher Tötung" erhoben; darunter ist laut "Spiegel" ein deutscher Manager. Das European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) hatte am Donnerstag darauf gedrungen, dass die Staatsanwaltschaft München trotz der Anklageerhebungen in Brasilien einer Anzeige von ECCHR, dem Hilfswerk Misereor und anderen Organisationen weiter nachgehe.

Trinkwasser stark verschmutzt

Die Fundacion SOS Mâta Atlantica erklärte, die Flüsse in der Umgebung von Brumadinho seien weiterhin stark verschmutzt. Die Organisation hatte nach eigenen Angaben an 21 Orten Proben von den Flüssen Paraopeba und Alto San Francisco genommen. An elf Stellen sei die Wasserqualität schlecht und an neun weiteren sehr schlecht gewesen, heißt es in dem Bericht. Als Trinkwasser sei das Wasser nirgendwo geeignet. Die gesetzlichen Schadstoffgrenzwerte werden den Messungen zufolge deutlich überschritten. An 18 Messstellen am Fluss Paraopeba waren laut SOS Mâta Atlantica die Werte 5 bis 13 Mal so hoch wie erlaubt.

Die Organisation bemängelte ungenügende Maßnahmen gegen die Umweltverschmutzung durch das Unglück vom 25. Januar 2019. "Sehr wenig wird für die Umwelt und die betroffenen Menschen getan", erklärte SOS Mâta Atlantica. Der Paraopeba sei unter anderem mit Eisen, Kupfer, Chrom, Mangan und Sulfat in einem Maße belastet, das schädlich sei "für die Umwelt und die menschliche Gesundheit" sowie Fische und andere lebende Organismen.

Der entwicklungspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Uwe Kekerit, erklärte, der Dammbruch werfe "ein Schlaglicht auf die unverantwortlichen Geschäftspraktiken von Konzernen und Prüfunternehmen in internationalen Lieferketten".

Quelle: ntv.de, swa/AFP