Panorama

Hohe Infektions-Dunkelziffer Brasilien meldet fast 10.000 Corona-Tote

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Auf diesem Friedhof in São Paulo ist das Ausmaß der Corona-Krise zu erahnen.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Brasilien entwickelt sich zu einem neuen Krisenherd der Corona-Pandemie. In dem südamerikanischen Land sterben sehr viele Infizierte. Vor allem in São Paulo ist die Lage kritisch. Präsident Bolsonaro findet die anhalten Ausgangsbeschränkungen trotzdem für falsch.

Die Zahl der Corona-Todesopfer in Brasilien steigt weiter rasant an. Binnen 24 Stunden seien 751 Menschen nach einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus gestorben, teilte das Gesundheitsministerium am Freitagabend mit. Es war die bislang höchste Zunahme der Sterbefälle innerhalb eines Tages. Insgesamt gibt es nach Angaben des Ministeriums inzwischen 9897 Corona-Todesfälle in Brasilien. Die Zahl der bestätigten Infektionen habe sich innerhalb eines Tages um mehr als 10.000 auf gut 145.000 erhöht.

Das größte lateinamerikanische Land ist dabei, sich zu einem neuen Krisenherd der Corona-Pandemie zu entwickeln. Brasilien verzeichnet inzwischen mehr Sterbefälle als Deutschland und weist die siebthöchste Zahl an Corona-Toten weltweit auf.

Insgesamt 145.328 Infektionen wurden nach Angaben der brasilianischen Behörden inzwischen nachgewiesen. Experten ziehen die offizielle Statistik wegen der geringen Testdichte jedoch in Zweifel, sie gehen davon aus, dass die Zahl der Infizierten in Brasilien bis zu 20 Mal höher liegen könnte.

Epizentrum São Paulo

Epizentrum der Corona-Krise in Brasilien ist der Bundesstaat São Paulo mit seinen knapp 46 Millionen Einwohnern. Dort wurden bereits mehr als 41.000 Corona-Fälle und 3400 Tote verzeichnet. Die Schulen und die meisten Geschäfte in dem Bundesstaat sind seit Ende März geschlossen. Die Ausgangsbeschränkungen wurden am Freitag trotz der Warnungen von Präsident Jair Bolsonaro bis Ende Mai verlängert.

Brasiliens rechtsradikaler Staatschef hat wiederholt von einer weltweiten "Hysterie" im Zusammenhang mit Covid-19 gesprochen. Die von den Bundesstaaten verhängten Ausgangsbeschränkungen schaden seiner Ansicht nach unnötig der Wirtschaft. Er selbst setzt sich regelmäßig über Kontaktbeschränkungen hinweg, indem er auf den Straßen Brasílias zu sehen ist oder bei Menschenansammlungen bei Veranstaltungen seiner Unterstützer.

Quelle: ntv.de, ara/AFP