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Nach Astrazeneca-Sperre Bundesländer passen ihre Impfpläne an

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Hamburg greift auf Reserven zurück und streckt den Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung auf das Maximum.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Wirkstoff von Astrazeneca darf in Deutschland vorerst nicht mehr gespritzt werden. Die Bundesländer müssen darauf reagieren. Teils fallen Hunderttausende Termine aus. Teils können die Impfzentrum auf Reserven anderer Vakzine zurückgreifen. Jedoch nicht für lange.

Nach dem bundesweiten Impfstopp für den Astrazeneca-Wirkstoff müssen die Bundesländer ihre Impfpläne entsprechend anpassen. Hamburg und Rheinland-Pfalz greifen zur Einhaltung bereits vergebener Termine auf andere Impfstoffe zurück. Durch Umstellung auf Ersatzpräparate der Firmen Biontech und Pfizer sowie Moderna sollten bereits vergebene Termine "in möglichst hohem Umfang" eingehalten werden, teilte die Hamburger Gesundheitsbehörde mit. Das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin kündigte an, sämtliche Termine auf diese Wirkstoffe umzustellen.

Ab Mittwoch fänden alle bereits vereinbarten Impftermine in den Impfzentren wieder wie geplant statt, teilte das Ministerium in Mainz mit. Für Menschen, die am Dienstag mit Astrazeneca hätten geimpft werden sollen, würden zeitnah Ersatztermine mit anderen Wirkstoffen organisiert. Auch in Hamburg gilt die Regelung ab Mittwoch, Impftermine vom Dienstag werden ebenfalls nachgeholt.

In beiden Bundesländern werden nach Angaben der Behörden ferner ab sofort wegen der insgesamt begrenzten Verfügbarkeit zugleich keine neue Impftermine für Menschen außerhalb der höchsten Prioritätsstufe mehr angeboten. Alle restlichen Bestände der Mittel von Biontech und Pfizer sowie Moderna werden auf diesen Kreis konzentriert. Auch Impfungen mit mobilen Teams außerhalb der Impfzentren werden gestoppt. In Rheinland-Pfalz betrifft das etwa die Krankenhäuser, die Polizei und Justizvollzugsanstalten.

Hamburg greift für die Ausweichlösung laut Gesundheitsbehörde auf planmäßig zurückgestellte Reserven der anderen Impfstoffe zurück und streckt den Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung auf das Maximum. Zudem wird die Vergabe von neuen Impfterminen gestoppt, außer für Berechtigte im Alter über 80 Jahren. Für diese stünden weiterhin in "begrenztem Umfang" Termine bereit.

Keine Impfungen für Lehrer in NRW

Auch Nordrhein-Westfalen will zunächst mit einer Reserve auf die neue Lage reagieren, wie Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann mitteilte. Von den Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna seien rund 50 Prozent der Dosen zurückgelegt worden, um auf Lieferengpässe zu reagieren. Nach Angaben von Ministerpräsident Armin Laschet wird die Reserve um 150.000 Dosen verkleinert, um bis Ende März ebenso viele Menschen zusätzlich impfen zu können. Das werde Behinderten in Eingliederungseinrichtungen und zu einem kleineren Teil über 80-Jährigen zugutekommen.

Impfungen für Kita-Erzieherinnen und Lehrer sind dem Gesundheitsminister zufolge zunächst nicht möglich. Da die Zweit-Impfung mit dem Vakzin 12 bis 13 Wochen Zeit habe, beunruhige ihn diese Frage, die in NRW frühestens Mitte April akut werde, zunächst aber nicht.

In Niedersachsen müssten rund 160.000 Termine abgesagt beziehungsweise verlegt werden, teilte das Gesundheitsministerium in Hannover mit. Die Betroffenen sollen vom Land informiert werden und schnellstmöglich automatisch einen neuen Termin erhalten. "Über das System der Warteliste werden diese Personen als erste mit einem neuen Termin versorgt, sobald entsprechende Impfstoffe in den Impfzentren vorhanden sind. Über 80-Jährige werden hierbei priorisiert behandelt", hieß es. Der Impfstoff von Astrazeneca macht den Angaben zufolge in Niedersachsen rund ein Viertel der Impfkapazität aus.

Saarland impft vorerst wie geplant

Im Saarland hingegen finden die geplanten Termine Gesundheitsministerin Monika Bachmann zufolge vorerst wie vereinbart statt. "Die Bürgerinnen und Bürger erhalten ein alternatives Impfangebot und werden mit dem Impfstoff von Biontech geimpft", sagte sie. Dennoch könnte es bald zu Impfengpässen kommen. "Gehen wir davon aus, dass die Entscheidung der EMA am Donnerstag ergibt, dass Impfungen mit Astrazeneca weiterhin ausgesetzt werden müssen, ist es uns leider nicht möglich, allen Bürgerinnen und Bürgern direkt ein alternatives Impfangebot zu machen", sagte Bachmann einer Mitteilung zufolge. Der Bestand sowie die zugesagten Liefermengen anderer Impfstoffe würden dafür nicht ausreichen.

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Deutschland und zahlreiche weitere europäische Länder hatten den Einsatz des Astrazeneca-Impfstoffs zuletzt ausgesetzt. Der Grund sind einzelne Fälle von Thrombosen der Hirnvenen nach Impfungen. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA soll nun entscheiden. In der EU sind bislang vier Impfstoffe zugelassen.

In Deutschland wurde der Astrazeneca-Impfstoff bisher generell zur Immunisierung jüngerer Berechtigter eingesetzt. Wirkstoffe von Biontech und Pfizer sowie Moderna sind im Regelfall für Menschen über 80 Jahre und bestimmte Berufsgruppen reserviert, die zur höchsten Prioritätsgruppe eins gehören. Der zuletzt zugelassene vierte Impfstoff von Johnson & Johnson ist in Deutschland bislang nicht verfügbar. Die Bundesregierung rechnet frühestens ab Mitte April mit den ersten Lieferungen.

Quelle: ntv.de, chf/dpa/AFP

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