Panorama

Düstere Bilder aus Wuhan Bundesregierung bereitet Rückholaktion vor

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Gespenstische Leere in Wuhan: In den Straßen der Millionenmetropole ruht der Verkehr.

(Foto: imago images/Xinhua)

Die Zahl der Infizierten in China steigt, in Deutschland laufen Vorbereitungen für eine mögliche Evakuierung betroffener Staatsbürger. Per Flugzeug sollen China-Reisende bei Bedarf aus abgeriegelten Epidemiegebieten ausgeflogen werden.

Die Bundesregierung erwägt angesichts der Ausbreitung des neuen Coronavirus, ausreisewillige Deutsche aus China auszufliegen. Eine mögliche Evakuierung werde in Betracht gezogen, sagte Außenminister Heiko Maas. Am Wochenende hatte es noch geheißen, Deutschland plane anders als etwa Frankreich oder die USA keine Evakuierungsmaßnahmen.

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Wie ausgestorben: Blick aus der Vogelperspektive auf einen Kreisverkehr in Wuhan.

(Foto: imago images/Xinhua)

Mittlerweile haben die Behörden in China ihre Sicherheitsvorkehrungen zur Eindämmung der ansteckenden Virus-Erkrankungen jedoch verstärkt. In Berlin kam zu Wochenbeginn erneut der eigens eingerichtete Krisenstab zusammen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Beteiligt an den Beratungen sind auch Experten des Robert-Koch-Instituts.

"Wir prüfen und wir bereiten uns auf alle Optionen vor", sagte Maas. "Wir ziehen eine mögliche Evakuierung aller ausreisewilligen Deutschen in Betracht." Andere Länder wie etwa die USA haben solche Rückholaktionen bereits in die Wege geleitet. Ein Team der deutschen Botschaft in Peking sei, so Maas weiter, bereits auf dem Weg nach Wuhan, um den Deutschen vor Ort Unterstützung zu leisten. "Alle Bürgerinnen und Bürger sollten zunächst einmal die Reise- und Sicherheitshinweise des AA aufmerksam verfolgen. Die werden täglich aktualisiert. Und Reisende sollten überlegen, nicht zwingende Reisen nach China zu verschieben oder zu unterlassen."

Das Auswärtige Amt steht eigenen Angaben zufolge in engem Kontakt mit Betroffenen vor Ort. Demnach leben in der Region etwa 100 deutsche Staatsangehörige mit ständigem Wohnsitz, die in der Krisenvorsorgeliste des Amtes registriert sind. In diese Liste können Deutsche sich freiwillig eintragen lassen.

Aufgetreten war das neuartige Coronavirus zuerst in der zentralchinesischen Millionenmetropole Wuhan. Um die Infektionswelle einzudämmen, haben die chinesischen Gesundheitsbehörden in Wuhan, der umliegenden Provinz Hubei sowie in weiteren betroffenen Regionen strikte Reisebeschränkungen verhängt.

*Datenschutz

Alle Verbindungen per Bus, Bahn und Flugzeug von und nach Wuhan sind derzeit gesperrt. In Wuhan wurde sogar der private Autoverkehr behördlich untersagt. "Die Bundesregierung steht im engen Kontakt mit den chinesischen Behörden und prüft intensiv Möglichkeiten der Unterstützung für die Deutschen, die sich derzeit in der Provinz aufhalten", teilte das Auswärtige Amt mit.

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Arbeiten unter erschwerten Bedingungen: Mit einem Filzstift notiert das medizinische Personal in einem Krankenhaus in Wuhan den Namen eines Kollegen auf dessen Rücken.

(Foto: imago images/Xinhua)

Wenn sich eine "Möglichkeit zur Ausreise" ergebe, würden die bei den deutschen Botschaften und Konsulaten vor Ort registrierten Staatsbürger "umgehend informiert", hieß es. Eine reguläre Ausreise aus den unter Quarantäne stehenden Städten und Regionen sei "derzeit nicht möglich". Auch andere Provinzen Chinas haben Einschränkungen der Reise- und Bewegungsfreiheit unterschiedlichen Ausmaßes verhängt. Davon könne zunehmend auch der Fernreiseverkehr betroffen sein, warnte das Auswärtige Amt.

Airlines bieten Umbuchungen an

Die Lufthansa bietet auf Anordnung chinesischer Behörden ihren Kunden kostenfreie Umbuchungen für alle Flüge von und nach China (ohne Hongkong) an. Dies gelte für Tickets, hieß es, die vor dem 23. Januar gebucht wurden, und zwar für Flüge im Zeitraum von 24. Januar bis 23. Februar. Die Lufthansa bietet pro Woche 45 Verbindungen nach und von China an, die österreichische Tochter Austrian Airlines neun, die Schweizer Tochter Swiss 21 inklusive Hongkong.

In Wuhan selbst sind mehrere deutsche Unternehmen mit eigenen Niederlassungen vertreten. Die Mitarbeiter vor Ort setzen bislang vor allem auf grundlegende Vorkehrungen zum Infektionsschutz wie etwa das Tragen einer Gesichtsmaske, gründliches Händewaschen und regelmäßige Desinfektion häufig genutzter Flächen.

Der in China stark engagierte Automobilkonzern Volkswagen rief Mitarbeiter dazu auf, Dienstreisen auf ein Mindestmaß zu beschränken. Beschäftigten, die trotzdem in die Volksrepublik fliegen müssen, gab der Autobauer zahlreiche gute Ratschläge mit auf den Weg. Manche beschreiben dabei auch das Offensichtliche: Man solle etwa Kontakt mit an Fieber erkrankten Menschen meiden, wie mehrere deutsche Unternehmen ihren Geschäftsreisenden empfahlen.

Messen, desinfizieren, Hände waschen

Der Handelsriese Metro richtete zudem in jedem der insgesamt vier Großmärkte der Kette in der Millionen-Metropole Wuhan Körpertemperatur-Kontrollpunkte ein, wie eine Sprecherin berichtete. Mitarbeiter und Kunden werden als Vorsichtsmaßnahme auf Fieber oder eine erhöhte Körpertemperatur untersucht. Und es wird öfter geputzt - die Häufigkeit der Reinigung und Desinfektion sei gesteigert worden, hieß es. Wer kann, vermeidet Aufenthalte außerhalb der eigenen vier Wände. Den Mundschutz bekommen die Metro-Mitarbeiter gestellt. Damit stehen die Metro-Mitarbeiter in der Stadt aber nicht allein, auch viele andere im Großraum Wuhan tätige Firmen rüsten ihre Beschäftigten so aus.

Die Stadt Wuhan gilt als Ursprungsort des neuen Stamms des Coronavirus. Der Erreger soll dort erstmals auf einem Lebensmittelmarkt aufgetreten sein, auf dem Wildtiere illegal verkauft wurden. Zahlreiche Unternehmen warnten ihre Mitarbeiter daher generell vor dem Besuch von Märkten, dem Kontakt mit lebenden oder toten Tieren und rieten zur Vorsicht beim Verzehr von Lebensmitteln. Fleisch oder Eier sollten etwa gründlich gekocht werden.

"Alle Beschäftigten werden über vorbeugende Hygienemaßnahmen informiert und auf die lokalen Hinweise der Gesundheitsbehörden aufmerksam gemacht", berichtete die Telekom-Tochter T-Systems. Ihre Mitarbeiter sollen nach Möglichkeit aus ihren Wohnungen heraus arbeiten - damit sinkt das Risiko, in Menschenansammlungen zu geraten. Viele Firmen haben aktuell ihre Aktivitäten in der Stadt aber zurückgefahren. Das liegt aber nicht am Virus. Denn in China wird das Neujahrsfest gefeiert, viele Mitarbeiter haben frei. Die deutsche Botschaft in Peking ist vom 24. bis 28. Januar komplett geschlossen.

Die deutschen Auslandsvertretungen in China riefen Reisende aus Deutschland dazu auf, sich in die deutsche Krisenvorsorgeliste "Elefand" einzutragen, auf einen ausreichenden Reisekrankenversicherungsschutz zu achten und alle "nicht zwingenden Reisen nach China" zu verschieben. Durch die "enorme Beanspruchung des Gesundheitssystems" könne es zu "Einschränkungen bei der allgemeinmedizinischen Versorgung" kommen. Für China und die Provinz Hubei gibt es zudem eine überarbeitete Reisewarnung.

Quelle: ntv.de, mmo/AFP/rts