Panorama

Experte: "Tickende Wasserbombe" Chinas Mega-Staudamm alarmiert Nachbarn

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Am Oberlauf des Brahmaputra soll der größte Staudamm der Welt entstehen.

(Foto: imago images/ViewStock)

Das größte Kraftwerk der Welt ist China nicht genug, an einem der längsten Flüsse der Welt im Himalaya soll ein neuer gigantischer Staudamm entstehen. Umweltschützer halten ihn für "eine wirklich schlechte Idee" - auch weil die Region erdbebengefährdet ist.

Das bisher größte Kraftwerk der Welt steht in China, der Drei-Schluchten-Staudamm am Jangtse. Doch das neueste Kraftwerksprojekt Pekings lässt selbst diese Anlage klein aussehen: Ein gigantisches Wasserkraftwerk in Tibet soll dreimal so viel Strom erzeugen. Umweltschützer und der Nachbar Indien sind alarmiert. Der Mega-Staudamm ist nicht nur ein massiver Eingriff ins Ökosystem, China würde damit auch einen Großteil der Wasserversorgung Südasiens kontrollieren.

Der Staudamm ist am Oberlauf des Brahmaputra im Himalaya geplant. Er soll den längsten und tiefsten Canyon der Welt in einer Höhe von mehr als 1500 Metern überspannen und jährlich bis zu 300 Milliarden Kilowatt Strom erzeugen. Der im März verabschiedete 14. Fünf-Jahres-Plan erwähnt das Projekt, nennt aber keine Details zum Zeitrahmen oder den Kosten.

Kritik von Umweltschützern

Weit flussaufwärts ist der Brahmaputra, den die Tibeter Yarlung Tsangpo nennen, bereits durch zwei Anlagen aufgestaut, sechs weitere Wasserkraftwerke sind geplant oder im Bau. Aber der Mega-Staudamm hätte eine ganz andere Dimension.

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Das bisher größte Wasserkraftwerk der Welt: der Drei-Schluchten-Staudamm am Jangtse.

(Foto: imago images/Imaginechina-Tuchong)

Im Oktober unterzeichnete die tibetische Regierung ein Kooperationsabkommen mit dem staatlichen, auf Wasserkraft spezialisierten Unternehmen Powerchina. "Die Region verfügt über die weltweit größten Ressourcen für Wasserkraft", sagte der Chef von Powerchina, Yan Zhiyong, bei der Vorstellung des Projekts.

Peking mag den gigantischen Staudamm als umweltfreundliche Alternative zu fossilen Brennstoffen rechtfertigen, dennoch lehnen Naturschützer ihn ab. "Einen Damm in dieser Größe zu bauen, ist aus vielen Gründen eine wirklich schlechte Idee", sagt Brian Eyler, Programmdirektor für Energie, Wasser und Nachhaltigkeit beim US-Think-Tank Stimson Center. Zum einen sei das Gebiet erdbebengefährdet, zum anderen berge es eine einzigartige Artenvielfalt. Der Damm würde sowohl die Wanderung von Fischen blockieren als auch die Anreicherung des Bodens mit Sedimenten bei den saisonalen Überschwemmungen, argumentiert Eyler.

"Eine tickende Wasserbombe"

Tempa Gyaltsen Zamlha warnt nicht nur vor ökologischen, sondern auch vor politischen Risiken durch den Bau des Wasserkraftwerks. "Wir haben ein sehr reiches tibetisches Kulturerbe in diesen Gebieten", sagt der Experte des Think-Tanks Tibet Policy Institute der tibetischen Exilregierung in Indien. "Der Dammbau würde zu ökologischer Zerstörung und zur Überflutung von Teilen dieser Region führen." Während Tibeter abwandern müssten, würden sich die han-chinesischen Arbeiter dauerhaft ansiedeln, befürchtet er. Durch den Drei-Schluchten-Staudamm verloren 1,4 Millionen Anwohner ihre Heimat.

Der Brahmaputra ist mit rund 3000 Kilometern einer der längsten Flüsse der Welt. Vom Himalaya in Tibet fließt er weiter durch Indien und Bangladesch, wo er in den Ganges und schließlich ins Meer mündet. Staut China das Wasser am Oberlauf, hat das Auswirkungen auf die Nachbarländer. Vor einem "Wasserkrieg" warnt der Politologe Brahma Chellaney in der "Times of India". China könnte über die Ressource Wasser seine Macht ausüben. Wegen der Gefahr eines Erdbebens sei der Staudamm zudem eine "tickende Wasserbombe" für die flussabwärts lebenden Menschen, schrieb Chellaney weiter.

Die indische Regierung reagierte auf das chinesische Projekt mit Überlegungen, selbst ein Wasserkraftwerk am Brahmaputra zu errichten. "Es ist noch viel Zeit, um mit China zu verhandeln", sagt Umweltexperte Eyler. "Ein schlechtes Ergebnis wäre, wenn Indien flussabwärts einen Damm bauen würde."

Quelle: ntv.de, ses/AFP

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