Panorama

Mehr Kontrolle über Religion? Chinesen hacken wohl Vatikan-Computer

128294837.jpg

Die Gespräche zwischen Papst Franziskus und China im September stehen unter keinem guten Stern.

(Foto: picture alliance/dpa)

Das Verhältnis zwischen China und dem Vatikan ist schon immer angespannt, Religionsanhängern droht die Volksrepublik sogar mit Repressionen. Jetzt sollen chinesische Hacker den Heiligen Stuhl ausspioniert haben. Und das kurz vor wichtigen Gesprächen zwischen dem Papst und Peking im September.

Chinesische Hacker sind einem Bericht zufolge in Computer des Vatikans eingedrungen. Betroffen sei auch ein Büro des Heiligen Stuhls in Hongkong, berichtet die "New York Times". Sie bezog sich dabei auf eine Untersuchung von Recorded Future, einem privaten Cybersicherheitsunternehmen in den USA. Dieses machte eine vom chinesischen Staat unterstützte Gruppe namens RedDelta für die Hacker-Angriffe verantwortlich. Das Außenministerium in Peking distanzierte sich von den Berichten. Aus dem Vatikan lag zunächst keine Stellungnahme vor.

Die Angriffe begannen dem Bericht zufolge im Mai. Sie fielen in eine Zeit, in der die Volksrepublik versuchte, die Kontrolle über die Religionsgemeinschaften in China noch zu verschärfen, hieß es. Sie ereigneten sich vor wichtigen Gesprächen zwischen Peking und dem Heiligen Stuhl, die im September anstünden. Dem Bericht zufolge benutzten die Hacker unter anderem eine Datei, die einem offiziellen Schreiben des Vatikans an den Leiter der Studienmission in Hongkong täuschend ähnlich sah.

Außenamtssprecher Wang Wenbin sagte auf Anfrage in Peking, China sei immer "ein zuverlässiger Verteidiger der Cyber-Sicherheit" gewesen. Wenn es um Cyber-Vorfälle gehe, sollten "ausreichende Beweise" und keine "unvernünftigen Annahmen" präsentiert werden.

Verhältnis zwischen Vatikan und China ist heikel

Das Verhältnis zwischen dem Vatikan und dem kommunistischen China ist seit Gründung der Volksrepublik 1949 nicht besonders gut. 1951 war dort eine Kirche unter staatlicher Kontrolle gegründet worden. Wer als Katholik in China dem Papst die Treue hält, muss Repressionen befürchten. Der Vatikan gehört zu den 15 Staaten weltweit, die Taiwan gegen den Widerstand aus Peking noch diplomatisch anerkennen.

Seit einigen Jahren gibt es aber verstärkt Bemühungen, die Beziehungen zu verbessern. Papst Franziskus hat wiederholt betont, er wolle bessere Kontakte und würde das Land gerne besuchen. Im September 2018 unterzeichneten beide Seiten ein "vorläufiges Abkommen" über die Ernennung von Bischöfen. In diesem September wollen beide Seiten der "New York Times" zufolge zusammenkommen, um über die Bischofsfrage und den Status von Gebetshäusern als Teil einer Erneuerung dieses Abkommens zu beraten

Quelle: ntv.de, can/dpa