Panorama

Mit Tränen in den Augen Chinesen schweigen für die Corona-Toten

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Gedenken an die Corona-Toten: ein Trauernder in Wuhan.

(Foto: REUTERS)

Jedes Jahr findet Anfang April der Totengedenktag in China statt. In diesem Jahr verleiht ihm die Corona-Krise eine besondere Tragik. Im ganzen Land erinnern Menschen mit Schweigeminuten an die Verstorbenen. Viele haben Tränen in den Augen.

China hat mit drei Schweigeminuten der Toten durch das Coronavirus gedacht. Landesweit heulten am chinesischen Totengedenktag am Samstag um 10.00 Uhr Ortszeit (04.00 Uhr unserer Zeit) die Sirenen. Auch Autos hupten und Schiffe ließen ihre Hörner ertönen.

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Wie hier in Peking legten die Menschen in ganz China Schweigeminuten für die Opfer ein.

(Foto: AP)

In Peking blieben die U-Bahnen für drei Minuten stehen. Die Menschen auf den Straßen chinesischer Metropolen hielten inne und trauerten um die Opfer. Die Nationalflaggen auf öffentlichen Gebäuden und in chinesischen Botschaften weltweit wehten auf halbmast.

Das Gedenken sei zu Ehren der "Märtyrer und Landsleute, die im Kampf gegen die Epidemie ums Leben gekommen sind", teilte der Staatsrat mit. Staats- und Parteichef Xi Jinping und die chinesische Führung verneigten sich mit weißen Trauerblumen am Revers ihrer dunklen Anzüge bei einer Zeremonie in Peking vor einer auf halbmast wehenden Nationalflagge.

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Friedhofsbesuche sind tabu

Am "Qingming-Fest" trauern die Chinesen traditionell um ihre Toten und gehen auf die Friedhöfe, um die Gräber zu säubern. Normalerweise werden Blumen, Essen und andere Gegenstände für die Toten abgelegt und Papiergeld sowie Räucherstäbchen verbrannt.

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Auch die Sicherheitskräfte in Peking trauerten.

(Foto: REUTERS)

Da aber weiter Einschränkungen in Kraft sind, um die Ausbreitung des Sars-CoV-2-Virus zu verhindern, haben viele Provinzen die Menschen aufgefordert, in diesem Jahr nicht zu den Gräbern zu pilgern. Vielmehr solle daheim der Toten gedacht werden. Friedhöfe organisierten kollektive Riten für die Toten. Auch wurden Plattformen im Internet eingerichtet, in denen virtuell Opfergaben überreicht werden können.

In der schwer von der Lungenkrankheit Covid-19 betroffenen Metropole Wuhan in der Provinz Hubei waren alle Versammlungen zum Totengedenktag untersagt. "Wir sind nicht zum Grab unserer Eltern gegangen", sagte eine 65-jährige Bewohnerin der 11-Millionen-Metropole. "Auch können wir in Wuhan noch nicht an Trauerfeiern teilnehmen."

Offiziell 3326 Tote

In der chinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong, wo ebenfalls drei Schweigeminuten eingelegt wurden, hatte die Regierung die sieben Millionen Einwohner in ähnlichen Worten aufgefordert, nicht zu den Gräbern zu gehen. Die Menschen sollten es zu diesem "kritischen Zeitpunkt" in der Epidemie vermeiden, "unnötig nach draußen zu gehen". In der dicht bevölkerten Hafenmetropole wurden bisher rund 800 Infektionen gezählt.

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Die Fahnen in China wehten auf halbmast.

(Foto: dpa)

In Festlandchina sind seit dem Ausbruch des Coronavirus vor gut vier Monaten nach amtlichen Angaben vom Samstag 3326 Menschen an der Lungenkrankheit gestorben. Mehr als 80.000 Menschen haben sich demnach infiziert. Die wahren Zahlen dürften allerdings deutlich höher liegen, da die Art der Erhebung immer wieder geändert wurde und viele Fälle nicht in der offiziellen Statistik auftauchen.

Auch hatten sich nach Angaben der Behörden mehr als 3000 medizinische Kräfte infiziert. Von ihnen sind 14 gestorben. Einige von ihnen wurden in den kommunistischen Ehrenstatus des "nationalen Märtyrers" erhoben - darunter auch der Arzt Li Wenliang, der schon früh vor der Gefahr durch das Virus gewarnt hatte, aber zunächst von den Behörden mundtot gemacht worden war.

Quelle: ntv.de, vpr/dpa