Panorama

Mehr Tote als durch Virus Corona-Krise entfacht Gewalt in Nigeria

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Strikte Ausgangssperren werden in Nigeria von Sicherheitskräften überwacht.

(Foto: REUTERS)

In Nigeria gelten strenge Ausgangssperren wegen der Coronavirus-Pandemie. Doch offenbar eskaliert deswegen die Gewalt im Land. Menschenrechtsexperten beklagen, dass es aufgrund brutaler Sicherheitskräfte mehr Tote gibt als durch das Virus.

In Nigeria sind laut der Menschenrechtskommission des Landes seit der Verhängung von Restriktionen wegen der Coronavirus-Pandemie mehr Menschen durch Ordnungshüter ums Leben gekommen als durch das Virus selbst.

In einem Bericht der Kommission heißt es: "Während Covid-19 bisher zum Tod von elf Patienten geführt hat, haben Sicherheitskräfte bei der Durchsetzung der Bestimmungen außergerichtlich 18 Menschen exekutiert." Daran beteiligt gewesen seien zwischen Ende März und dem 13. April neben Angehörigen von Armee und Polizei auch Mitarbeiter der Strafvollzugsbehörden. Es gebe zahlreiche Hinweise und Berichte über brutale Übergriffe.

Auch aus anderen afrikanischen Ländern werden derartige Übergriffe gemeldet. Auf dem Kontinent leben viele Menschen gerade in städtischen Ballungszentren in beengten Verhältnissen. Viele von ihnen sind als Tagelöhner verzweifelt auf der Suche nach Arbeit, um ihre Familien ernähren zu können.

Plünderungen rund um Lagos

Allerdings nutzen offenbar einige die Ausgangssperren für Überfälle und Plünderungen. Die nigerianischen Behörden haben deswegen Sondereinheiten der Polizei rund um Lagos entsandt. Mehrere mit Schusswaffen, Macheten oder Stöcken bewaffnete Jugendliche hatten in den Tagen zuvor Geschäfte und Wohnhäuser geplündert. "Sie kamen Sonntagabend in meine Nachbarschaft, attackierten Menschen und sammelten mit sporadischen Schüssen von Haus zu Haus ziehend Bargeld ein", sagte Wole Adegboye aus Agege, einem Vorort von Lagos.

Nach Angaben eines Polizeisprechers wurden 191 Verdächtige bereits festgenommen. Mehrere davon behaupteten demnach, dass sie wegen der Restriktionen aktuell kein Geld für ihren Lebensunterhalt verdienen könnten. Die Regierung hat gerade die Ausgangssperre für Lagos und den benachbarten Bundesstaat Ogun um zwei Wochen verlängert. Die Region stellt fast die Hälfte der 373 offiziellen Covid-19-Fälle in Nigeria.

Quelle: ntv.de, ara/dpa