Panorama

Weniger Kokain, mehr AlkoholCorona-Krise verändert Drogenkonsum

25.06.2020, 21:14 Uhr
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Gewohnheitsmäßige Kiffer greifen während der Pandemie noch häufiger zum Joint, Gelegenheitsraucher schränken sich dagegen ein, beobachtet die EU. (Foto: picture alliance / dpa)

Die Corona-Pandemie greift in alle Lebensbereiche ein. In der Krise sind nicht alle Rauschmittel gleich gefragt. Bei Kokain, Alkohol und Cannabis verzeichnet die EU interessante Verschiebungen. Der Weltdrogenreport der Vereinten Nationen befürchtet insgesamt mehr Missbrauch im Lockdown.

Während der Corona-Krise sind europäische Drogenkonsumenten in vielen Ländern von illegalen Rauschmitteln auf Alkohol und auch andere, gefährlichere Substanzen umgestiegen. Die Drogenproduktion sei jedoch in etwa gleich hoch geblieben, sodass Zwischenhändler auf großen Mengen sitzen dürften, berichtete die EU-Drogenbeobachtungsstelle mit Sitz in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon.

Auch habe sich der Handel stärker ins Internet verlagert, und Dealer hätten die Drogen nach Hause geliefert. Am stärksten sei der Konsum von Kokain und synthetischen Drogen wie Ecstasy zurückgegangen, schrieben die Autoren des 24-seitigen Berichts. Wegen der Ausgehbeschränkungen habe es kein Nachtleben mehr gegeben, wo solche Aufputschmittel am ehesten konsumiert werden. Auch sei der Straßenverkauf kaum noch möglich gewesen.

Anders das Bild bei Cannabis: Gelegentliche Nutzer hätten den Konsum eher eingeschränkt, stärker Abhängige hingegen ausgeweitet. Und: Vor allem Cannabis-Nutzer seien auf Alkohol umgestiegen. Es sei aber auch eine Zunahme bei gefährlicheren Drogen wie zum Beispiel dem aus einem Lösungsmittel hergestellten GHB beobachtet worden. Langeweile im Lockdown und Angstzustände seien hier in einer Umfrage genannt worden. In mehreren Ländern sei auch eine Zunahme des privaten Anbaus von Cannabis auf dem heimischen Balkon registriert worden. Ob die Änderungen dauerhaft seien, könne noch nicht mit Sicherheit gesagt werden. Es sei jedoch dringend geboten, die Entwicklung genau zu beobachten, schrieb die EU-Drogenbeobachtungsstelle. Sie liefert nur Daten und Statistiken - Prävention und Bekämpfung liegen in der Zuständigkeit der EU-Staaten.

UN: Krise heizt Konsum an

Auch der Weltdrogenbericht der Vereinten Nationen befasst sich mit den Folgen der Pandemie auf den Drogenkonsum. Das UN-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) befürchtet generell einen Anstieg beim Drogenkonsum. Nach bisherigen Erfahrungen sei steigende Arbeitslosigkeit - wie in dramatischer Weise in der aktuellen Krise - immer verbunden gewesen mit einem verstärkten Griff zu Drogen. Das teilte die Behörde in ihrem Jahresbericht mit. "Die Covid-19-Krise und der wirtschaftliche Abschwung drohen die Drogengefahren noch weiter zu verschärfen", sagte UNODC-Generaldirektorin Ghada Waly in Wien.

Nach Einschätzung der UN-Behörde könnten außerdem Bauern schon aus wirtschaftlicher Not heraus den illegalen Anbau von Drogen beginnen oder ausbauen. Die Schmuggler suchten wegen der Einschränkungen im Luftverkehr und wegen der verstärkten Grenzkontrollen neue Wege, ihre illegale Ware zu transportieren. So seien in jüngster Zeit Kokain-Transporte von Südamerika nach Europa auf dem direkten Seeweg beobachtet worden.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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