Panorama

Ausweitungen sind geplant Corona-Tests werden zum Nadelöhr

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Von den Tests versprechen sich viele Sicherheit.

(Foto: picture alliance/dpa)

Um das Coronovirus zu bekämpfen, müssen die Infizierten erkannt werden. Doch die Tests werden weltweit langsam knapp und die Angst vor einer Infektion macht die Menschen vielerorts ungeduldig und unvernünftig. Aus München gibt es Berichte über Bestechungsversuche.

Die WHO appelliert an die Weltgemeinschaft, verstärkt auf das Coronavirus zu testen, Erkrankte zu identifizieren und zu isolieren. Dies sei das Rückgrat der Pandemie-Bekämpfung und müsse in jedem Land beherzigt werden, sagt WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Wenn die Patienten nicht behandelt und ihre Genesung nicht kontrolliert werde, könnten sich Infektionsketten auf einem niedrigen Niveau fortsetzen und bei einer Aufhebung von Maßnahmen zur Kontaktbeschränkung wieder verschärfen.

In Deutschland müssen Menschen, die sich auf das Coronavirus Sars-CoV-2 testen lassen, jedoch vielerorts Geduld mitbringen. An einigen Orten sind die Labore überlastet, was zu langen Wartezeiten bis zum Vorliegen des Testergebnisses führt, wie es aus verschiedenen Bundesländern hieß. So müssen etwa getestete Menschen in Hannover der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) zufolge bis zu zwei Tage auf ein Ergebnis warten. In Bayern sind es laut der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) sogar fünf bis sieben Tage.

Gleichzeitig berichten Menschen unter anderem bei Twitter von teilweise langen Schlangen vor Testzentren in verschiedenen Städten. Eine Frau erzählt von chaotischen Zuständen und langen Wartezeiten in der Teststation eines Berliner Krankenhauses. Die Münchner "tz" berichtet, dass sich vor der Teststation auf der Theresienwiese am Donnerstag lange Schlangen gebildet hatten. Viele Menschen seien ohne Termin gekommen, um sich testen zu lassen. Einige hätten versucht, die Mediziner vor Ort zu bestechen. Das Gesundheitsamt der Stadt stellte noch einmal klar, dass die Drive-In-Stationen zur Entnahme der Proben denjenigen vorbehalten sind, die vom Gesundheitsamt oder der Kassenärztlichen Vereinigung dorthin geschickt werden.

Mehr Testkapazitäten im Aufbau

In Bayern nimmt der mobile Fahrdienst der KVB derzeit nach eigenen Angaben täglich bei etwa 1700 Menschen Abstriche für Tests auf das Coronavirus. Sie würden in Labore gebracht, die jedoch völlig überlastet seien. "Die Kapazitäten sind erschöpft", hieß es. In niedersächsischen Laboren werde Material für Coronavirus-Tests knapp, sagte ein Sprecher der KVN. Nachschub zu bestellen sei angesichts der weltweiten Nachfrage schwierig.

In Sachsen können nach Angaben von Sozialministerin Petra Köpping derzeit 1400 Corona-Tests am Tag durchgeführt werden. Das seien 500 mehr als in der vergangenen Woche. In den nächsten Tagen sollen die Kapazitäten demnach verdoppelt werden. In Berlin haben laut Gesundheitsverwaltung derzeit sieben Labore eine Kapazität von 2000 Tests pro Werktag. An einer Ausweitung werde gearbeitet.

Bundesweit liegen die Testkapazitäten laut dem Chef des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, bei etwa 160.000 pro Woche. Sie seien noch weiter zu steigern, zum Beispiel unbürokratisch mithilfe des Bereichs Tiermedizin. Das sei möglich, da solche Labore etwa durch die Blauzungenkrankheit auf die Testmethode eingestellt seien. Getestet werden sollen nach Kriterien des RKI nur Patienten, die Symptome haben und in einem der Risikogebiete waren oder in den vergangenen zwei Wochen Kontakt zu nachweislich Infizierten hatten. Bei diesen Menschen sei die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie tatsächlich mit Sars-CoV-2 infiziert sind. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte bereits am Dienstag um Geduld und Verständnis für Wartezeiten bei Info-Hotlines und Testergebnissen gebeten.

Nach Angaben der Pharmaindustrie reicht die zurzeit vorhandene Zahl der Coronavirus-Tests nicht aus, um wie von der WHO empfohlen weitreichende Tests durchzuführen. "Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei Weitem", sagte der Chef der Schweizer Pharmafirma Roche, Severin Schwan, am Donnerstag in einer virtuellen Pressekonferenz des Dachverbands der Pharmafirmen, IFPMA. "Es ist wichtig, dass die Tests zunächst für Risikopatienten und solche mit Krankheitssymptomen sind. Breites Testen ist einfach nicht möglich."

Quelle: ntv.de, sba/dpa