Panorama

Furcht vor dramatischen Folgen Corona breitet sich schnell in Afrika aus

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In Südafrika wird vergleichsweise viel getestet. Anderen Staaten des Kontinents fehlt jedoch die Infrastruktur.

(Foto: REUTERS)

Der Virologe Christian Drosten warnt davor, dass die Corona-Pandemie in Afrika zu Szenen führen könnte, die "wir nur aus Kinofilmen" kennen. Tatsächlich breitet sich das Virus aktuell sehr schnell auf dem Kontinent aus.

Das neue Coronavirus breitet sich zunehmend auch in Afrika aus. Die Zahl der bestätigten Infektionen auf dem Kontinent sei auf mehr als 10.000 angestiegen, mehr als 500 Menschen seien gestorben, gab die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einer Erklärung bekannt. Nachdem das Virus Sars-CoV-2 den Kontinent im Vergleich zu anderen Weltregionen erst sehr spät durch Reisende aus Europa, den USA und Asien erreicht habe, breite es sich nun sehr schnell aus.

Auch Bundesentwicklungsminister Gerd Müller warnte vor dramatischen Folgen. Angesichts der dort steigenden Zahl an Infektionen verwies er darauf, dass die Gesundheitssysteme der Länder nicht auf eine Versorgung von Corona-Kranken ausgerichtet seien. So gebe es etwa in Mali insgesamt nur vier Beatmungsgeräte. Er forderte die EU und andere Staaten auf, massive Hilfe zu leisten. "Wir müssen uns der Verantwortung stellen, die Schwächsten und Ärmsten auch unter einen Schutzschirm zu stellen und Solidarität zu leisten", sagte er.

Hilfsorganisationen wie World Vision oder Save the Children warnen bereits vor einer drohenden Katastrophe schwersten Ausmaßes, die auch die Zukunftschancen der Kinder beeinträchtige. In Afrika, wo ein Leben auf Distanz in vielen Armensiedlungen nicht möglich ist und auch die Hygienebedingungen nicht immer optimal sind, befürchten Experten eine hohe Dunkelziffer bei der Zahl der Infizierten.

Der Virologe Christian Drosten hatte in einer Ausgabe des Podcasts von Jan Böhmermann und Olli Schulz ("Fest und flauschig") vor den Folgen eines Ausbruchs in Afrika gewarnt. In Staaten mit schwachen organisatorischen Strukturen und schwachen politischen Institutionen, in denen es Großstädte gibt, könnte die Pandemie dramatische Auswirkungen haben. "Da werden wir Bilder sehen in der Zeit zwischen Juni und August, die wir nur aus Kinofilmen kennen. Da wird es Szenen geben, die wir uns so heute nicht vorstellen können. Und ich bin mir nicht sicher, was das dann bei uns auslöst", sagte Drosten.

WHO-Regionadirektor Matshidiso Moeti warnte im Hinblick auf die vielerorts schwache medizinische Infrastruktur zudem: "Covid-19 hat das Potenzial, nicht nur Tausende Tote zu verursachen, sondern auch eine ökonomische und soziale Verwüstung auszulösen", warnte er mit Hinweis auf eine in vielen Ländern nur schwach ausgeprägte medizinische Infrastruktur. Der Kontinent habe aber noch die Chance, die Übertragung des Virus deutlich zu reduzieren und zu verlangsamen.

Als offiziell unbetroffen von Covid-19 gelten in Afrika nur das Bergkönigreich Lesotho sowie die Inselgruppen der Komoren und Sao Tomé und Principe. Nach Angaben der Wirtschaftskommission für Afrika (ECA) könnten die Volkswirtschaften vieler Länder auf dem Kontinent durch die Folgen der Krise stark in Mitleidenschaft gezogen werden.

Quelle: ntv.de, bdk/AFP