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Kommission veröffentlicht Studie DDR schwieg Kindesmissbrauch tot

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Kindesmissbrauch, wie beispielsweise in den sogenannten Jugendwerkhöfen, wurde in der DDR bewusst nicht thematisiert.

(Foto: picture alliance / dpa)

Um jeden Preis sollte in der DDR das Bild der "glücklichen Musterfamilie" vermittelt werden. Aus diesem Grund wurde auch der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen unter den Teppich gekehrt. Das ist bis heute ein Problem.

Kindesmissbrauch ist in der DDR weitaus stärker und länger tabuisiert worden als im Westen. Sexueller Missbrauch habe nicht in das Bild der "heilen sozialistischen Gesellschaft" gepasst, heißt es in einer Fallstudie der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs. Es sei weder privat noch öffentlich über sexuelle Gewalt in Familien oder in staatlichen Einrichtungen gesprochen worden.

Der Analyse liegen 75 vertrauliche Anhörungen und 27 Berichte von Betroffenen zugrunde. Sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen gab es in der DDR demnach in allen Schichten, ähnlich wie in der alten Bundesrepublik. Gleichzeitig spielten das politische Machtsystem und das staatlich-repressive Erziehungssystem in der DDR eine besondere Rolle. So kam es in Institutionen wie Heimen und Jugendwerkhöfen, aber auch in Schulen, Musikschulen oder der Freizeiteinrichtung Pioniereisenbahn zu Missbrauch.

Die Heimerziehung galt als geschlossenes System innerhalb des ebenso geschlossenen Systems DDR. Wenn Kinder und Jugendliche nach Misshandlungen und sexuellem Missbrauch versuchten, aus Heimen und Werkhöfen zu fliehen, endete diese Flucht spätestens an der Staatsgrenze. Flucht- und Suizidversuche führten in der Folge häufig zur Verlegung in restriktivere Heime bis hin zu den geschlossenen Jugendwerkhöfen.

"Innerhalb der Geschlossenheit der Heime konnte sexueller Missbrauch ausgeübt, verdeckt und normalisiert werden", heißt es in der Fallstudie. Der ideologisch begründete Erziehungsauftrag der Heime - die Umerziehung - führte demnach zu Willkür auf Seiten der Täter und zu einem "extremen Ausgeliefertsein auf der Opferseite".

Schweigen hält bis heute an

Auch Menschen, die in der Familie missbraucht wurden, berichten demnach von einer "hochgradigen Verschwiegenheitspflicht", die es ihnen in der Kindheit unmöglich machte, über sexuelle Gewalt zu sprechen. Nach außen habe das Bild "einer glücklichen Musterfamilie der DDR" gelebt werden müssen.

"Das Schweigen wirkte lange nach und hält bis heute an", erklärte Christine Bergmann, Kommissionsmitglied und frühere Bundesfamilienministerin. "Noch immer sagen Betroffene, dass sie kaum über ihren Heimaufenthalt in der DDR oder über die erlittene sexualisierte Gewalt sprechen können." Die Kommission hatte im Mai 2016 ihre Arbeit aufgenommen. Sie untersucht sämtliche Formen von sexuellem Kindesmissbrauch in der Bundesrepublik und in der DDR.

Betroffene konnten, wenn überhaupt, erst nach dem Ende der DDR über die erlittene sexuelle Gewalt berichten und therapeutische Unterstützung finden. Es fehlt der Kommission zufolge an Hilfen wie Selbsthilfegruppen und Beratungseinrichtungen sowie ausreichenden Therapieangeboten und finanzieller Unterstützung.

Quelle: n-tv.de, psa/AFP

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