Panorama

Kein Bezug zu Corona Das ist die "Floskel des Jahres"

223391264.jpg

In den vergangenen Monaten kamen einige Fälle von rechtsextremistischen Chatverläufen und dergleichen im Polizei-Umfeld ans Licht der Öffentlichkeit.

(Foto: picture alliance/dpa)

Aus 178 Vorschlägen suchen die Sprachkritiker des Webprojekts Floskelwolke das Wort aus, das in ihren Augen die fragwürdigste Formulierung des vergangenen Jahres darstellt. Trotz der allgegenwärtigen Pandemie hat die Floskel nichts mit dem Coronavirus zu tun.

Sprachkritiker haben den Negativpreis "Floskel des Jahres" an das Wort "Einzelfälle" vergeben. "Schon der 'Einzelfall' kann als Euphemismus betrachtet werden", teilten die Betreiber des Webprojekts Floskelwolke, Udo Stiehl und Sebastian Pertsch, mit. "Doch Polizei und Politik haben mit der Verharmlosung von Rechtsextremismus in den Behörden eine unrühmliche Komposition erfunden: die 'Einzelfälle'. Ein innerer Widerspruch, der in unserem demokratischen Rechtsstaat brandgefährlich ist."

Mehr zum Thema

Die restlichen Plätze der "Top Fünf"-Floskeln gingen an die Worte "Corona-Gegner", "Europäische Lösung", "Clan-Kriminalität" und "Fremdenfeindlichkeit". Die "Floskel des Jahres" wurde erstmals "gekürt". Seit sechs Jahren macht das sprach- und medienkritische Projekt Floskelwolke auf "Floskeln, Phrasen und weitere fragwürdige Formulierungen in deutschsprachigen Nachrichtentexten" aufmerksam. Mitbetreiber Pertsch betonte, man verfolge die Linie, "niemanden vorzuführen und stattdessen die Worte und Phrasen in den Mittelpunkt zu stellen".

Für die "Floskel des Jahres" sind laut Mitteilung 178 Vorschläge mit wenigen Doppelnennungen eingegangen, zumeist von Medienschaffenden. Die Floskelwolke-Macher fällten schließlich die letzte Entscheidung. Sie betonten, dass sie sich mit dem Negativpreis erhoffen, dass gerade in den Nachrichten, aber auch generell im Journalismus künftig "sensibler und intelligenter" mit Sprache umgegangen werde.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa