Panorama

ntv-Meteorologe über Unwetter "Das ist ein absolutes Extrem-Ereignis"

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Das Unwetter hat wie hier in Prüm in der Eifel extreme Schäden angerichtet.

(Foto: picture alliance / Eibner-Pressefoto)

Ein solch schlimmes Unwetter wie in den vergangenen Stunden im Westen der Republik hat es bisher nicht gegeben: Es fallen bis zu 150 Liter Regen in nur 24 Stunden - und das auf einem sehr breiten Streifen. Laut ntv-Meteorologe Björn Alexander sind das Ereignisse, die sich häufen werden.

ntv.de: Wie viel Regen ist im Westen Deutschlands durch Tief "Bernd" gefallen?

Der n-tv Wetterexperte Björn Alexander

ntv-Meteorologe Björn Alexander

Björn Alexander: Im Bereich Sauerland, Bergisches Land, südliches Ruhrgebiet und dann über das Rheinland bis in den Aachener Raum und runter in die Eifel sind binnen 24 Stunden flächendeckend 80 bis 150 Liter pro Quadratmeter gefallen - stellenweise sogar etwas mehr. Das ist zwar noch weit entfernt vom größten, je in Deutschland gemessenen Tagesniederschlag, der bei über 300 Litern pro Quadratmeter liegt. Aber es ist eben nicht nur ein Ort, sondern ein enorm breiter Streifen betroffen. Das ist ein absolutes Extrem-Ereignis, das es vorher so eben noch nicht gegeben hat.

Bezogen auf einen Ort: Wo hat es am meisten geregnet?

Die Wetterstation mit dem größten Niederschlag ist Hagen in NRW. Hier fielen binnen 24 Stunden rund 150 Liter pro Quadratmeter. Anschließend legte der gewittrig durchsetzte Starkregen nochmals nach und brachte innerhalb von 24 Stunden abermals fast 100 Liter. Macht also binnen zwei Tagen eine Regenmenge von fast 250 Litern auf den Quadratmeter.

Handelt es sich also auch um eine außergewöhnliche Wetterlage?

In Bezug auf die letzten Jahre, die in den Sommern ja meistens durch große Trockenheit geprägt waren, ist es natürlich ein extremer Kontrast. Aber in den Jahren vor 2018 - das war das erste Dürrejahr - gab es tatsächlich etliche Tiefs in den Sommermonaten. Teilweise mit erheblichen Regenmengen und entsprechenden Überschwemmungen. Unsere Sommer haben somit einen Trend zwischen den Extremen entwickelt. Entweder extrem nass oder extrem trocken. Das Wetter dazwischen scheint somit langsam auszusterben.

Stichwort Starkregen: Wie können wir uns in der Zukunft besser auf solche Ereignisse vorbereiten?

Grundsätzlich muss man da etwas unterscheiden, würde ich sagen. Das eine wäre der klassische Gewitterregen, der binnen kurzer Zeit über große versiegelte Flächen mit Kanalisation niedergeht, also eine Stadt trifft. Hier gibt es sicherlich Möglichkeiten, die Abflusssituation zu verbessern. Und natürlich hilft es auch immer, Flüsse und Bäche im natürlichen Flussbett mit unbebauten Auenbereichen zu haben. Das gilt ebenso bei großflächigen Regenereignissen. Aber eine solche meteorologische Ausnahmesituation lässt sich leider kaum in den Griff bekommen.

Warum?

Diese Wassermassen sind einfach zu extrem. Das zeigt beispielsweise die Situation in der kleinen Ortschaft Kordel an der Kyll unweit von Trier in Rheinland-Pfalz. Hier lag der alte Pegelhöchststand aus dem Jahr 2003 bei 4,82 Meter. Heute um 12 Uhr erreichte der Pegelstand dann über 8 Meter. Hier hat sich der Rekord somit fast verdoppelt. Es ist ein wirklich absolut außergewöhnliches Ereignis.

Wird noch mehr Regen nachkommen?

Im Westen ist das meiste zum Glück durch. Denn Tief "Bernd" zieht ostwärts weiter. Besonders im Süden Deutschlands kann es damit zum Teil noch heftiger regnen. Bis einschließlich Sonntag sehen die Wettercomputer vom Schwarzwald bis rüber in den Südosten Bayerns nochmals um die 40 bis 80, gelegentlich auch bis zu 100 Liter Regen pro Quadratmeter kommen. Der Niederschlagsschwerpunkt liegt hierbei am Alpenrand. Ansonsten macht sich aber dann erst einmal ein Hoch für unser Wetter stark.

Quelle: ntv.de

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