Panorama

Tief "Alfred" wütet "Das ist schon extrem außergewöhnlich"

92766311_lay.jpg

In Berlin hat es zuletzt kräftig geregnet.

(Foto: picture alliance / Kay Nietfeld/)

Das soll Sommer sein? In Deutschland fällt der Juli regelrecht ins Wasser. Nun sei aber Besserung in Sicht, sagt n-tv Meteorologe Björn Alexander. Doch ganz ohne Regen geht es auch in den nächsten Tagen nicht weiter.

Björn, wann hört es endlich auf zu regnen?

Eine Entspannung in Sachen Dauerregen ist ab Mittwoch in Sicht. Denn dann verzieht sich der Regen Richtung Alpen und Erzgebirge. Und auch wenn es danach nicht ganz ohne Schauer durch den Rest der Wetterwoche geht, so haben wir den Tiefpunkt endlich hinter uns gelassen.

Der n-tv Wetterexperte Björn Alexander

n-tv-Meteorologe Björn Alexander

Was erwartet uns konkret?

Am Donnerstag und Freitag gibt es einen Mix aus Sonne und einzelnen Schauern, örtlich sind auch Gewitter möglich. Insgesamt wird es wieder wärmer mit 18 bis 25, am südlichen Oberrhein bis 26 Grad.

Und am Wochenende?

Bleibt es im Norden weiterhin wechselhaft, im Süden wird es dagegen oft sonnig, und lediglich in den Alpen bilden sich abends lokale Gewitter. Dazu steigen die Temperaturen meist auf 24 bis 28, am Sonntag auf 25 bis 30 Grad. An der Küste werden es 20 bis 23 Grad. Der Sommer findet also seinen Weg zurück zu uns.

Wie viel Regen ist denn bisher überhaupt zusammengekommen?

Im Zentrum des Starkregens, den uns Ekel-Tief "Alfred" bisher gebracht hat, liegen der Harz und das angrenzende Westthüringen. Dort gab es Regenmengen von 60 bis 120 Liter pro Quadratmeter im Harz - wobei sich die 120 Liter auf den Oberharz rund um den Brocken beziehen. Im Raum Artern in Thüringen waren es bislang um die 100 Liter pro Quadratmeter. Richtung Berlin fielen bis jetzt beispielsweise aber auch schon an die 60 Liter.

Und das, obwohl es ja hier in der Hauptstadt zuletzt schon sehr viel geregnet hat.

Das stimmt. Dort lässt der Regen in den nächsten Stunden zwar nach. Beeindruckend ist jedoch, dass in Tegel - es gibt hier Messungen seit 1963 - schon jetzt der nasseste Sommer registriert wurde mit inzwischen mehr als 400 Litern Regen seit dem 1. Juni. Der Jahresniederschlag beträgt dort im Mittel knapp 500 Liter pro Quadratmeter. Das ist schon extrem außergewöhnlich. Es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass Tegel bis Ende August die 500 Liter schafft.

Wie sieht es in den anderen regengeplagten Gebieten aus?

Im Harz werden bis morgen früh nochmal 50 bis 100 Liter dazukommen. Da es sich dabei auch um Stau an den Nordwesthängen des Oberharzes handelt, ist der Bereich, wo die größten Mengen fallen, glücklicherweise relativ klein. Trotzdem bleibt der Bereich Harz-Thüringen sehr kritisch, weil dort durch die Orographie bzw. das bergige Gelände das Wasser rasant abfließt und kleine Bäche/Flüsse sehr schnell sehr gefährlich werden können für die Anwohner. Für ein größeres Hochwasser an größeren Flüssen wie die Weser ist die betroffene Fläche aber wahrscheinlich zu klein. Auch im Süden Deutschlands ist es nass. Bis jetzt sind etwa 30 Liter gefallen, es kommen rund 50 bis 80 noch dazu - für den Kummer gewohnten Allgäuboden dürfte das aber kein größeres Problem sein. Die Urlauber frieren dort übrigens gerade bei kühlen 10 Grad, und die Schneefallgrenze liegt derzeit bei knapp über 2000 Meter.

Ist das der Klimawandel?

Zumindest passen diese zum Teil enormen Regenmengen in das Bild des Klimawandels. Denn die höheren Temperaturen in der Erdatmosphäre bedeuten gleichzeitig mehr Wasserdampf mit entsprechend größeren Niederschlagsereignissen. Allerdings benötigt man für belastbare Aussagen in der Klimatologie immer jahrzehntelange Mess- und Ereignisreihen. Aber ein Trend ist dort auf jeden Fall schon mal zu sehen.

Kann man in Deutschland irgendwohin, um die Sonne zu sehen?

Das ist heute schwierig. Denn die Sonne macht sich doch sehr rar. In den nächsten Tagen wird es dann schrittweise freundlicher und die Chancen auf mehr Sonne und Sommer steigen an.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema