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Ein See zum Abkühlen sollte in der Nähe sein, falls es nächste Woche wieder Hitzerekorde gibt.
Ein See zum Abkühlen sollte in der Nähe sein, falls es nächste Woche wieder Hitzerekorde gibt.(Foto: imago/Hollandse Hoogte)
Donnerstag, 14. Juni 2018

Neue Hitzewelle möglich: Der Hochsommer kommt wieder

Das hochsommerliche Wetter hat sich diese Woche verabschiedet, verdrängt von dem vielen Regen, der einige Landesteile in Atem gehalten hatte. Ob wir die heftigen Unwetter jetzt los sind und wann uns die Sonne wieder aufheizen wird, sagt n-tv Meteorologe Björn Alexander im Interview.

n-tv.de: Das war zuletzt ziemlich heftig, was uns das Wetter brachte. Schwere Gewitter und Überflutungen besonders in der Mitte und im Süden Deutschlands. Wie geht es weiter?

Björn Alexander: Der Dauersommer, der uns gefühlt bereits seit gut zehn Wochen begleitet, bekommt nochmals eine kleine Verlängerung, bevor es am Sonntag und zu Beginn der nächsten Woche von Westen her eine neue Abkühlung geben könnte. Danach zeigen sich die Wettermodelle derzeit sehr wankelmütig. Gestern sah es noch nach einer nachhaltigen Umstellung der Lage mit einem kühleren Norden und einem sommerlicheren Süden aus. Jetzt zeigt der Blick auf die Berechnungen der Wettercomputer, dass die Warmluft vielleicht doch weiter nordwärts ausgreift und dass sich von Westen her rasch wieder das nächste Hoch zu uns ausdehnt.

Von Westen kommt das nächste Hoch auf uns zu, sagt n-tv Meteorologe Björn Alexander.
Von Westen kommt das nächste Hoch auf uns zu, sagt n-tv Meteorologe Björn Alexander.

Was bedeutet das?

Damit könnte sich die schier endlos wirkende Sommerspirale weiter fortsetzen. Selbst Spitzentemperaturen von jenseits der 35 Grad wären im Laufe der nächsten Woche im Süden nicht auszuschließen. Und diese Variante würde ich nach jetzigem Stand auch für wahrscheinlicher erachten als eine nachhaltige Abkühlung mit wechselhaftem Schauerwetter.

Hitze und Blitze. Für die nächste Woche ebenfalls eine bevorstehende Konstellation?

Ich würde sagen: Lassen wir die Hitze doch erst einmal tatsächlich bei uns ankommen und dann erst lohnt es sich, über die Folgen zu sprechen.

Aber die letzten Wetterkapriolen waren auf jeden Fall ziemlich schlimm. Müssen wir uns weiterhin auf solche Sommer einstellen - Stichwort "Klimawandel"?

Grundsätzlich gab es die Klimaveränderungen schon immer und es wird sie immer geben. Das ist ein Fakt. Die Frage ist, inwieweit das menschliche Handeln - beispielsweise die Verbrennung von fossilen Brennstoffen und die Einbringung treibhausaktiver Gase - diesen Wandel beschleunigt. Und da gilt eigentlich der logische Ansatz: Wir sollten nicht mehr in das System Erde-Atmosphäre eingreifen als nötig. Denn selbst wenn das menschliche Handeln keinerlei Effekt hätte, so ist es doch nicht nachhaltig, alle fossilen Brennstoffe zu verheizen ohne andere Optionen zu entwickeln. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist die Frage nach den Extremen der letzten Wochen mit teils sintflutartigen Gewitterregen, die in kurzer Zeit mal bis über 100 Liter pro Quadratmeter sowie dicke Hagelschichten brachten, während gleichzeitig der Norden und der Nordosten fast schon austrockneten. 

Genau.

Wir hatten in den letzten Wochen eine ziemlich eingefahrene Großwetterlage, die uns in erster Linie einen außergewöhnlichen Sommer bereits im eigentlichen Frühling bescherte. Gleichzeitig dominierte über der Nordosthälfte Deutschlands der Einfluss eines Hochs über Nordeuropa, was wiederum zur enormen Trockenheit führte. Unterdessen sorgten Tiefdruckgebiete, die tendenziell über Frankreich lagen und immer mal wieder kleinere Ableger zu uns schickten, dafür, dass die warme Luft von Süden her mit viel Feuchtigkeit angereichert wurde. Und diese Konstellation ist eine extrem unwetterträchtige. Denn diese schwül-warmen und fast schon tropisch anmutenden Luftmassen haben riesige Wassermassen mit einem entsprechenden Unwetterpotenzial gespeichert. Dann ist dabei noch die Dynamik in der Atmosphäre entscheidend. Ist sie hoch, dann sind Ereignisse mit Sturm- oder Orkanböen wahrscheinlicher. Stichwort: Tornado in Viersen. Sind die Strömungsverhältnisse schwach, dann sind Starkregen und Hagel die Hauptgefahren. Als Einzelereignisse sind solche Phänomene normal. Aber in dieser Häufung über Wochen sollte das doch eher selten auftreten. Allerdings - und das ist das Bedenkliche - in den letzten Jahren traten solche Extremlagen relativ häufig auf. Denken wir an den Juli 2017 oder den Juni 2016. Und an dieser Stelle ist es jetzt auch schwierig, die Klimaveränderungen bei der Begründung ganz außen vor zu lassen.

Und müssen wir uns darauf jetzt häufiger einstellen oder nicht?

Der Trend sagt aus meiner Sicht leider eindeutig: Ja. Also mehr extreme Wetterlagen, die sich vor allem dadurch auszeichnen, dass sie sich länger halten könnten als wir das aus der Vergangenheit gewohnt sind.

Von der weiten Zukunft zurück zu den nächsten Tagen. Was erwartet uns am Wochenende?

Der Samstag bringt uns einen Mix aus Sonne und Wolken, wobei besonders in der Südosthälfte mehrheitlich die Sonne dominieren wird. Einzelne Schauer oder Gewitter sind höchstens über den zentralen Mittelgebirgen und im Nordwesten drin. Und insofern steht auch dem gemütlichen Grillabend in den meisten Landesteilen nichts im Wege. Zuvor erreichen die Temperaturen am Nachmittag oft Höchstwerte zwischen 23 und 26 Grad. Im Osten sind es bis zu 28 Grad. Also ein durchaus brauchbarer Sommertag.

Wie sieht der Sonntag aus?

Eine Kaltfront zieht von West nach Ost über uns hinweg. Die Auswirkungen sind derzeit noch schwer einzuschätzen. Am ehesten gewittrig könnte es aber im Norden werden. Und auch Richtung Alpen sind nachmittags und abends Regengüsse sowie Blitz und Donner nicht auszuschließen. Im Umkehrschluss heißt das aber: für die meisten von uns könnte das durchziehende Wolkenband folgenlos bleiben. Einzig bei den Temperaturen wird man es besonders im Westen bis in die Landesmitte spüren. Hier werden es nämlich maximal noch 18 bis 24 Grad, während weiter ostwärts 24 bis 28 Grad erreicht werden.

Mit welchem Wetter beginnt die nächste Woche?

Montag höchstens Richtung Alpen ein erhöhtes Risiko für Schauer und Gewitter. Ansonsten ist es freundlich bis sonnig und trocken bei 18 bis 25 Grad. Am Dienstag dominiert ebenfalls oft die Sonne bei 19 bis 26 Grad, bevor danach der Sommer wieder Anlauf nehmen könnte. Ob es dann eine neue Hitzewelle mit Werten bis deutlich über 30 Grad gibt ist aber sehr unsicher - auszuschließen ist das aber definitiv nicht.

Quelle: n-tv.de