Panorama

Feuer in Kalifornien Deshalb steigt die Zahl der Vermissten

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Die Arbeit der Helfer im kalifornischen Paradise ist mühsam: Auf der Suche nach Vermissten müssen sie verkohlte Trümmer zur Seite räumen.

(Foto: AP)

Die Anzahl der Menschen, die bei den Flächenbränden im US-Bundesstaat Kalifornien ums Leben gekommen sind, steigt und steigt. Nun wird auch die Zahl der Personen, nach denen gesucht wird, deutlich nach oben korrigiert. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Seit einer Woche wüten die Waldbrände in Kalifornien. Die Anzahl der Toten beträgt mittlerweile 65. Die Zahl der Vermissten stieg von zuletzt 200 auf 631. Damit ist das Feuer das größte und verheerendste in der Geschichte des US-Bundesstaates.

Der sprunghafte Anstieg auf mehr als 600 Vermisste hat mit der Auswertung der Notrufe zu tun, erklärte der Sheriff im Bezirk Butte County, Kory Honea, im Gespräch mit dem TV-Sender CNN. Als das Feuer ausbrach und die Betroffenen schnell vor dem Feuer flüchteten, wählten sie die Notrufnummer. Weil sie in dem Moment nicht wussten, wo ihre Angehörigen und Freunde waren, meldeten sie sie als vermisst. "Es herrschte absolutes Chaos", so Honea. Einige Namen tauchten daraufhin mehrfach auf der Vermisstenliste auf und es ist immer noch unklar, ob es noch Dubletten auf der Liste gibt.

Ein Helfer erklärte dem Sender außerdem, dass die Anzahl der Vermissten schwer zu bestimmen sei, da die Menschen, die auf der Vermisstenliste stünden, zum Teil nicht über Handy erreicht werden könnten. Sei es, weil sie ihr Handy verloren hätten oder weil das Mobilfunknetz teilweise zusammengebrochen sei. Manche Menschen wüssten wiederum auch gar nicht, dass sie überhaupt als vermisst gemeldet wurden.

Leichen bis zur Unkenntlichkeit verbrannt

Derweil ging die Suche nach Vermissten unter anderem in der völlig niedergebrannten Ortschaft Paradise im Norden Kaliforniens weiter. Dort wütet das besonders verheerende "Camp Fire". Hunderte Helfer, darunter Mitglieder der Nationalgarde und Gerichtsmediziner suchen in den Häuserruinen nach sterblichen Überresten. Viele der geborgenen Leichen sind bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Menschen, die Angehörige vermissen, werden deswegen gebeten, DNA-Proben abzugeben. Die Proben sollen helfen, die Brandopfer zu identifizieren.

Auf ihrer Suche tragen die Helfer nicht nur Atemschutzmasken, Handschuhe und Helme, sondern auch weiße Overalls. Denn um menschliche Überreste zu finden, müssen meist Trümmer und Schutt beiseite geräumt werden, ein nicht ganz ungefährliches Unterfangen. Die Schutzanzüge schützen die Helfer nicht nur vor Asche und Schutt, sondern sorgen auch dafür, dass die Leichen nicht mit fremder DNA kontaminiert werden.

Die Arbeit ist mühsam. Denn das abgebrannte Gebiet ist sehr weitläufig und war einst dicht bebaut. 461 Helfer und 22 Leichenspürhunde sind allein an der Suche nach Vermissten in den Ortschaften Paradise, Magalia und Concow beteiligt. Die Suchtrupps durchstreifen die vielen niedergebrannten, teilweise mehrstöckigen Häuser und durchforsten ausgebrannte Autos. Ein Helfer erklärt: "Unsere Mission ist es, die Opfer des Feuers zu finden, sie zu bergen, zu identifizieren und die Familien zu benachrichtigen, damit sie endlich Antworten bekommen."

Zunächst suchten Experten noch gezielt nach Vermissten. Das heißt: Sie gingen gezielt den Bereich ab, in dem eine bestimmte Person zum letzten Mal gesehen wurde. Doch da sich die Anzahl der Vermissten ständig ändert, wird nun alles systematisch durchforstet.

Norovirus grassiert in Notunterkunft

Ein Helfer erklärt: "Wir versuchen auch, mit den Leuten Kontakt aufzunehmen, die Menschen als vermisst gemeldet haben. So können wir herausfinden, ob sie mittlerweile Kontakt zu ihren Liebsten haben. Und wir bitten Menschen, sich bei uns zu melden, wenn Vermisste wieder aufgetaucht sind. So verschwenden wir keine Zeit damit nach Personen zu suchen, die längst gefunden wurden."

Doch was passiert mit den Menschen, die zwar überlebt haben, aber ihr Heim verloren haben? Ein Walmart-Parkplatz in Chico ist zum Beispiel für viele ein vorübergehendes Zuhause geworden. Dort stehen Dutzende Autos, Wohnwagen und Wohnmobile, in denen sie untergekommen sind. Einige von ihnen schlafen auch in Zelten. Ein Helfer erklärt: "Als Übergangslösung ist das gut, aber nicht für länger." Auch in anderen Notunterkünften ist die Lage angespannt. Menschen hausen dort dicht an dicht, in einer Unterkunft in Chico ist das Norovirus ausgebrochen.

Etliche Familien haben bis auf ihr Leben alles verloren. Sie waren einst nach Paradise gekommen, weil die Immobilienpreise hier für Kalifornien noch halbwegs erschwinglich waren. Nun stehen vor allem Menschen mit geringem Einkommen vor dem Nichts.

Derzeit kämpfen mehr als 9600 Feuerwehrleute gegen die Flammen in Kalifornien. Viele von ihnen kommen aus anderen US-Staaten. Das "Camp-Fire" hat mittlerweile 9700 Häuser zerstört. Doch die Feuerwehrkräfte machen Fortschritte. Sie konnten die Flammen dort um 40 Prozent eindämmen. Bei dem "Woolsey Fire" im Süden von Kalifornien brannten 500 Gebäude nieder. Hier schrumpfte das Feuer um fast 60 Prozent. Beide Brände zerstörten zusammen ein Gebiet von hunderten Quadratkilometern.

Quelle: ntv.de, kpi

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