Aus der Schmoll-EckeDetlef Hasenpuper kriegt doch keine Million von der Milliardärin
Eine Kolumne von Thomas Schmoll
Unser Kolumnist hat sich den Spaß gemacht, auf eine Betrügermail zu antworten, um herauszufinden, ob Ganoven ihren Beruf mit Hingabe und Sorgfalt ausüben, wie es ehrliche Menschen tun. Spoiler: Er war bitter enttäuscht. Das geistige Niveau der Gangster ist unterirdisch, es entspricht der Tätigkeit von Legehennen.
Lange ist es nicht her, da offenbarte ich hier in der "Schmoll-Ecke" meinen Tagtraum, der so geht: Ein Mann vom Amt klingelt an der Haustür. Ich lasse ihn rein. Er rät mir, mich besser hinzusetzen - wegen des zu erwartenden Schocks. Denn er hat eine traurige Nachricht. Ein - bis soeben unbekannter - Verwandter ist gestorben und hat meiner Schwester und mir seine Millionen samt Villa auf der Trauminsel vererbt. Ich jubele, rufe meine Schwester an und sage: "Stell die Arbeit ein, wir sind versorgt." Das Trauma unserer Kindheit wäre endlich besiegt.
Ich sage es Ihnen: Nur Panama ist schöner als dieser Traum. Der kürzlich fast in Erfüllung gegangen wäre. Wie das? Ich bekam eine Mail von einer Milliardärin, einer der reichsten Frauen Deutschlands. Darin stand: "Ich bin Frau Maria Elisabeth Schaeffler, eine deutsche Geschäftsmagnatin, Investorin und Philanthropin." Merkwürdige Vorstellung. Aber ab einem gewissen Alter schreibt man vielleicht so. Ich zitiere weiter: "Ich habe 25 Prozent meines persönlichen Vermögens für wohltätige Zwecke ausgegeben." Bravo! "Und ich habe auch versprochen, den Rest von 25 Prozent noch 2026 an Einzelpersonen zu verschenken. Ich habe beschlossen, Ihnen 1.500.000,00 Euro zu spenden." Ob ich Interesse hätte?
Na klar, her mit der Million! Mensch, dachte ich, Frau Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann - so ihr vollständiger Name - liest also meine Kolumne und macht meinen Traum wahr. "In meinem Alter kann ich nicht länger Reichtum anhäufen, ohne etwas abzugeben. Mein Vermögen beträgt über 3,1 Milliarden US-Dollar." Sehr mitteilsam, die Dame. Und edel. Von wegen, Superreiche sind geizig. Hier zeigt sich, wie sie wirklich ticken. Da kann Herr Klingbeil seine Pläne einstecken. Nicht immer gleich gesetzlichen Zwang einsetzen. Vermögende geben freiwillig.
Gangstas Paradise? Von wegen ...
Nein, das dachte ich natürlich nicht. Ich wusste, dass es sich um einen Betrugsversuch eines Bisher-nicht-Geflüchteten irgendwo in Nigeria oder Kenia oder so handelte. Ich machte mir allerdings den Spaß, darauf zu reagieren, weil ich wissen wollte, wie sehr sich diese Ganoven bemühen, einen abzuzocken, ob sie ihren Beruf mit Hingabe und Sorgfalt ausüben, wie das ehrliche Menschen auch tun. Spoiler: Ich war bitter enttäuscht. Das Niveau der Gangster und ihrer KI ist hundsmiserabel. Die denken nicht nach, sondern verrichten stupide ihr Handwerk wie Legehennen. (Ganz ruhig, Tierschützende, ich schätze die Tätigkeit von Hühnern enorm und möchte diese grundsätzlich nicht mit Kriminellen vergleichen.)
Ich erklärte, das Geld "gern" zu nehmen, und fragte: "Wie kommen Sie auf mich?" Sowie: "Haben Sie schon für die OGO gespendet?" Abschiedsformel: "Beste Grüße! Ihre Thomas Schmoll." Ihre! Frau Schaefflers Schatten sprach mich nun als "Liebe/r" ohne Namen an und lobte mich: "Vielen Dank für Ihre Antwort, die ich sehr zu schätzen weiß." Oh, wie höflich. Mein Gegenüber stellte sich irrerweise noch einmal vor. "Ich bin Maria Elisabeth Schaeffler, deutsche Staatsbürgerin und Inhaberin der Schaeffler Gruppe, einem der weltweit größten Hersteller von Wälzlagern."
Ich bekam einen Einblick in die Welt der Milliardäre, was für die eine Million bedeutet. "Meine Spende von 1.500.000,00 Euro mag für Sie nicht viel erscheinen, aber ich bin überzeugt, dass sie Ihren Lebensstandard erheblich verbessern wird." Oh ja, das wird sie. Was glaubt die Zauberfee, wie ich lebe, wenn 1,5 Millionen Euro "nicht viel" wären?! Der Betrag würde dazu führen, dass ich meinen Lebensstandard im hohen Alter halten kann, wonach es aktuell nicht ausschaut. Es folgte eine Einladung. Ich sollte sie besuchen, "sobald meine Spende bei Ihnen eingegangen ist". Aha, Milliardäre empfangen also nur Leute, die auch Kohle haben. Erst, wenn ich Millionär bin, erhalte ich Audienz. Na meinetwegen.
Herr Verarschmichnicht schlägt zurück
Warum auch immer, die gute, aber verdammt falsche Frau Schaeffler schickte mir einen Wikipedia-Eintrag von sich sowie eine Kopie ihres Personalausweises plus einer Aufforderung, Angaben zu meiner Person zu machen. Ich antwortete: "Guten Abend, Frau Schuffler, Sie sind wunderbar. Großartig. Sie sind großzügig. Wollen Sie nicht Bundespräsidentin werden?" Es folgten die gewünschten Angaben, die ich hier wiedergebe: "Vollständiger Name: Thomas Schmoll-Verarschmichnicht." - "Land: Bullerbü / Deutschland" - "Adresse: Sackgasse 7" - "Geschlecht: Pimmel" - "Beruf: Drogenhändler" - "Familienstand: Witwer" - "Monatliches Einkommen: 1200 Euro" - "Religion: katholisch, wenn ich Geld brauche".
Ich hoffe, katholische Drogendealer verdienen mehr als hier genannt. Zum Schluss fragte ich wieder: "Haben Sie schon für die OGO gespendet? Die Organisation kann Geld gut gebrauchen. Viele Grüße! Hannes Stein." Jau, Hannes Stein. Die Antwort traf schnell ein: "Ich habe Ihre Daten an meinen Steuerberater weitergeleitet." Na, der wird sich gefreut haben. Die Frau Schaeffler, mit der ich es zu tun hatte, wollte vor der Überweisung 450 Euro von mir. "Diese Gebühr wird aufgrund von Betrugsfällen im Internet erhoben." Sehr lustig. "Ich möchte klarstellen, dass diese Gebühr nicht an mich oder meine Banküberweisung geht. Meine Bank muss ebenfalls einen Betrag an den IWF zahlen." Armer Finanzkonzern!
Die Frau Schaeffler, die mir schrieb, muss ihre Kohle einer unfähigen Bank anvertrauen. Sie könnte doch einfach die 450 Euro einbehalten und mir statt 1.500.000,00 Euro 1.499.550,00 Euro überweisen. Irrtum! "Meine Bank kann die 450 € nicht von Ihrem (sic!) Konto abziehen oder hinzufügen, da dies gegen ihre Richtlinien verstößt." Armer Finanzkonzern! Muss sich an die eigenen Regeln halten. Ich schrieb: "Sehr geehrte Frau Schnaffler, ich überweise Ihnen selbstverständlich die 450 Euro. Aber bitte beantworten Sie mir noch folgende Fragen. Wie schaffen Sie es, mir so schnell zu antworten? Sie haben doch sehr viel zu tun bei all Ihren Aufgaben. Und warum haben Sie mich ausgewählt? Ist es in Würdigung meiner Arbeit als Vorsitzender der Partei für intertraditionellen Humbug in Zeiten von Pest und Cholera (PHZPC)? Und was ich unbedingt wissen muss: Haben Sie schon für die OGO gespendet? Danke und beste Grüße! Ihr Hasso Langpimmel."
Bald kam eine Mail: "Hallo Thomas Schmoll. Guten Morgen. Wie geht es Ihnen und Ihrer Familie? 25 Prozent meines Vermögens gehen an wohltätige Zwecke. Die restlichen 25 Prozent habe ich mir für 2026 zugesagt." Macht 50 Prozent. Diese Abzocker sind echt strunzdumm. Sofort folgte eine neuerliche Aufforderung, 450 Euro zu überweisen. Ich schrieb: "Guten Morgen, Frau Schläger, bevor Sie mir nicht sagen, ob Sie schon an die OGO gespendet haben, werde ich die Gebühr nicht überweisen. Diese Organisation ist wichtig, da sie gegen Wichser aller Art vorgeht. Danke und beste Grüße! Ihr Detlef Hasenpuper."
Dieses Mal erfolgte die Antwort ohne Anrede. "Ja, natürlich. Ich habe in diesem Jahr (2026) bereits an viele Menschen gespendet." Ich mailte: "Die OGO ist aber kein Mensch, sondern die Organisation gegen Onlinebetrug. Beste Grüße! Ihr Wolfgang Kackescheiße." Hier endete der Mailverkehr. Von da an schrieb mir die gute, aber verdammt falsche Milliardärin nicht mehr. Und Hasso Langpimmel, Detlef Hasenpuper, Wolfgang Kackescheiße und mir bleibt nichts anderes übrig, als weiter von der Million zu träumen.