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Macht, Moral und Maria 2.0 Deutsche Bischöfe ringen mit dem Vatikan

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Seit 1867 kommen die deutschen Bischöfe regelmäßig am Grab des Heiligen Bonifatius in Fulda zu Beratungen zusammen.

(Foto: dpa)

Die Deutschen finden sich immer weniger in der Katholischen Kirche wieder. Reformen sollen das ändern, doch die behutsamen Überlegungen der deutschen Bischöfe treffen in Rom auf eiskalte Ablehnung. Beim Herbsttreffen der Bischöfe geht es um mehr Mitsprache, ohne den Vatikan zu verprellen.

Es gibt heute nicht mehr allzu viele Institutionen, die sich offensiv dazu bekennen, "nicht demokratisch strukturiert" zu sein. Die katholische Kirche gehört aber dazu. In einem jüngst an die Deutsche Bischofskonferenz verschickten Schreiben wies der Vatikan explizit darauf hin: Wenn Papst Franziskus vom Gemeinschaftsgeist der Kirche spreche, meine er damit bestimmt nicht "Demokratie oder Mehrheitsentscheidungen", stellte der Päpstliche Rat für die Gesetzestexte klar.

Der Brief traf die deutschen Bischöfe wie ein Bannstrahl - das hatte ihnen gerade noch gefehlt. In Fulda wollen die Bischöfe bei der traditionellen Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) einen tiefgreifenden Reformprozess beschließen, den "synodalen Weg". Dabei wollen sie eng mit der Vertretung der sogenannten Laien - der ganz normalen Gläubigen - zusammenarbeiten, dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK).

Kleriker und Nicht-Kleriker sind sich weitgehend einig, dass etwas geschehen muss, wenn der Katholizismus in Deutschland noch eine Zukunft haben soll. "Die Verärgerung, die Verunsicherung, der Vertrauensverlust reicht bis in die innersten Kerngemeinden", berichtet ZdK-Präsident Thomas Sternberg.

Kaum zu befriedigende Erwartungen

Der massenhafte Missbrauch von Kindern und Jugendlichen über Jahrzehnte hinweg hat die katholische Kirche in ihren Grundfesten erschüttert. Denn nach Expertenmeinung ist es eben nicht so, dass die Kirche nur in dem Maß betroffen ist wie andere Teile der Gesellschaft auch, vielmehr gebe es strukturelle Ursachen, die den Missbrauch begünstigten. "Ich sehe einen ganz überwiegenden Willen, diese Themen ernsthaft anzugehen", sagt Sternberg. Genau dazu dient der synodale Weg.

Es geht um vier brisante Themen: den Umgang der Kirche mit Macht, die kirchliche Sexualmoral, die umstrittene Ehelosigkeit von Priestern (Zölibat) und die Position von Frauen in der Kirche. In all diesen Bereichen soll sich etwas ändern. Das Problem ist nur: Der Vatikan hat diesen Monat klargestellt, dass die Deutschen gar nicht das Recht haben, wesentliche Änderungen einzuführen.

Denn schließlich betreiben sie nicht ihre eigene Nationalkirche, sondern sind Teil der katholischen Weltkirche. Nur die könnte fundamentale Änderungen wie zum Beispiel die Zulassung von Frauen zum Priesteramt oder die Aufhebung des Zölibats beschließen.

Bischöfe in der Zwickmühle

Und auch das stellt der Vatikan klar: Bei den Katholiken beschließt nicht das Kirchenvolk, sondern es entscheiden die Bischöfe. Kirchenkenner Andreas Püttmann, Autor des Buchs "Wie katholisch ist Deutschland?", befürchtet deshalb, dass Bischöfe und Laien bei den deutschen Gläubigen Erwartungen geweckt haben, die sie letztlich nicht erfüllen können. "Es war zu erwarten, dass Rom hier Klarstellungen fordern oder Klarheit schaffen würde, bevor der Prozess richtig in Gang kommt", meint Püttmann. "Je mehr Erwartungen aufgebaut und Mühen investiert werden, desto größer kann die Frustration später sein."

Die Bischöfe befinden sich also geradezu in einer Zwickmühle: Die Gläubigen - das zeigen Befragungen immer wieder - wollen echte Reformen. Aber der Vatikan sagt Nein. Der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer - bekannt für seine Offenheit und klaren Worte - meint: "Ich würde davor warnen, sich jetzt nur auf die ganz großen Fragen wie 'Priesteramt für Frauen' zu fixieren, denn die sind tatsächlich nur im weltpolitischen Zusammenhang zu lösen. Das muss dann in der Tat Enttäuschungen produzieren." Für ihn wäre der synodale Weg schon dann ein Erfolg, wenn er die verfeindeten Lager innerhalb der Kirche - Reformer und Konservative - wieder miteinander ins Gespräch bringen würde.

Quelle: n-tv.de, Christoph Driessen, dpa

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