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Chilenisches Urteil umgewandelt Deutscher Arzt kann Strafe nicht entfliehen

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Gegen den deutschen Arzt liegt ein chilenisches Urteil wegen Beihilfe in 16 Fällen von Kindesmissbrauchs vor.

(Foto: dpa)

Der frühere "Colonia Dignidad"-Arzt Hartmut Hopp lebt seelenruhig in Krefeld, dabei liegt gegen ihn ein Gerichtsurteil in Chile wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch in 16 Fällen vor. Nun soll die Strafe in Deutschland vollstreckt werden.

Eine in Chile verhängte Haftstrafe gegen den früheren Arzt der Sektensiedlung Colonia Dignidad, Hartmut Hopp, wegen Beihilfe zu sexuellem Missbrauch kann in Deutschland vollstreckt werden. Das hat die 2. Große Strafkammer des Landgerichts Krefeld entschieden. "Die Kammer hat die ausländische Sanktion in eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und einem Tag umgewandelt", teilte das Gericht mit.

Damit entsprachen die Richter einem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig. Hopp hatte die Tatvorwürfe zurückgewiesen. Sein Anwalt kündigte Beschwerde gegen den Beschluss des Landgerichts an. Der Mediziner war 2011 in Chile wegen Beihilfe zu sexuellem Kindesmissbrauch in 16 Fällen verurteilt worden.

Er war nach Deutschland geflüchtet, bevor seine Strafe in Chile rechtskräftig wurde, und lebt seit 2011 unbehelligt in Krefeld. Weil er als Deutscher nicht an Chile ausgeliefert werden darf, hatte der Oberste Gerichtshof Chiles 2014 beschlossen, die Vollstreckung der Strafe in Deutschland zu beantragen.
Hopp soll die rechte Hand des 2010 gestorbenen Sektenführers Paul Schäfer gewesen sein, der 2006 wegen Kindesmissbrauchs in Chile zu 20 Jahren Haft verurteilt worden war.

Schäfer starb 2010 im Gefängnis. Seine Sekte "Private Sociale Mission" war Anfang der 1960er-Jahre aus Siegburg bei Bonn ausgewandert. In der Colonia Dignidad, etwa 350 Kilometer südlich von Chiles Hauptstadt Santiago de Chile, wurden während der Militärdiktatur unter Augusto Pinochet politische Häftlinge gefoltert und ermordet.

Quelle: n-tv.de, vni/dpa

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