Panorama

EU-Plan wird fortgesetzt Deutschland nimmt kranke Flüchtlinge auf

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Geflüchtete steigen in Griechenland in ein Flugzeug.

(Foto: imago images/Xinhua)

Die Flüchtlingslager im Osten Griechenlands sind restlos überfüllt. Nach einem coronabedingten Ausreisestopp fährt Deutschland nun mit dem Umverteilungsplan der EU fort. 85 meist junge Asylsuchende machen den Anfang und fliegen nach Kassel. Weitere Menschen sollen folgen.

Dutzende kranke Minderjährige und Mitglieder ihrer Familien sind aus Athen nach Kassel abgeflogen. Dies bestätigte eine Sprecherin des Flughafens der griechischen Hauptstadt. Sie stammen aus den überfüllten Camps auf den griechischen Inseln im Osten der Ägäis.

Wie das Ministerium für Migration mitteilte, handelt es sich um 85 Asylsuchende. Sie sollen nach der Landung in Kassel auf die Bundesländer verteilt werden. In den nächsten Wochen sollen weitere 243 kranke Minderjährige und ihre Familienmitglieder nach Deutschland ausreisen.

Die Ausreise von minderjährigen Flüchtlingen aus Griechenland nach Deutschland und anderen EU-Staaten war vorübergehend wegen der Corona-Pandemie ausgesetzt worden. Der Plan sieht vor, dass rund 1600 Minderjährige in andere EU-Staaten und in die Schweiz gebracht werden sollen. Mehr als 200 Minderjährige wurden bereits von Deutschland, der Schweiz, Finnland und Portugal aufgenommen.

Deutschland "muss mehr aufnehmen"

Derweil haben Wohlfahrts- und Hilfsorganisationen das deutsche Engagement als unzureichend kritisiert. "Angesichts der katastrophalen Situation der Menschen in den Flüchtlingslagern in Griechenland muss Deutschland sich bereit erklären, mehr Menschen, insbesondere Kinder, aus Griechenland aufzunehmen", erklärte die im Diakonie-Vorstand für Sozialpolitik zuständige Maria Loheide. Sie bezeichnete es als "unverantwortlich, dass die Lager in Griechenland weiter völlig überfüllt bestehen bleiben". Die Menschen dort müssten einer katastrophalen Lage ausharren und würden allein gelassen.

Der Vorstandsvorsitzende der Kinderhilfsorganisation World Vision, Christoph Waffenschmidt, erklärte, der Flug setze "ein positives Signal". Jedoch müsse der Aufnahmeprozess unbedingt fortgesetzt werden. "Angesichts von mehr als 30.000 Schutzsuchenden allein auf den griechischen Inseln kann die Aufnahme einiger hundert Menschen nur ein Anfang sein", erklärte Waffenschmidt. In den griechischen Camps herrschten "menschenunwürdige Zustände".

Quelle: ntv.de, mdi/dpa/AFP