Panorama
Das Fährunglück erschütterte Südkorea.
Das Fährunglück erschütterte Südkorea.(Foto: dpa)
Montag, 28. April 2014

"Werde ich wirklich sterben?": Die letzten Minuten an Bord der "Sewol"

Es sind Minuten der Panik, Verwirrung - und des Versagens der Crew, aufgezeichnet von einem Teenager. Der Schüler ertrank beim südkoreanischen Fährunglück, sein Smartphone wird nun gefunden und ausgewertet.

In Südkorea ist ein Handy-Mitschnitt gefunden worden, den ein Schüler während des Untergangs der Fähre "Sewol" aufgezeichnet hat. Dies berichtet der US-Fernsehsender CNN und beruft sich dabei auf das südkoreanische Fernsehen. Über drei Minuten dokumentiert das Video vom 16. April die Panik und Verwirrung der Passagiere - und offenbar die Unfähigkeit der Crew. Gefunden wurde das Smartphone mit der Video-Aufzeichnung bei der Leiche eines ertrunkenen Schülers.

Dem Mitschnitt zufolge war den Passagieren klar, dass ein Unglück passiert war und das Schiff Schlagseite hatte. Über das ganze Ausmaß der Katastrophe herrschte allerdings Verwirrung. "Was passiert?", ist eine Stimme zu hören. Jemand anderes fragt: "Denkst du, dass ich wirklich sterben werde?"

Während einige Passagiere nach Rettungswesten fragten und diese anlegten, machten andere noch Witze über die Situation. Manche versuchten, einander die Angst zu nehmen: "Ich denke, die Lage beruhigt sich", ist eine Stimme im Video zu hören. "Ich glaube, es ist besser als zuvor."

"Entfernen Sie sich nicht"

Die Konfusion wird noch verstärkt durch eine Ansage der Schiffsbesatzung, die zeigt, wie überfordert die Crew war. Über die Lautsprecher des Schiffs ertönt eine Stimme, die alle auffordert, an ihren Plätzen zu bleiben: "Entfernen Sie sich nicht von ihrem gegenwärtigen Aufenthaltsort, bleiben Sie dort bitte."

Für viele - wie den Teenager, der diese Aufnahmen machte - bedeutete diese Fehleinschätzung der Crew wohl den sicheren Tod. Bisher wurden 188 Todesopfer geborgen. Noch 114 Menschen, viele von ihnen Schüler, werden noch vermisst. Insgesamt befanden sich 476 Menschen an Bord der Fähre.

Alle 15 überlebenden Besatzungsmitglieder sind inzwischen in Untersuchungshaft. Der Crew, allen voran ihrem Kapitän Lee Joon Seok, wird vorgeworfen, die Passagiere im Stich gelassen zu haben, weil sie frühzeitig das Schiff verließ. Auch soll sie die Evakuierung verzögert haben - eine These, die das nun aufgefundene Video untermauert.

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Quelle: n-tv.de