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Vertrag für One-Night-Stand Diese App legt einvernehmlichen Sex fest

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(Foto: legalfling.io)

Was heißt einvernehmlicher Sex? Eine Frage, über die in Zeiten der #MeToo-Bewegung viel gestritten wird. Eine App verspricht jetzt Rechtssicherheit - mit LegalFling können künftig alle Praktiken vor dem Akt geklärt werden.

Fast jeder Zweite in Deutschland befürwortet ein schärferes Sexualstrafrecht nach schwedischem Vorbild. Dort ist Geschlechtsverkehr nur noch legal, wenn ihm beide Partner ausdrücklich und erkennbar zustimmen. Ein Nein vor oder beim Sex reicht seit Jahresbeginn nicht mehr aus, um im Streitfall einer Verurteilung wegen Vergewaltigung zu entgehen.

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"Jake hätte gern dein Einverständnis für den Geschlechtsverkehr" - Nicht sexy!

(Foto: Marcel Van Oosten/LegalFling)

Das wirft natürlich die Frage auf, wann Sex von beiden Seiten gewollt wird. Programmierer aus den Niederlanden haben dafür eine App entwickelt, mit der alle Unklarheiten vor dem Akt beseitigt werden. Mit LegalFling können sich angehende Sexpartner künftig vorab rechtlich absichern, welche Praktiken während des Liebesspiels erlaubt sind - und welche nicht. "Sex sollte nicht nur Spaß machen, sondern auch für alle sicher sein", lautet der Werbespruch des Start-ups.

In der App ist die Liste der möglichen Sex-Praktiken lang und reicht von Zungenküssen über Fellatio, BDSM-Spielen, das Drehen von Sex-Videos bis hin zur Nutzung von Kondomen. Letztere hatte Julian Assange in Bedrängnis gebracht. Der Wikileaks-Gründer soll mit zwei Frauen in Schweden Geschlechtsverkehr gehabt und dabei gegen deren Willen kein Kondom benutzt haben. Jeder Vertrag ist individuell gestaltbar, wichtig ist nur, dass ihm beide (oder mehrere) Sexpartner zustimmen.

Die App kann sowohl für einen One-Night-Stand genutzt werden als auch für eine längerfristige Zeit wie beispielsweise eine Beziehung. Sobald alle Sex-Partner den virtuellen Vertrag akzeptiert haben, bekommen sie eine Benachrichtigung aufs Handy. Wenn die User dann auf "Bestätigen" klicken, haben sie eine rechtlich bindende Vereinbarung getroffen. Laut den Entwicklern müssen sich User nicht um ihre sensiblen Daten sorgen, denn jeder Vertrag sei von Blockchains abgesichert. Wenn einer der Sex-Partner die vertraglichen Absprachen bricht, ist der Vertrag hinfällig und eine ursprünglich einvernehmliche Liaison könnte ein Fall für die Polizei werden.

Ob der per App vereinbarte Vertrag aber tatsächlich vor einem europäischen Gericht Bestand hat, ist fraglich. Eine Strafrechtsexpertin warnt davor, dass Apps wie "LegalFling" jungen Nutzern ein "falsches Gefühl von Sicherheit" vermitteln. "Wie wollen Sie beweisen, dass Ihr Partner auf den 'Bestätigen'-Button geklickt hat und nicht jemand anderes?", zitierte der britische "Telegraph" die Anwältin.

Apple und Google müssen LegalFling übrigens noch genehmigen, damit die Anwendung in den Stores zum Download bereitstehen kann.

Quelle: n-tv.de, dsi

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