Panorama

Überschwemmungen in Asien Drei-Schluchten-Damm in Gefahr

Heftige Monsunregen haben in Südasien schwere Überschwemmungen ausgelöst und hunderttausende Menschen obdachlos gemacht. Augenzeugen und Behördenvertreter berichteten, in Bangladesch und Indien seien viele Menschen schon seit Tagen von der Außenwelt abgeschnitten. Die Rettungsarbeiten würden erschwert, weil Boote und andere Ausrüstung fehlten.

Halb Bangladesch unter Wasser

Im Norden Bangladeschs saßen mehr als eine halbe Million Menschen in ihren Wohnorten fest, nachdem zwei Flüsse über die Ufer getreten waren. Eine Behördenvertreterin berichtete von verzweifelten Anrufen betroffener Dorfbewohner. Tausende Menschen harrten bereits seit mehr als einer Woche auf den Dächern ihrer Häuser aus, sagte sie. Nach Regierungsangaben steht das halbe Land unter Wasser. Der Bevölkerung fehlt es an Nahrungsmitteln, Trinkwasser und medizinischer Versorgung. Das Zentrum für Flutwarnungen in Dhaka rechnet damit, dass sich die Situation in den kommenden Tagen weiter verschlechtern wird.

Ungenießbare Hilfsgüter

In den östlichen Bundesstaaten Indiens schnitten die Wassermassen Zehntausende von den Zufahrtswegen ab oder zwangen sie, ihre Häuser aufzugeben. In Bihar, wo es seit einer Woche unablässig regnet, saßen nach Angaben örtlicher Behörden 48 Schulmädchen den dritten Tag in Folge im Obergeschoss ihres Internats fest. In Assam campierten tausende obdachlose gewordene Menschen unter Zeltplanen am Straßenrand, auf Brücken und in Regierungsgebäuden. Betroffene beklagten, die von den Behörden zur Verfügung gestellten Lebensmittel seien ungenießbar, und die Hilfsbemühungen würden nicht hinreichend koordiniert. In den beiden Bundesstaaten wurden durch die Fluten in der vergangenen Woche mindestens 75 Menschen getötet.

Erdrutsche in Bhutan

Im benachbarten Himalaya-Königreich Bhutan lösten die Regenfälle Erdrutsche aus und unterspülten Brücken. In Nepal warnten die Behörden vor dem Ausbruch von Seuchen, die durch das Hochwasser verbreitet werden könnten.

Härtetest für Jangtse-Staudamm

Das anhaltende Hochwasser in China wird zum Härtetest für den Drei-Schluchten-Damm. Die Überflutungen, die in den vergangenen Wochen rund 700 Menschen das Leben kosteten, führten zu einer starken Erhöhung des Wasserstandes des Jangtse. 18 Schleusen sind im weltweit größten Wasserkraftwerk geöffnet worden. Durch sie fließen 48.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde.

Die Situation stelle die Sicherheit des Dammes auf die Probe, erklärte ein Sprecher der für das Projekt zuständigen Behörde. Die Provinz Hubei befinde sich in Alarmbereitschaft und bereite die Bevölkerung auf Überschwemmungen vor. Die Ufer des längsten Flusses der Volksrepublik sollen auf einer 1390 Kilometer langen Strecke zwischen dem Stausee und der Industriestadt Wuhan befestigt werden.

Quelle: n-tv.de