Bericht über Incel-ManifestDrei Tote nach Schüssen in jüdischem Viertel in Montréal

In einem jüdisch geprägten Viertel der kanadischen Metropole Montréal erschießt ein Mann zwei Menschen, eine Polizistin wird lebensgefährlich verletzt. Der Schütze ist tot. Laut einem Medienbericht soll der Täter eine Art Manifest veröffentlicht haben.
Bei einem Schusswaffenvorfall in einem jüdischen Viertel der kanadischen Metropole Montréal sind drei Menschen getötet und zwei weitere verletzt worden. Bei den Toten handele es sich um einen Einwohner, einen Polizisten und den Angreifer, sagte ein Polizist vor Journalisten. Ein terroristisches Motiv schlossen die Ermittler aus. Die Bedrohung sei beseitigt worden, sagte der Polizeichef von Montréal, Fady Dagher. "Wir haben einen Verdächtigen, und er wurde erschossen", fügte er hinzu.
Die angeschossene Polizistin schwebe nicht in Lebensgefahr. Mit Blick auf den getöteten Polizisten sprach Dagher vor Journalisten von einem "Alptraum". Der letzte Tod eines Polizisten im Dienst in Montréal liegt seinen Angaben zufolge 24 Jahre zurück.
Die Schüsse fielen nach bisherigen Erkenntnissen am Montagmittag (Ortszeit) an einem Hotel im Viertel Côte-des-Neiges. Ein Augenzeuge alarmierte die Polizei, nachdem er ein Gewehr sah, das aus einem Fenster gehalten wurde. Die Polizei warnte vor einem "bewaffneten und gefährlichen Verdächtigen" und rief dazu auf, die Gegend zu meiden. Bilder in den Onlinenetzwerken zeigten einen Mann in militärischer Kleidung mit einem Gewehr, der auf dem Boden liegt. Bei ihrer Ankunft am Tatort seien die Beamten unter Beschuss geraten, sagte der Polizeisprecher. Daraufhin rückten gepanzerte Fahrzeuge und schwer bewaffnete Einheiten der Polizei an.
Tatort nahe Chabad-Zentrum
Zu den Umständen des Vorfalls äußerten sich die Behörden nicht. Auch war das Motiv des mutmaßlichen Täters nach ihren Angaben noch unklar. In dem Viertel gibt es viele koschere Restaurants und Supermärkte. Der jüdische Rettungsdienst Zaka teilte mit, der Angriff habe sich in der Nähe eines Chabad-Zentrums zugetragen.
Die im späten 18. Jahrhundert gegründete Chabad-Lubawitsch-Bewegung war zunächst in Russland verbreitet und dehnte sich dann über die Nachbarländer aus. Ihr Ziel ist es, Juden ihrer Religion und ihren Traditionen näherzubringen. Weltweit hat die Organisation nach eigenen Angaben mehr als 5000 Institutionen in mehr als 100 Ländern.
Einem Medienbericht zufolge hat der Täter eine Art Manifest verfasst, die Sicherheitsbehörden haben das bislang aber nicht bestätigt. Laut dem Rundfunksender Radio Canada lässt es darauf schließen, dass sich der Mann der Incel-Bewegung zugehörig fühlte. Incel steht für "involuntarily celibate". In der Bewegung schließen sich heterosexuelle Männer zusammen, die nach eigenen Angaben unfreiwillig sexuell enthaltsam und deshalb frustriert sind. Ihren Frauenhass verknüpfen sie häufig mit Gewaltfantasien. Ein Anhänger dieser Bewegung hatte 2018 bei einem Angriff in Toronto elf Menschen getötet - überwiegend Frauen.