Panorama

Gefahr durch Hurrikan-Saison Droht den USA eine dritte Corona-Welle?

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2017: Menschen in Florida suchen in einer Sporthalle Schutz vor Hurrikan "Irma".

(Foto: imago/ZUMA Press)

In den USA geht die Zahl der neuen Corona-Fälle wieder zurück. Das Land ist zwar immer noch schwer betroffen - doch Experten sehen einen positiven Trend. Gleichzeitig gibt es Sorgen vor einem Wiederaufflammen der Pandemie. Auslöser könnte der Beginn der Hurrikan-Saison sein.

Was die Corona-Pandemie betrifft, scheint das Schlimmste in den USA vorerst überstanden. Nach einem zweiten Hoch der Neuinfektionen im Juni und Juli gehen die Zahlen wieder allmählich zurück. Zwar sind die Vereinigten Staaten immer noch vergleichsweise stark betroffen - was die Zahl der neuen Fälle pro Einwohner betrifft, ist die Situation unter den größeren Staaten nur in Peru, Brasilien, Argentinien und Kolumbien schlimmer. Experten sprechen dennoch von einem positiven Trend. Doch hält dieser an?

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Es gibt Befürchtungen, dass sich die Entwicklung umkehren und die Infektionszahlen in den USA erneut ansteigen könnten - es wäre eine Art dritter Welle. Wobei die ersten beiden Ausschläge bei den Neuinfektionen im Frühjahr und im Sommer auch als räumlich und zeitlich getrennte Teile einer ersten Welle betrachtet werden.

Ein Grund für die Befürchtung ist der Beginn des neuen Schuljahres in vielen US-Bundesstaaten in den kommenden Wochen. Wobei unklar ist, ob Schulen tatsächlich ein Treiber der Pandemie sein werden. Ein anderer Grund ist die Hurrikan-Saison, die bereits begonnen hat. Denn gefährliche tropische Stürme könnten Zehntausende Menschen in öffentliche Schutzräume treiben, wo neue Corona-Hotspots zu entstehen drohen. Und zu allem Unglück befürchtet die US-Klimabehörde NOAA auch noch eine Rekordzahl an Hurrikans für die Saison 2020.

Besonders betroffen von Hurrikans sind oft die Südstaaten der USA - also ausgerechnet jene Region, in der sich viele Bundesstaaten gerade erst von dramatischen Höchstständen bei den Corona-Neuinfektionen erholen, so wie etwa Florida. Dort hatten im Juni erneut eingeführte Maßnahmen wie die Schließung von Bars sowie eine Maskenpflicht in bestimmten Gebieten dazu beigetragen, die "zweite Welle" wieder einzudämmen.

Ansteckungsgefahr in Schutzräumen

Auch in Louisiana, wo gerade erst Wirbelsturm "Laura" auf die US-Küste getroffen ist, sinken die - trotzdem immer noch auf hohem Niveau liegenden - Neuinfektionen. Der südliche US-Bundesstaat war, nach einem ersten heftigen Corona-Ausbruch im April, im Sommer zum zweiten Mal von einer Infektionswelle erfasst worden. Aber auch dort trugen nach Ansicht von Experten vor allem die Schließungen von Bars und eine generelle Maskenpflicht zum jüngsten Rückgang der Fälle bei.

Experten befürchten, dass eine schwere Hurrikan-Saison den positiven Trend zunichtemachen könnte. Besonders in öffentlichen Schutzräumen droht Ansteckungsgefahr. Unter anderem werden etwa Sporthallen von Schulen und Tagungszentren für die Unterbringung von Menschen genutzt, die aus vom Sturm bedrohten Gebieten fliehen müssen. Meist sind es allerdings jene, die sich kein Hotelzimmer oder sonstige Unterkünfte leisten und nicht bei Freunden und Verwandten unterkommen können. Die US-Seuchenschutzbehörde CDC hat bereits Hinweise veröffentlicht, wie sich Schutz suchende Menschen angesichts der Corona-Infektionsgefahr verhalten sollen.

Wie ein Bericht des Nachrichtenportals NPR von Ende Juli aufzeigte, war es nach damaligem Kenntnisstand etwa in Florida in einer "Worst Case"-Sturm-Saison nicht möglich, in allen eingeplanten Schutzräumen für den in Coronazeiten notwendigen Abstand zwischen den Menschen zu sorgen. Würden Corona-Abstandsregeln eingehalten, heißt es weiter, könnte nur 340.000 Menschen in Florida Unterschlupf gewährt werden. Im schlimmsten Fall wären jedoch mehr als 900.000 Plätze nötig.

Fieber-Checks für Schutzsuchende

Mittlerweile haben einige örtliche Katastrophenschutz-Verantwortliche in Florida jedoch angekündigt, das Angebot an öffentlichen Schutzräumen zu erhöhen. Zudem könnten etwa Hotelzimmer außerhalb der vom Sturm betroffenen Gebiete dazu dienen, Menschen mit Covid-19 separat unterzubringen heißt es. Gleichzeitig sollen Menschen, die Schutzräume aufsuchen, auf Fieber kontrolliert und gegebenenfalls vor Ort isoliert werden.

Die US-Klimabehörde NOAA rechnet damit, dass 2020 ein Rekordjahr für Wirbelstürme werden könnte. Sieben bis elf Hurrikans werden erwartet, drei bis sechs davon sogar sehr starke mit Windgeschwindigkeiten von 178 Kilometern pro Stunde und mehr. In durchschnittlichen Jahren gibt es etwa drei Hurrikans der Kategorie drei, vier oder fünf. Und so könnten den USA weitere bange Monate inmitten der Pandemie bevorstehen: Denn erst Ende November endet die Hurrikan-Saison.

Quelle: ntv.de