Panorama

Gefährliche Corona-Lügen Drosten & Co schlagen Fake-News-Alarm

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Auch Christian Drosten hat den offenen Brief gegen die "Infodemie" in sozialen Medien unterzeichnet.

(Foto: imago images/Reiner Zensen)

Mehr als 100 Wissenschaftler und Ärzte aus der ganzen Welt schreiben einen offenen Brief gegen die "Infodemie" in den sozialen Medien. Sie fordern die Plattformen auf, gefährliche Lügen über angebliche Heilmittel gegen Covid-19 effektiv zu bekämpfen. Auch Christian Drosten unterzeichnet.

Verschwörungstheoretiker haben bei Facebook, in Telegram-Gruppen, auf Youtube oder in anderen sozialen Medien Hunderttausende Follower, die wilde Gerüchte über die Corona-Pandemie nicht nur glauben, sondern auch teilen. Sehr weit verbreitet sind Falschmeldungen über angebliche Heilmittel gegen Covid-19, unter anderem kursiert der krude Vorschlag, sich Chlorbleiche zu spritzen, schon länger in den sozialen Medien - und wird tatsächlich auch praktiziert. Weil dies nicht die einzige lebensgefährliche Falschmeldung ist, die verbreitet wird, haben über 100 Ärzte und Wissenschaftler aus der ganzen Welt einen offenen Brief unterzeichnet, mit dem sie wegen der "Infodemie" in den sozialen Medien Alarm schlagen. Einer der Unterzeichner ist der Berliner Virologe Christian Drosten.

Vor allem geht's um Facebook

Berichte, wonach Kokain ein Heilmittel sei oder Covid-19 von China oder den USA als biologische Waffe entwickelt wurden, hätten sich schneller verbreitet als das Virus selbst, schreiben die Fachleute. Aber nicht nur Falschmeldungen über die Corona-Pandemie seien extrem problematisch. Auf Facebook hätten sie beispielsweise auch Behauptungen beobachtet, Chlordioxid helfe Menschen, die an Autismus und Krebs leiden, Millionen von US-Amerikanern sei durch die Polio-Impfung ein "Krebsvirus" verabreicht worden oder ADHS sei von großen Pharmakonzernen erfunden worden.

Diese Lügen hätten eine große Reichweite, heißt es in dem Brief. Unter anderem sei ein Beitrag auf Facebook, laut dem Ingwer 10.000 Mal effektiver bei der Krebsbekämpfung sei als eine Chemotherapie, fast 30.000 Mal geliked, geteilt und kommentiert worden.

Gesundheitswesen trägt Folgen und Kosten

"Durch unsere Arbeit in Krankenhäusern, Kliniken und Gesundheitsämtern auf der ganzen Welt kennen wir uns nur zu gut mit den tatsächlichen Auswirkungen dieser 'Infodemie' aus", schreiben die Ärzte und Wissenschaftler. "Wir sind diejenigen, die Kleinkinder mit Masern stationär behandeln - eine vollkommen vermeidbare Krankheit, die in Ländern wie den USA bereits als ausgerottet galt, jetzt aber vor allem dank Impfgegner-Propaganda wieder auflebt."

Als Angehörige der Gesundheitsberufe müssten sie sich nicht nur um die Folgen kümmern, sondern würden oft auch noch dafür verantwortlich gemacht. Fehlinformationen verschlechterten so die Moral eines ohnehin schon unter großem Druck stehenden Berufsstandes. Dazu kämmen die Kosten für die aus den Falschmeldungen resultierenden Behandlungen.

Warnen und "Algorithmen entgiften"

Die Unterzeichner fordern unter anderem, dass Facebook und andere Plattformen auf Fakten geprüfte Fehlinformationen nicht nur kennzeichnen. Da Millionen Nutzer solche Beiträge vorher schon gelesen haben könnten, sollen die sozialen Dienste alle Betroffenen warnen und Richtigstellungen zukommen lassen.

Zweitens müssten die Plattformen ihre Algorithmen "entgiften", die bestimmen, was den Benutzern angezeigt wird. Gefährliche Lügen sowie diejenigen Seiten und Gruppen, die sie verbreiteten, müssten in den Benutzer-Feeds nicht herauf-, sondern herabgestuft werden, fordern die Unterzeichner. "Wiederholungstäter" sollten ebenfalls aus den Algorithmen genommen werden, die derzeit vor allem dafür dienten, Benutzer online zu halten, und weniger, um ihre Gesundheit zu schützen.

"Um Leben zu retten und das Vertrauen in die wissenschaftlich fundierte Gesundheitsversorgung wiederherzustellen, müssen die Tech-Giganten aufhören, die Lügen, Verdrehungen und Fantasien, die uns alle bedrohen, weiter anzufachen", resümieren die Unterzeichner. Die Konzerne mit ihrer "unvergleichlichen Machtposition" seien dafür verantwortlich, "der tödlichen Verbreitung von Fehlinformationen entgegenzuwirken."

Quelle: ntv.de, kwe