Panorama

Pandemiemaßnahmen wirken Drosten würde mit Ausgangssperren warten

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Leere Straßen wie hier in Freiburg sind in Zeiten des Virus gut.

(Foto: picture alliance/dpa)

Als nächste Maßnahme zur Eindämmung der Corona-Epidemie sind Ausgangssperren im Gespräch. Die beiden Virologen Drosten und Kekulé halten das jedoch nicht zwingend für nötig.

Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité hat darauf hingewiesen, dass es keine Forschungsdaten zur Verhängung von Ausgangssperren im Pandemiefall gibt. "Man kann nicht sagen, ob es wirklich besser ist, wenn man jetzt noch zusätzlich Ausgangssperren macht", sagte Drosten im Corona-Podcast des NDR. Was man sagen könne: Die Maßnahmen, die jetzt schon in Kraft sind, wie Schulschließungen, soziale Distanz und Quarantäne, müssen auch eingehalten werden. "Wenn sich da niemand dran hält, muss die Politik die Entscheidung treffen und Ausgangssperren verhängen."

Für diese Entscheidung seien nicht nur die harten Daten wichtig, an denen es eben fehle, sondern auch "der öffentliche Eindruck", den sich jeder selbst machen könne. Drosten nannte diese politische Entscheidung sehr schwierig. Das betreffe auch beispielsweise Überlegungen, wann man Schulschließungen wieder lockern könne. Um Ostern herum habe man sicher schon mehr Daten, auf deren Grundlage man dann entscheiden könne. "Das muss von der Politik auf Sicht gefahren werden." Der Mediziner empfahl dabei Augenmaß. Er habe erst jetzt langsam den Eindruck, dass die Straßen wirklich leerer werden.

Extremer Druck nicht sinnvoll

Auch der Virologe und Seuchen-Experte Alexander Kekulé von der Uniklinik Halle sprach sich gegen die Verhängung von Ausgangssperren aus. In seinem MDR-Podcast sagte Kekulé, es sei gut, an die Vernunft der Bürger zu appellieren. "Grundsätzlich halte ich von Ausgangssperren nichts." Solche Maßnahmen setzten die Bürger zu sehr unter Druck, mit extremen psychologischen Folgen.

In kleinen Gemeinden funktioniere das gut. Das Problem seien aber vor allem die Großstädte mit sehr vielen Menschen unterschiedlicher Kultur. "Da ist es schwer, sie alle auf eine Linie zu bringen." Wenn man wegen einer sehr kleinen Minderheit 95 Prozent der Bevölkerung einsperre, halte er den Kollateralschaden jedoch für zu hoch.

In Halle/Saale, wo der Katastrophenfall ausgerufen wurde, habe sich das Stadtbild dramatisch geändert, man sehe kaum noch Menschen auf der Straße. Dort habe man es geschafft, sich "vor die Pandemie zu setzen". Man überlege, was als nächstes passieren könne und ergreife dann Maßnahmen. Das sei sehr vorausschauend, aber auch dort gebe es keine Ausgangssperre. Möglicherweise werde man aber in der Hochphase der Pandemie in der Stadt weniger Erkrankungsfälle haben.

Quelle: ntv.de, sba