Panorama

Kampf gegen Resistenzen EU will einige Antibiotika für Tiere sperren

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Eine Greenpeace-Aktion gegen die Medikamenten-Gabe in der Massentierhaltung.

(Foto: picture alliance / Marius Becker/dpa)

Tierärzte protestieren im Vorfeld heftig, doch die EU-Kommission will die wichtigsten Antibiotika-Klassen für Menschen reservieren. In Europa sterben jedes Jahr 33.000 Patienten an gefährlichen resistenten Krankenhauskeimen. Auch die WHO ist beunruhigt.

Die EU-Kommission will die Zahl von in der Tiermedizin zugelassenen Antibiotika auf ein "absolutes Minimum" reduzieren. Das geht aus einem gerade veröffentlichen Papier der Brüsseler Behörde hervor. Über das Thema wird vor allem in Deutschland sehr emotional gestritten. Befürworter strengerer Regeln argumentieren, dass durch den massenhaften Einsatz von Antibiotika mehr resistente Erreger entstehen, die für den Menschen tödlich sein können. Dagegen hatte der Bundesverband praktizierender Tierärzte zuletzt mit einer umstrittenen Kampagne gewarnt, dass von einer möglichen Verschärfung entsprechender Regeln das Leben von Haustieren abhängen könnte.

Ranghohe Kommissionsmitarbeiter betonten, dass so wie die Regeln derzeit geplant seien, der Einsatz von gewissen Antibiotika auch bei Haustieren zulässig sei, wenn es keine Alternative gebe. Gleiches gelte für Tiere in der Viehzucht und -haltung. Künftig sollten dem Vorschlag der Kommission zufolge drei Kriterien entscheidend sein, ob ein Antibiotikum für Menschen reserviert wird. Es gehe um deren Bedeutung für die menschliche Gesundheit, das Risiko einer Resistenzübertragung und darum, ob das Mittel unerlässlich für die Tiergesundheit ist.

Europaparlament muss noch abstimmen

Der Grünen Agrarpolitiker Martin Häusling geht davon aus, dass dann von 24 wichtigen Antibiotikaklassen 16 für die Tiermedizin komplett verboten wären. Eine konkrete Liste, welche Mittel betroffen wären, wird laut Kommission derzeit von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) ausgearbeitet. Diese könne aber erst fertiggestellt werden, wenn das Europaparlament kommende Woche über einen Rechtstext zu dem Thema abgestimmt habe. Offiziellen Angaben zufolge sterben in der EU jedes Jahr 33.000 Menschen wegen antibiotikaresistenten Erregern.

Zuletzt hatte eine Studie der Universität Gießen nachgewiesen, dass Krankenhauskeime in Deutschland bereits gegen ein als Hoffnungsinstrument gepriesenes Kombi-Präparat Resistenzen entwickelt haben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht in wachsenden Resistenzen eine große Gefahr. Von Antibiotika-Resistenz sprechen Experten, wenn Patienten auf ein Antibiotikum nicht reagieren, das heißt, wenn die krankmachenden Bakterien durch das Antibiotikum nicht vernichtet werden. Solche Resistenzen können sich entwickeln, wenn bei einem Antibiotikaeinsatz einige Bakterien überleben. Diese resistenten Bakterien können sich ausbreiten und ihr Resistenzmechanismus auf andere Erreger übergehen.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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