Panorama

Spaziergang ab sechs Euro Einsame sind lukrative Kunden

eee.JPG

Gemeinsames Spazierengehen gegen die Vereinsamung.

(Foto: Facebook/peoplewalker)

"Kein Schwein ruft mich an. Keine Sau interessiert sich für mich", sang schon Max Raabe. Über drei Jahrzehnte später, inmitten technologischen Reichtums, vereinsamen die Menschen immer mehr. Ein Schauspieler hat eine Idee, die so einfach wie genial ist.

Einsamkeit. Viele erleben dieses quälende Gefühl nur flüchtig wie einen Lufthauch. Aber es gibt auch jene Menschen, die die Einsamkeit erdrückt, die krank werden und ihren Lebensmut verlieren.

1980 sagte der amerikanische Zukunftsforscher Alvin Toffler voraus, Einsamkeit würde bald unsere Welt prägen und könne ein wichtiger Wirtschaftsfaktor werden. Weil sich nur noch wenige Menschen zu etwas zugehörig fühlen, das größer und besser sei als sie selbst, würden die menschlichen Beziehungen immer flüchtiger.

*Datenschutz

Horst W. Opaschowski teilte die Meinung seines amerikanischen Kollegen und mutmaßte ebenfalls nur wenige Jahre später, dass es inmitten technologischen Reichtums zur menschlichen Verarmung kommen könnte. Weil kaum einer mehr Zeit zum Zuhören habe, werde es bald "Zuhörer, Vorleser und Geschichtenerzähler von Berufs wegen" geben, so seine Prognose.

Und die Forscher behielten Recht. Eine Studie aus dem vergangenen Jahr zeigt, die Einsamkeit wächst. Deutschland befindet sich auf dem Weg in die Single-Gesellschaft. 16 Millionen Menschen leben hierzulande bereits allein. Das ist jeder Fünfte. Tendenz steigend. Soziale Kontakte werden häufig über das Internet abgewickelt. Wem kann man dies verübeln? Nach einem stressigen Arbeitstag lassen sich Freundschaften heutzutage bequem vom Sofa aus regeln.

Der mit Menschen Gassi geht

*Datenschutz

Ein Schauspieler aus Los Angeles bietet ein analoges Mittel gegen die Vereinsamung der Menschen im digitalen Zeitalter an. Chuck McCarthy führt Menschen spazieren. Er bietet sich als Begleiter an. Pro Meile sechs Euro. Egal ob zu Spaziergängen, Joggingrunden oder dem täglichen Heimweg. Er begleitet Menschen auf ihren Wegen, spricht mit ihnen, hört zu.

"Die Menschen hängen nur noch an ihren Telefonen und vor Computern. Wir kommunizieren die ganze Zeit", zitiert der britische "Guardian" McCarthy, "aber wir verbinden uns nicht mehr". Deshalb steht für ihn fest: "Wir brauchen menschliche Interaktion." Da er außerdem gerade keine Schauspielerjobs hatte und dringend noch ein paar Kilo abnehmen wollte, kam ihm schließlich die Idee für das "People Walking".

Er schrieb seinen Geschäftsnamen auf ein T-Shirt, erstellte eine Facebook-Seite und bastelte Flyer mit Sprüchen wie: "Brauchst du eine Motivation zum Spazierengehen? Hast du abends Angst alleine zu gehen? Willst du nicht allein gehen, weil die Leute denken könnten, dass du keine Freunde hast?" McCarthys Geschäftsidee scheint aufzugehen: Mittlerweile hat er Stammkunden und soviel Anfragen, dass er bereits weitere "Spaziergänger" angeheuert hat.

Kuscheln ohne Fummeln

Vom Geschäft mit der Einsamkeit leben Single-Clubs, Online-Partnerbörsen und Sexportale. Die Seite "rent-a-friend.com" vermietet schon länger Menschen für ein gemeinsames Abendessen, einen Opernbesuch, eine Party oder einen Kinoabend. Alles ist dabei streng platonisch. Kein Sex. Für 20 Euro monatlich stehen weltweit über 600.000 Mietfreunde zur Auswahl.

Menschliche Nähe versprechen auch zahlreiche Kuschel-Agenturen. Dort bieten professionelle Kuschler ihre Dienste an. 50 Minuten Kuscheln gibt es zum Beispiel in der "Kuschel-Kiste" für 50 Euro – aber ohne Fummeln.

Quelle: n-tv.de, dsi