Panorama

Tiere erleiden "enorme Qual"Kritik an Tintenfisch-Zucht in Aquakulturen

02.02.2022, 09:02 Uhr (aktualisiert)
imago0093620602h
Tintenfische verfügen über ein hochkomplexes Nervensystem und empfinden nachweislich Gefühle wie Angst, Stress und auch Schmerzen. (Foto: imago images/Ardea)

Ein spanisches Unternehmen verkündet im November 2021 erstmals die erfolgreiche Zucht von Tintenfischen in Gefangenschaft. In Aquakulturen soll nun tonnenweise produziert werden. Aus mehreren Gründen halten Tierschützer das für eine schlechte Idee.

Die Nachfrage steigt, nun soll die Produktion nachziehen: Ab Sommer 2023 sollen laut dem Deutschen Tierschutzbund in Spanien jährlich 3000 Tonnen Tintenfisch in Aquakulturen produziert werden. Die Organisation kritisierte die Pläne scharf. "Die wenigen verfügbaren Studien zeigen, dass Oktopoden in Gefangenschaft nicht verhaltensgerecht gehalten und versorgt werden können", warnte die Fachreferentin für Natur- und Artenschutz, Katrin Pichl.

So verfügten Oktopusse über ein hochkomplexes Nervensystem und empfinden nachweislich Gefühle wie Angst, Stress und auch Schmerzen. Die Haltung in einer Aquakultur sei aufgrund ihrer "beachtlichen kognitiven Fähigkeiten und Sensibilität" eine "enorme Qual", kritisierte Pichl.

imago0114128323h
Eine Aquakultur vor der spanischen Küste (Foto: imago images/Andia)

Oktopoden sind laut Tierschutzbund außerdem Einzelgänger und aufgrund ihrer weichen Haut sehr verletzungsanfällig. Die Haltung in großen Gruppen sorge für Stress, aggressives Verhalten und könne sogar zu Kannibalismus führen.

Zucht von Tintenfischen trägt zur Überfischung der Meere bei

Die Fleischfresser benötigten zudem täglich das Zwei- bis Dreifache ihres Körpergewichts an Nahrung. Die Haltung trage so zur Überfischung der Meere bei, kritisierte der Tierschutzbund weiter. Bereits heute werde rund ein Drittel des weltweiten Fischfangs zur Tierfütterung verwendet.

Bisher werden Tintenfische hauptsächlich mit Grundschleppnetzen gefangen - auch diese Praxis kritisierten die Tierschützer. Häufig landeten auch andere Tiere mit in den Netzen, die zudem auch den Meeresboden zerstörten. "Alle Fangmethoden sowie Handling und Aufbewahrung führen zu Schmerzen, Verletzungen und Stress", erklärte Pichl. Auch die Tötung der Tiere sei grausam: "Man verstümmelt ihren Kopf, tötet sie langsam in Eiswasser oder lässt sie einfach mehrere Stunden an der Luft ersticken".

Das spanische Unternehmen Nueva Pescanova hatte im November mitgeteilt, dass es erstmals gelungen sei, Tintenfische in Gefangenschaft zu vermehren. Das Unternehmen plant demnach, die ersten in Aquakulturen großgezogenen Tintenfische im Sommer 2022 auf den Markt zu bringen.

(Dieser Artikel wurde am Donnerstag, 27. Januar 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, mba/AFP

TierschutzFischeFischfang