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Mittwoch, 14. März 2018

Mann in Offenbach festgenommen: Entführer von Milliardärssohn Würth gefasst?

Im Juni 2015 wird der Sohn des Schraubenunternehmers Würth entführt. Zur Übergabe des Lösegelds kommt es jedoch nie - der Milliardärssohn wird kurz darauf an einen Baum gefesselt gefunden. Nach intensiver Fahndung nimmt die Polizei nun einen Mann fest.

Knapp drei Jahre nach der kurzzeitigen Entführung des Unternehmersohns Markus Würth hat die hessische Polizei einen Verdächtigen gefasst. Der 48 Jahre alter Offenbacher mit serbisch-montenegrinischer Staatsbürgerschaft soll laut Polizei und Staatsanwaltschaft im Juni 2015 vermutlich den Sohn des Industriellen Reinhold Würth entführt haben. Gegen ihn wurde Haftbefehl wegen des dringenden Tatverdachts des erpresserischen Menschenraubs erlassen, seine Wohnung wird nach möglichen Beweismitteln durchsucht.

Der behinderte Sohn des baden-württembergischen Schrauben-Milliardärs war am 17. Juni 2015 in Schlitz im hessischen Vogelsbergkreis gekidnappt worden, wo er in einer integrativen Wohngemeinschaft lebte. Eine Lösegeldforderung ging kurz darauf telefonisch am Stammsitz des Unternehmens in Künzelsau bei Heilbronn ein. Würth und seine Ehefrau waren zu diesem Zeitpunkt auf einer Geschäftsreise in Griechenland.

Reinhold Würth machte mit Schrauben ein Vermögen.
Reinhold Würth machte mit Schrauben ein Vermögen.(Foto: dpa)

Der Entführer forderte damals ein Lösegeld in Millionenhöhe, doch zu einer Geldübergabe kam es nie. Schon einen Tag nach der Entführung wurde der damals 50-jährige Würth-Sohn in einem Waldgebiet bei Würzburg gefunden - an einen Baum gefesselt, aber unversehrt. 

Vor etwa einem Jahr wurde dann die Öffentlichkeitsfahndung nach dem Täter gestartet, die Ermittler nutzten auch die Fernsehsendung "Aktenzeichen XY... ungelöst", um Hinweise aus der Bevölkerung zu erhalten. Ende April 2017 zeigten sie den spektakulären Kriminalfall im ZDF und präsentierten den TV-Zuschauer dabei auch eine Sprachanalyse. Dem damaligen Ermittlungsstand zufolge sollte der Täter aus dem ehemaligen Jugoslawien stammen - er sprach mit deutlichem Akzent.

Höflichkeit des Entführers bringt Ermittler auf den Plan

Anhand der Tonbandaufzeichnung konnten die Ermittler ein detailliertes Täterprofil des Mannes erstellen: Der 40 bis 52 Jahre alte Mann lernte demnach im Rhein-Main-Gebiet Deutsch und arbeitete und lebte auch dort. Vermutlich soll er aus dem Raum Sandzak im Grenzgebiet zwischen Serbien und Montenegro stammen.

Und noch etwas fiel den Ermittlern auf: Der Entführer war ausgesprochen höflich und verwendete wiederholt das Wort "bitte". Sie gingen deshalb davon aus, dass er beruflich mit anderen Menschen zusammenarbeitet - und hielten einen Job als Fahrdienstleister für Personen oder als Bote ebenso für möglich wie Beschäftigungen im sozial-karitativen Bereich oder in der Gastronomie.

Neben der Stimmanalyse wertete die Polizei auch Handy-Daten aus und erhielt so ein Bewegungsbild des mutmaßlichen Täters. Nach den Erkenntnissen der Ermittler lud der Kidnapper an verschiedenen Orten sein Handy-Guthaben auf. Er soll dafür im Rhein-Main-Gebiet in verschiedenen Geschäften sogenannte Cash-Codes erworben haben - auch am Tattag in einem Supermarkt in Würzburg-Eisingen. Ganz in der Nähe wurde später der entführte Industriellensohn gefunden. Die Sonderkommission zu dem Fall wurde im September 2015 aufgelöst, die Ermittlungen liefen aber weiter. Markus Würth lebt inzwischen an einem anderen, geheim gehaltenen Ort.

Quelle: n-tv.de