Panorama

Boko Haram zeigt Video Entführte Schülerinnen sollen bekehrt sein

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Vor drei Jahren wurden 276 Schülerinnen von der Terrorgruppe Boko Haram entführt, vor einer Woche wurden 82 von ihnen im Nordosten Nigerias freigelassen.

(Foto: AP)

Vor über drei Jahren verschleppt Boko Haram fast 300 überwiegend christliche Schülerinnen aus Nigerias Nordosten. Noch immer hat die Terrormiliz über 100 Mädchen in ihrer Gewalt - ein Video soll den Verdacht schüren, dass die Gefangenen nun Islamistinnen sind.

Die Dschihadistengruppe Boko Haram hat ein Video veröffentlicht, das angeblich mehrere der von ihr verschleppten nigerianischen Schülerinnen als überzeugte Islamistinnen zeigt. In dem dreiminütigen Video stellt sich eine schwarz verschleierte Frau als Maida Yakubu vor, eines der 2014 in der nordöstlichen Stadt Chibok verschleppten mehr als 200 Mädchen. Von drei weiteren Frauen flankiert antwortet die Wortführerin, die eine Schusswaffe hält, auf Fragen eines Mannes im Hintergrund, dass sie nicht nach Hause zurück wolle.

Der Grund für ihren Entschluss, nicht zu ihren Eltern zurückzukehren, sei: "Sie leben in einer Stadt des Unglaubens. Wir wollen, dass sie den Islam annehmen." Darauf folgt eine längere Ansprache im Chibok-Dialekt. Die Mutter der Frau sagte der Nachrichtenagentur AFP von Chibok aus, für sie sei das Video "Folter". Ihre Tochter müsse zu den Aussagen gezwungen worden sein. Es sei "einfach nicht möglich", dass sie die Geiselnehmer ihrer Mutter vorziehe, fügte Esther Muntari hinzu.

In der vergangenen Woche waren 82 der entführten Mädchen nach dreijähriger Geiselhaft freigekommen. Boko Haram hatte die Schülerinnen nach längeren Verhandlungen unter internationaler Vermittlung freigelassen. Im Gegenzug entließ die Regierung inhaftierte Boko-Haram-Kämpfer. Präsidentensprecher Garba Shehu räumte später ein, dass ein Mädchen sich geweigert habe, Boko Haram zu verlassen, weil sie einen der Dschihadisten geheiratet habe.

Weiteres Video zeigt Kommandeure

Ehemalige Geiseln berichten von Vergewaltigungen, sexueller Gewalt und Zwangsehen. Die Boko-Haram-Spezialistin Elizabeth Pearson verweist allerdings darauf, dass das Verhältnis zwischen Entführern und Entführten oftmals komplex und ambivalent ist. Nicht alle Kämpfer verhielten sich im Lager den Frauen gegenüber brutal - insbesondere, wenn auch Kinder im Spiel seien.

Die Dschihadistengruppe veröffentlichte am Wochenende noch ein weiteres Video, das fünf bei dem Gefangenenaustausch freigekommene Kommandeure zeigen soll. Darin sagt ein Mann, der sich als Abu Dardaa vorstellt, Boko Haram sei in den Sambisa-Wald - einst die Bastion der Gruppe im Bundesstaat Borno - zurückgekehrt und bereite einen Anschlag in der Hauptstadt Abuja vor.

Die nigerianische Armee bezeichnete das Video als "reine Propaganda". Im vergangenen Dezember hatte sie mitgeteilt, sie habe Boko Haram aus dem Sambisa-Wald vertrieben.

Die Entführung der 276 Schülerinnen vor rund drei Jahren hatte international für Entsetzen gesorgt. Das Schicksal der Mädchen wurde zu einem Symbol für den Konflikt mit der Dschihadistengruppe in Nigeria. Zahlreiche Prominente setzten sich unter dem Slogan BringBackOurGirls für ihre Freilassung ein, darunter die damalige First Lady der USA, Michelle Obama. Boko Haram kämpft seit Jahren für die Errichtung eines islamischen Gottesstaats im mehrheitlich muslimischen Nordosten Nigerias.

Quelle: ntv.de, Aminu Abubakar, AFP