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Überreste von Nikolaus II. exhumiert Ermittler rollen Zaren-Mord neu auf

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Die Überreste von Zar Nikolaus II. und seiner Frau Alexandra wurden 1991 in einem Massengrab in Jekaterinburg entdeckt.

(Foto: picture alliance / dpa)

1918 wird die Zarenfamilie ermordet, verbrannt und vergraben. Inzwischen liegen die Überreste in der Peter-und-Paul-Kathedrale in St. Petersburg. Immer wieder aber werden Stimmen laut, die die Authentizität der Leichen anzweifeln.

Im Zuge einer neuen Untersuchung zur Ermordung der russischen Zarenfamilie im Jahr 1918 sind die sterblichen Überreste von Nikolaus II. und seiner Frau Alexandra exhumiert worden. Ermittler hätten am Mittwoch Proben an der Grabstätte des Paars in der Peter-und-Paul-Kathedrale in St. Petersburg entnommen, sagte Wladimir Solowjow von der Untersuchungskommission.

"Wir haben beschlossen, noch einmal bei Null anzufangen und die notwendigen Untersuchungen erneut anzustellen", sagte Solowjow dem Radiosender Echo Moskau. Die Ermittler wollen genetische Tests vornehmen, nachdem kürzlich die Frage nach der Authentizität der Leichen wieder hochkam.

Erste Untersuchung blieb ergebnislos

Bei der Untersuchung gehe es um "die Umstände des Tods und der Beerdigung der Zarenfamilie", sagte der Sprecher der Kommission, Wladimir Markin. Eine erste Untersuchung war im Jahr 2009 nach mehr als 15 Jahren durch die Kommission geschlossen worden, nachdem es keine nennenswerten Fortschritte gegeben hatte. Im Jahr 2010 erklärte ein Gericht diese Entscheidung für nicht rechtens.

Im Juli forderte die orthodoxe Kirche in Russland, in der die gesamte Zarenfamilie Romanow als heilig verehrt wird, eine Wiederaufnahme der Ermittlungen. Sie hatte lange Zeit Zweifel an der Authentizität der Leichen geäußert und wollte die Ergebnisse von DNA-Tests nicht anerkennen. Auf Anfrage wollte sich die Kirche nicht zu der Wiedereröffnung der Untersuchung äußern. Der Anwalt der Romanows, German Lukjanow, begrüßte die Entscheidung als "Schlüsselereignis unserer Epoche".

Beisetzung der Zaren-Kinder im Oktober

Die Mitglieder der Zarenfamilie und ihre Bediensteten waren 1918 von den Bolschewisten erschossen worden. Ihre Leichen wurden verbrannt und eilig vergraben. 1991 wurden die Überreste des Zaren Nikolaus II., seiner Frau und ihrer Töchter Olga, Tatjana und Anastasia in einem Massengrab in Jekaterinburg entdeckt. 1998 wurden sie in St. Petersburg bestattet.

Die mutmaßlichen Überreste der Kinder Alexej und Maria wurden 2007 in 70 Kilometern Entfernung von den übrigen Familienmitgliedern gefunden. Sie sollen nun Mitte Oktober in dem Familiengrab bestattet werden.

Quelle: ntv.de, lda/AFP