Panorama

1944 an Massaker beteiligt Ermittlungen gegen Ex-SS-Mann wegen Volksverhetzung

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Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen den 96-Jährigen begonnen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ein Jahr vor Kriegsende töten Mitglieder der Waffen-SS mehr als 80 Zivilisten in einem französischen Dorf. Ein 96-Jähriger, der damals an dem Massaker beteiligt ist, verunglimpft in einem aktuellen Fernsehbeitrag die Opfer. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ihn.

Die Staatsanwaltschaft Hildesheim ermittelt wegen Volksverhetzung gegen einen früheren SS-Mann, der im April 1944 an einem Massaker im nordfranzösischen Ascq beteiligt war. Der 96-Jährige hatte den Holocaust Ende November im ARD-Politikmagazin "Panorama" heruntergespielt und den französischen Zivilisten Schuld an ihrem Schicksal gegeben, weil sie hätten weglaufen wollen. Nach der Ausstrahlung des entsprechenden Beitrags sei die Staatsanwaltschaft von Amts wegen tätig geworden, teilte die Anklagebehörde mit. Außerdem habe es 20 Strafanzeigen, je zur Hälfte aus Deutschland und aus Frankreich gegeben, berichtete die "Hildesheimer Allgemeine".

Bei dem Massaker in Ascq wurden 86 Zivilisten von Mitgliedern der 12. Waffen-SS-Division "Hitlerjugend" als Racheakt für einen vorangegangenen Sprengstoffanschlag auf einen Transportzug willkürlich getötet. Für diese Gräueltat ist der frühere SS-Mann aus dem Kreis Hildesheim jedoch nie bestraft worden. Zwar war er direkt nach dem Krieg von einem französischen Militärgericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden, diese Strafe ist in Einklang mit dem französischem Recht jedoch mittlerweile verjährt.

In Deutschland begonnene Ermittlungen wegen des Verdachts der Beihilfe zum Mord wurden wieder eingestellt. Hintergrund war der Grundsatz, dass niemand wegen derselben Tat zweimal bestraft werden darf.

Die Verunglimpfung der Opfer durch den früheren SS-Mann in der TV-Sendung hatte in Frankreich Empörung ausgelöst. Die Äußerungen eines SS-Mannes, der an dem Massaker mit 86 Toten beteiligt war, lösten bei den Einwohnern und bei ihm selbst "ein Gefühl und eine Reaktion unermesslichen Abscheus" aus, hatte der Bürgermeister von Villeneuve d'Ascq, Gérard Caudron, erklärt.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa