Panorama
Cardiles (l.) bei der Gedenkfeier für seinen Partner.
Cardiles (l.) bei der Gedenkfeier für seinen Partner.(Foto: AP)
Donnerstag, 01. Juni 2017

Ausnahme für Terroropfer: Ermordeter Polizist posthum verheiratet

Eine Hochzeit ist normalerweise ein besonders glücklicher Moment im Leben. Doch über der Heirat von Étienne Cardiles und Xavier Jugelé liegt ein schwarzer Schatten, denn nur einer der Partner erlebt diesen Tag.

Der Polizist, der im April bei dem Terroranschlag auf dem Pariser Champs-Élysées erschossen wurde, ist Medienberichten zufolge posthum noch Ehemann geworden. Die französische Zeitung "Le Parisien" berichtet, dass Jugelés Partner Étienne Cardiles mit dem Toten in einer kleinen Zeremonie am Dienstagabend verheiratet wurde.

Für die Heirat war ein Dekret des französischen Staatspräsidenten erforderlich. Er darf eine "posthume Ehe" erlauben, wenn dafür schwerwiegende Gründe vorliegen und es einen eindeutigen Ehe-Willen des Verstorbenen gab. An der Zeremonie im Rathaus des 14. Bezirks nahmen demnach auch die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo und der frühere Präsident François Hollande teil.

Jugelé hatte kurz vor seiner Ermordung gemeinsam mit seinem Partner ein Kind adoptiert. Bei einer Gedenkfeier, die für Jugelé abgehalten wurde, hatte Cardiles betont, er werde ohne Hass um seinen Partner trauern. Er nahm damit die Worte auf, die Antoine Leiris an die Mörder seiner Frau gerichtet hatte. An seinen verstorbenen Partner gerichtet sagte er: "Du wirst immer einen Platz in meinem Herzen haben. Ich liebe dich!"

Engagiert und optimistisch

Der 37-Jährige Polizist wurde beim Anschlag auf dem Pariser Champs-Élysées erschossen, als ein Mann auf dem Prachtboulevard mitten in Frankreichs Hauptstadt mit einer automatischen Waffe das Feuer auf einen geparkten Mannschaftswagen der Polizei eröffnete. Später reklamierte der IS den Anschlag, bei dem auch der Attentäter getötet wurde, für sich.

Jugelé hatte seit 2010 für die Gendarmerie gearbeitet. Er gehörte 2015 zu den ersten Polizisten, die nach dem Terroranschlag in der Pariser Konzerthalle Bataclan eintrafen. Außerdem kämpfte er offen für LGBTI-Rechte und reiste während der Flüchtlingskrise nach Griechenland, um dort Migranten zu helfen.

Quelle: n-tv.de