Panorama

Reisen und Restaurantbesuche Erste Länder setzen auf Immunitätspass

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Vorteile für Geimpfte soll es in Deutschland nicht geben.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild)

In den ersten Ländern soll er bald zum Einsatz kommen - ein Immunitätspass für Menschen, die gegen das Coronavirus geimpft sind oder eine Covid-19-Erkrankung überstanden haben. Das soll zur Impfung motivieren. Doch es bleiben Fragen.

Die Verfügbarkeit von Corona-Impfstoffen zieht in vielen Ländern weitere Fragen nach sich. Wie schon zu Beginn der Pandemie angenommen, ist es eben nicht egal, ob man sich impfen lassen will oder auch ob man bereits geimpft ist. Denn die Ausbreitung der Pandemie wird nur eingedämmt werden, wenn mehr Menschen immun gegen das Coronavirus sind.

Spanien kündigte kurz vor dem Jahresende an, man werde in einem Register diejenigen erfassen, die sich bewusst gegen eine Immunisierung gegen das Coronavirus entschieden haben. In der Datenbank werden nach Angaben des spanischen Gesundheitsministeriums jedoch ausnahmslos alle Personen verzeichnet, die vom staatlichen Impfprogramm kontaktiert wurden. Das Land will bis zum Sommer 70 Prozent seiner Bevölkerung geimpft haben.

Das Register soll nicht öffentlich sein, auch nicht für Arbeitgeber einsehbar, und die Datenschutzbestimmungen würden rigoros eingehalten, betonte das Gesundheitsministerium des Landes. Diese Informationen werden gesammelt, um Nichtimpfungen aus Versehen auszuschließen, begründet das Ministerium den Registereintrag. Die Daten könnten später und nach einer entsprechenden Entscheidung jedoch auch mit der EU geteilt werden, beispielsweise für die Erstellung internationaler Impfbescheinigungen. Spanien hat keine Impfpflicht, die Zahl derjenigen, die eine Immunisierung ablehnen, liegt jüngsten Umfragen zufolge bei 28 Prozent.

Privilegien oder geringere Einschränkungen

Trotzdem wird daran deutlich, dass sich aus der Tatsache, dass nicht jeder impfwillig ist, mögliche "Strafmaßnahmen" ableiten lassen. Das reicht von der Nichtbeförderung bei bestimmten Fluglinien bis zum Ausschluss von möglichen Behandlungsmethoden im Fall einer Covid-19-Erkrankung. Umgekehrt werden nach einer Impfung mögliche Privilegien ins Gespräch gebracht. Schon zu Beginn der Pandemie hatte die Idee eines Immunitätspasses in Deutschland für Diskussionen gesorgt.

Israel, das bei den Impfungen sehr schnell vorankommt, stellt bereits "grüne Pässe" für Geimpfte aus, um die Bürger zur Impfung zu ermutigen. Diese Dokumente sollen eine Woche nach Erhalt der zweiten Impfung erhältlich sein. Sie können von einer App des Gesundheitsministeriums heruntergeladen oder von der Website ausgedruckt werden. Damit soll es geimpften Menschen ermöglicht werden, in Restaurants zu essen, frei zu reisen und von der Quarantäne befreit zu werden. Auch nach Kontakt mit Covid-19-Erkrankten oder positiv Getesteten sind sie nicht verpflichtet, sich zu isolieren. In dem Land gibt es bereits ein ähnliches Dokument für von Covid-19-Genesene.

Russland kündigte ebenfalls an, einen Impfpass für Menschen einzuführen, die gegen das Coronavirus geimpft sind. Gesundheitsminister Michail Muraschko zufolge ist demnach ein entsprechender Vermerk in einem staatlichen Internetportal vorgesehen. Viele Russen haben dort ein Konto mit allen persönlichen Daten. Darüber können etwa staatliche Dienstleistungen abgewickelt werden. Auch in Russland sind die Corona-Impfungen freiwillig. Gegen den im eigenen Land entwickelten Impfstoff Sputnik V haben viele Russen jedoch erhebliche Vorbehalte.

U-Bahn-Fahren wieder erlaubt

Noch wurde nicht mitgeeilt, ob Geimpfte mit dem Corona-Impfpass Vorteile erhalten sollen. Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin stellte jedoch Menschen nach einer Impfung Erleichterungen in Aussicht. Sie sollten in der Lage sein, "allmählich wieder zum normalen Leben zurückzukehren", meinte er. Ältere Moskauer und Menschen mit chronischen Erkrankungen sollen demnach wieder Tickets für reduzierte und kostenlose Fahrten mit der U-Bahn nutzen können. Diese Sozialkarten waren zuvor gesperrt worden, damit Menschen dieser Risikogruppen zu Hause bleiben.

In Deutschland gibt es einen breiten politischen Konsens gegen Privilegien für Geimpfte. Befürchtet werden eine Spaltung der Gesellschaft und Verstöße gegen den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes. Allerdings ist die Debatte auch noch weitgehend theoretisch, denn bislang gibt es noch nicht einmal genug Impfstoff für alle diejenigen, die sich impfen lassen würden. Außerdem liegen bisher keine belastbaren wissenschaftlichen Studien dazu vor, wie lange die durch Krankheit oder Impfung erworbene Immunität im Fall des Coronavirus anhält.

Quelle: ntv.de, sba