Panorama

Pandemie im Kriegsgebiet Erster Corona-Fall im syrischen Idlib

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Ein Mitarbeiter einer nicht staatlichen Hilfsorganisation misst bei einem Kind in der Provinz Idlib die Temperatur.

(Foto: AP)

In der nordsyrischen Rebellenhochburg Idlib erkrankt ein Arzt an Covid-19 - und in der Region wächst nun die Sorge vor einer Ausbreitung des Virus. Weder die Provinz noch das Land sind auf eine Pandemie vorbereitet. Allein in Auffanglagern leben drei Millionen Menschen auf engstem Raum.

In der syrischen Provinz Idlib ist ein erster Corona-Fall aufgetreten. Ein Arzt aus einem Krankenhaus in Bab al-Hawa an der Grenze zur Türkei sei positiv auf das Virus getestet worden, sagte der Leiter des Büros der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im türkischen Gaziantep, Mahmud Daher. Zuvor sei in der Unruheprovinz noch kein Infektionsfall bekannt gewesen. Der Mediziner, Beschäftigte und Patienten des Krankenhauses seien in Quarantäne, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Corona-Tests seien im Gange.

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Nach Angaben der Gesundheitsbeauftragten von Idlib, Maram al-Scheich, wurden das Krankenhaus und seine Wohnquartiere geschlossen. Auch alle Kontakte des Arztes seien getestet und isoliert worden. Hilfsorganisationen warnen seit Wochen vor einem Ausbruch in der letzten Hochburg islamistischer Milizen. Rund drei Millionen Menschen leben dort auf engstem Raum in Auffanglagern, nachdem sie in dem seit über neun Jahren andauernden Konflikt aus ihren Häusern vertrieben worden waren.

Anfang März hatten die syrische Regierungsarmee und ihre russischen Verbündeten eine Militäroffensive in Idlib nach einer von Russland und der Türkei ausgehandelten Waffenruhe weitgehend eingestellt. Doch die Waffenruhe ist brüchig. In der Region Idlib sind Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen.

WHO-Vertreter Daher bezeichnete die Entdeckung des ersten Covid-Patienten wegen der Lage in der Provinz als besorgniserregend. Es müsse alles getan werden, um eine Weiterverbreitung des Coronavirus zu verhindern, sagte er. "Andernfalls könnte es zu einem echten Problem werden."

In Syrien gibt es nach offiziellen Angaben 372 Infektionsfälle. 14 Infizierte starben in den von Damaskus kontrollierten Regionen. Die Vereinten Nationen registrierten in den kurdisch kontrollierten Gebieten im Nordosten des Landes sechs Fälle, darunter einen Toten.

Quelle: ntv.de, jug/dpa/AFP