Nächster Polarschwall im AnflugEs bleibt kühl - doch es gibt noch Hoffnung für Ostern

Für viele stehen Ferien bevor. Daher die bange Frage: Bleibt das so oder kommt wieder frühlingshafteres Wetter? ntv-Meteorologe Alexander hat da für die Tage vor Ostern eher schlechte Nachrichten. Doch für das Fest selbst und die Zeit danach gibt es noch Chancen.
ntv.de: Es geht mit großen Schritten Richtung Ostern. Und auch das Wetter in den Ferien dürfte viele von uns interessieren. Wie sind die Trends?
Björn Alexander: Die erste Ferienwoche verläuft leider weiterhin eher kühl, wechselhaft und zum Teil stürmisch, die zweite könnte milder werden - aber die Modelle sind sich definitiv noch nicht einig.
Bevor wir uns der Entwicklung bei uns widmen: Wie sind die Aussichten für die Reisewilligen?
Über Europa dominieren derzeit vielfach die Tiefdruckgebiete. Das gilt insbesondere im Norden unseres Kontinents, an Teilen des Mittelmeers und im Bereich der Alpen - mit zum Teil großen Niederschlagssummen und schweren Sturm- bis hin zu Orkanböen. Die heftigsten Böen gab es unter anderem über den Britischen Inseln und Teilen Frankreichs, wo der Mistral Böen bis um die 130 km/h gebracht hat. Auf Korsika wurden in exponierten Lagen sogar Spitzen bis Tempo 180 gemeldet!
Wo kommt besonders viel runter?
Ein Zentrum der Niederschläge liegt im Bereich der Südalpen und weiter nach Kroatien und den Balkan, wo einige Wettercomputer in den Staulagen auf bis zu einen Meter Neuschnee spekulieren. Wer Richtung Hochgebirge aufbricht, der sollte somit auf keinen Fall auf die Winterausrüstung verzichten.
Für die Wintersportler unter uns: Was macht die Lawinengefahr?
Die gilt es ebenfalls im Blick zu haben. Einerseits ist zuletzt bereits einiges an Schnee gefallen, andererseits kommt wieder was hinzu. Gleichzeitig hat der Wind für Verfrachtungen und Triebschneeansammlungen gesorgt, was bevorzugt oberhalb der Waldgrenze zum Teil für eine sehr angespannte Situation gesorgt hat. In den betroffenen Bereichen mit Lawinenwarnstufe 3 bis 4 (von 5). Abseits der gesicherten und freigegebenen Pisten, also im sogenannten freien Gelände, herrscht dementsprechend Lebensgefahr.
Krasse Wetterphänomene der anderen Art vermelden in diesen Tagen die USA, oder?
Korrekt. Vom Süden bis in die zentralen Bereiche der USA ist es - in Anbetracht der Jahreszeit - außergewöhnlich warm bis heiß. Zuletzt beispielsweise in Arizona und Südkalifornien mit Spitzen von an die 45 Grad. Und auch wenn die Extreme jetzt abflachen, so rangieren die Werte auch am Freitag noch bei über 30 Grad. Gleichzeitig hält übrigens im Norden der USA und in Kanada der Winter mit eiskalter Luft dagegen. Mehr Schmelztiegel der Jahreszeiten geht eigentlich kaum - anders als bei uns in Deutschland.
Welche Jahreszeit behält hierzulande die Oberhand?
Zunächst einmal der Spätwinter mit einem Hang zu durchwachsenem Aprilwetter. Denn während sich im Süden Europas Mittelmeertief "Deborah" (internationaler Name) gebildet hat, schickt uns Tief "Marlies" über Südschweden den nächsten Schwall Polarluft. Am Freitag gibt es dann eine dank Hoch "Otto" kleine Wetterberuhigung, bevor Tief "Nga" (gesprochen Na) folgt.
Was heißt das im Detail?
An den Alpen folgen weitere Schneefälle, die in Summe 15 bis 30, teilweise auch bis zu 50 Zentimeter Neuschnee zusammenbringen können. Außerdem sind in Gipfellagen Böen bis um die 100 km/h drin. Und auch im übrigen Land ziehen Schauer durch, die in Schneeregen oder Schnee übergehen und mit Graupelgewittern sowie stürmischen Böen einhergehen können. Zwischendrin sowie an der Ostsee zeigt sich jedoch die Sonne. Dazu bringen es die Temperaturen auf mitunter nasskalte 2 bis knapp 10 Grad.
Welche Aussichten bringt uns der Freitag?
Nach letzten Schneeschauern an den Alpen und Auflösung von lokalem Frühnebel wird es verbreitet freundlich, bevorzugt im Nordosten sogar lange sonnig. Das Ganze bei nicht mehr ganz so garstigen 2 bis 11 Grad.
Und am Wochenende?
Geht es sehr wechselhaft und zum Sonntag und Montag vermehrt wieder sehr windig bis stürmisch weiter. Die besten Chancen auf längere freundliche und trockene Phasen bestehen am Samstag im Süden und Südosten sowie am Sonntag im Westen und Nordwesten. Die Temperaturen bringen es hierbei auf 5 bis 12 oder 13 Grad.
Worauf können wir uns danach einstellen?
Der Montag und der Dienstag verlaufen noch sehr unbeständig, und an den Alpen schneit es wiederholt und teilweise auch kräftig. Ab Mittwoch und Donnerstag gibt es bei den Wettercomputern aber Ansätze, dass es milder und möglicherweise auch beständiger werden könnte. Allerdings: Diese Entwicklung ist noch lange nicht in trockenen Tüchern - es gibt nämlich ebenso noch wechselhafte Trends. Kurzum: Es bleibt spannend.
Welche Temperaturen zeigen uns die längerfristigen Berechnungen für Ostern?
Das Gros der Vorhersagen bewegt sich am Ostersonntag bei knapp 10 bis um die 15 Grad. Am Ostermontag würde es demnach tendenziell wärmer werden, sodass sich die Höchstwerte oft bei um die 12 bis 17 Grad bewegen könnten. Sollte es tatsächlich so kommen, dann würden wir somit nach einer deutlich unterkühlten ersten Ferienwoche in der zweiten Woche wieder in durchschnittliche Temperaturbereiche kommen. Das wäre wettertechnisch zumindest ein kleines Happy End.