Der Winter bleibtEs wird glatt - und bald auch wieder weiß

Der Winter zeigt sich in diesem Jahr ungewohnt hartnäckig. Zur kalten Luft gesellt sich bald wieder Glätte. Und eventuell erwartet uns sogar eine sehr schneereiche Wetterlage mit bis zu rund 20 Zentimetern Neuschnee.
ntv.de: Die in der letzten Woche angekündigte Kaltluft ist da und gerade der Osten bibbert ordentlich. Kann es sein, dass dieser Januar kälter als üblich ist?
Paul Heger: Tatsächlich ist das so. Wenn man sich das Klimamittel von 1961 bis 1990 anschaut, sind wir auf ganz Deutschland gesehen minimal unter dem Schnitt - im Westen etwas darüber, im Osten teils deutlich darunter. Im neuen Klimamittel von 1991 bis 2020, das schon einen Klimawandel-Effekt in seinen Daten enthält, ist der Januar derzeit gut 1,5 Grad, im Osten örtlich 3 Grad zu kalt.
Ein zu kalter Januar, wann gab es das zuletzt?
Da müssen wir ein paar Jahre zurückschauen, denn die letzten Jahre verliefen im Januar sehr mild bis rekordmild. 2017 war es abgesehen vom Norden deutlich kälter als aktuell. Das Monatsmittel fiel noch einmal gut ein Grad kälter aus.
Und wahrscheinlich war auch das noch warm gegenüber früheren Wintern?
Ja, der aktuelle Januar ist, überspitzt ausgedrückt, eher tropisch gegenüber arktischen Wintern wie im Januar 1963 oder – wir können uns natürlich alle erinnern – im Rekordjanuar 1940. Damals gab es eine Durchschnittstemperatur von minus 9 Grad! Das bedeutet: Tagsüber durchschnittlich minus 5 Grad, nachts durchschnittlich minus 13 Grad. Das kann sich heutzutage keiner mehr vorstellen.
Schauen wir mal nach vorn. Wird es so kalt bleiben?
Na ja, es wird regional noch kälter. Im Nordosten bringt der Freitag Dauerfrost mit Höchstwerten um minus 4 Grad. Mit beißendem Ostwind sind es gefühlt unter minus 10 Grad. Im Westen scheint es zumindest zum Wochenwechsel mal kälter zu werden. Aber meist bei Werten von knapp über 0 Grad. Uns wird wohl eher das Hin und Her der Luftmassen und deren Folgen beschäftigen.
"Hin und Her der Luftmassen" klingt nach schwierigem Wetter.
Schwierig, teils sehr winterlich und damit regional auch sehr glatt. In der Westhälfte Deutschlands hat es bereits mit ersten Regenfällen begonnen, die teilweise auf dem kalten Boden oder in der frostigen Luft zu Eis gefroren sind. Bis Samstag kann es von Niedersachsen über Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland bis nach Baden-Württemberg kurzzeitig sehr glatt werden.
Wie glatt oder winterlich wird denn das Wochenende?
Im Westen kann es, wie beschrieben, regional gefrierenden Regen geben, sonst aber auch gefrierende Nässe oder Reifglätte. Dazu kommen an den Küsten Schneeschauer, vor allem an der Ostseeküste. Und auch im Westen wird aus dem teils gefrierenden Regen im Laufe des Samstags immer häufiger Schnee. Am Sonntag gibt es wohl in der Nordhälfte ein paar Flocken. Und spätestens ab den Abendstunden sollte unser Blick in den Süden wandern.
Was passiert da im Süden? Neue Schneefälle?
Ja, und möglicherweise sogar sehr kräftige Schneefälle. Die Wetterlage ist noch etwas unsicher, aber es wird wohl ein Tief von Süden über die Alpen ziehen oder an den Ostalpen vorbei zu uns gen Norden ziehen. Beladen mit Mittelmeerfeuchte könnte uns das in der Kaltluft massive Schneefälle bringen, in vielen Regionen Deutschlands.
Gibt es schon grobe Details zum Schneetief?
Los geht es wohl in der zweiten Tageshälfte am Sonntag in Bayern und eventuell auch in Baden-Württemberg. In der Nacht breiten sich dann teils kräftige Schneefälle mindestens über der Osthälfte Deutschlands aus, eventuell aber auch über weite Teile Deutschlands. An der Ostflanke könnte teilweise auch gefrierender Regen dabei sein. Montag bis Dienstag zieht das Tief dann langsam nach Nordosten ab.
Das klingt aber nach viel Schnee!
Je nach Entwicklung könnten Dienstagmittag weite Teile Deutschlands oder zumindest ein breiter Streifen des Landes weiß sein. Bis zu rund 20 Zentimeter Neuschnee sehen wir in den Berechnungen der Wettermodelle im Flachland.
Über Schnee freuen sich ja auch einige. Wie lange bleibt er?
Das ist die große Frage. Die Wetterlage wird ab Dienstagabend nicht gerade sicherer. Wir werden es wohl mit ein paar Fronten von Westen zu tun bekommen, die sowohl Schnee als auch Regen bringen, teilweise gefrierend und mit Glätte. Nach Osten und Nordosten wird es wohl meist Schnee sein. Da ist aber noch einiges unklar – meteorologisch gesehen natürlich sehr spannend.
Auf einen frühzeitigen Frühling brauchen wir wohl nicht zu hoffen?
Momentan eher nicht. Es scheint mildere Phasen geben zu können, weil die Tiefs vom Atlantik wieder etwas näher an uns heranrücken. Gleichzeitig ist Europa so stark abgekühlt und im Norden wie Osten liegt viel Schnee, der die Kälte konserviert. Da wird es wohl eher noch ein paar Mal winterlich anstatt richtig frühlingshaft.