Panorama

Schüsse im Wald bei Königsbrück Ex-Soldat feuert auf SEK-Polizisten

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Schüsse im Wald bei Königsbrück in Sachsen: Ein Scharfschütze der Polizei sichert den Einsatzort.

(Foto: dpa)

Bei der Suche nach einem Verdächtigen stoßen Spezialeinsatzkräfte der Polizei in einer alten Kaserne auf das Versteck eines bewaffneten Ex-Soldaten. Ein Diensthund wird durch Schüsse verletzt, ein Polizist am Arm getroffen. Nach Stunden steht fest: Der Gesuchte ist tot.

Der mutmaßliche Gewalttäter, der sich in einem verlassenen Kasernengelände im Wald bei Königsbrück in der Nähe von Dresden verschanzt hatte, ist tot. Der Großeinsatz konnte beendet werden, wie die Polizei am späten Abend mitteilte.

Zuvor waren Spezialkräfte der Polizei bei der Fahndung nach einem Mordverdächtigen im Fall einer getöteten 75-jährigen Dresdnerin in dem Waldgebiet auf den Gesuchten gestoßen. Der 33-jährige ehemalige Bundeswehrsoldat hatte am frühen Nachmittag mehrere Schüsse in Richtung der sich nähernden Einsatzfahrzeuge abgegeben und sich anschließend in ein leerstehendes Garnisonsgebäude zurückgezogen.

Die Beamten riegelten das Gelände umgehend ab und forderten Verstärkung an. Laut Polizei war der gesuchte Mann Sportschütze und Inhaber einer sogenannten Waffenbesitzkarte. Entsprechend vorsichtig gingen die Behörden vor. Spezialkräfte aus mehreren Bundesländern waren seit dem Morgen an dem Großeinsatz auf dem Gelände des früheren Truppenübungsplatzes beteiligt.

GSG-9-Mann und Diensthund verletzt

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Am frühen Abend scheiterte ein erster Zugriffsversuch. Dabei wurde ein Beamter der Spezialeinheit der Bundespolizei GSG 9 und ein Diensthund der Polizei verletzt. Der Gesuchte habe bei dem Vordringen der Beamten erneut das Feuer eröffnet und dabei unter anderem auch den Hund getroffen, hieß es. Alle Versuche, mit dem bewaffneten Mann Kontakt aufzunehmen, liefen ins Leere.

Speziell geschulte Kräfte einer "Verhandlungsgruppe" der Polizei wandten sich unter anderem mit Lautsprechern an den umstellten Schützen. Ihre Bemühungen blieben vergeblich. Über Stunden hinweg blieb er zurückgezogen im Inneren des Gebäudes, wo er sich im Dachgeschoss verbarrikadiert hatte. Als die Einsatzkräfte am Abend bei einem zweiten Vorstoß schließlich bis ins Innere des Gebäudes vordrangen, war der 33-Jährigen offenbar bereits tot.

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Rund 25 Kilometer von Dresden entfernt: Der Einsatzort liegt im Wald bei Königsbrück.

(Foto: n-tv.de / stepmap.de)

"Unsere Einsatzkräfte haben einen Raum betreten und den Tatverdächtigen leblos aufgefunden", berichtete die Polizei Sachsen. "Wir müssen bedauerlicherweise feststellen, dass sich der Täter umgebracht hat", teilte der Leiter der Polizeidirektion Dresden, Horst Kretzschmar mit. "Das ist ein trauriges Ende. Wir versuchen ja mit unseren Einsatzkräften Tatverdächtige lebend der Strafverfolgung zuzuführen."

Der 33-jährige ehemalige Bundeswehrsoldat stand unter Verdacht, seine 75-jährige Nachbarin umgebracht zu haben. Aus welchen Waffen die Schüsse auf die Polizisten abgegeben wurden, ist noch unklar. Ob der frühere Soldat tatsächlich in den gewaltsamen Tod der Seniorin verwickelt war, müssen die Ermittler noch klären.

Der getroffene Polizeibeamte erlitt eine Schussverletzung am Arm. Der Hund sei schwerer verwundet, teilte die Polizei Sachsen auf Anfrage mit. "Wir sind aber guter Hoffnung, dass er überlebt."

Tatort in Dresden

Rat und Nothilfe

  • Bei Suizidgefahr: Notruf 112
  • Beratung in Krisensituationen: Telefonseelsorge (0800/111-0-111 oder 0800/111-0-222 oder 116-123, Anruf kostenfrei) oder Kinder- und Jugendtelefon (Tel.: 0800/111-0-333 oder 116-111; Mo-Sa von 14 bis 20 Uhr)
  • Bei der Deutschen Depressionshilfe sind regionale Krisendienste und Kliniken zu finden, zudem Tipps für Betroffene und Angehörige.
  • In der deutschen Depressionsliga engagieren sich Betroffene und Angehörige. Dort gibt es auch eine E-Mail-Beratung für Depressive.
  • Eine Übersicht über Selbsthilfegruppen zur Depression bieten die örtlichen Kontaktstellen (KISS).

Die Hintergründe der Bluttat in Dresden, die dem Großeinsatz in Königsbrück vorausging, sind noch vollkommen unklar: Am Samstag hatte die Polizei die Seniorin in Dresden mit mehreren Stichverletzungen tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Unter Tatverdacht stand der 33-Jährige, der ein Nachbar der getöteten Dresdnerin war und der wenige Tage vor der Tat im Alkoholrausch in seiner Wohnung randaliert haben soll.

Bei der Fahndung nach dem Mann hatten Spezialkräfte der Polizei aus Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen sowie der Bundespolizei zu Wochenbeginn auch das Waldgebiet bei Königsbrück durchsucht, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Dort stießen sie auf das Versteck des Mannes.

Königsbrück liegt rund 25 Kilometer nordöstlich von Dresden. Das dünn besiedelte Waldgebiet der sogenannten Königsbrücker Heide wurde jahrzehntelang als Truppenübungsplatz genutzt, unter anderem von der Reichswehr, der Wehrmacht sowie - nach 1945 - auch von den sowjetischen Streitkräften. Weite Teile des Geländes stehen unter Naturschutz.

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Quelle: n-tv.de, mmo/dpa