Panorama

Noch viel zu wenig Geimpfte Experten: Delta-Variante wird sich durchsetzen

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Draußen zusammen sitzen ist wieder möglich und in einigen Ländern hat auch die Innengastronomie wieder geöffnet. Einige Virologen sehen das mit gemischten Gefühlen.

(Foto: dpa)

Mit Blick auf die Inzidenzen könnte man denken, die Pandemie sei endgültig vorbei. Doch ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Delta-Variante auch hierzulande ankommt. Noch seien viel zu wenige Menschen geimpft, um eine Ausbreitung zu verhindern, warnt die Virologin Melanie Brinkmann.

Intensivmediziner rechnen damit, dass sich die zunächst in Indien entdeckte Delta-Variante des Coronavirus in Deutschland durchsetzen wird. "Der große Unsicherheitsfaktor ist gerade die neue Mutation B.1.617.2, die noch ansteckender als die derzeit dominierende Variante B.1.1.7 sein soll. Schrittweise wird sich deshalb auch in den nächsten Wochen diese neue Mutation durchsetzen", sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Gernot Marx, der "Rheinischen Post". Wenn die Menschen unvorsichtig würden, könnten die Infektionszahlen wieder hochschnellen. "Dann ist eine vierte Welle möglich", warnte Marx. Die Intensivmedizin sei auf dieses Szenario aber vorbereitet.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach räumte in derselben Zeitung ein, dass die Delta-Variante deutlich gefährlicher sei. Die gute Nachricht sei aber, dass sie in Deutschland bisher weniger als zwei Prozent der Infektionen ausmache. "Wenn wir Superspreading verhindern, sind wir bei dieser Variante auf der sicheren Seite", sagte Lauterbach. Daher sollten Innenräume von Restaurants, Hotels und bei Veranstaltungen nur für Geimpfte, Getestete oder Genesene zugänglich sein, forderte der SPD-Politiker. "Im Herbst kann es eine kleinere vierte Welle geben, aber wir werden keinen Lockdown mehr brauchen", prognostizierte Lauterbach.

Die Virologin Melanie Brinkmann zeigte sich besorgt über größere Menschenansammlungen in geschlossenen Räumen, etwa in Fitnessstudios, beim Hallensport oder in der Innengastronomie, die jetzt alle gleichzeitig geöffnet würden. "Mir wird dabei ganz anders", sagte sie der "Rheinischen Post". Auf die Frage, ob eine vierte Welle noch in diesem Sommer komme, sagte sie: "Wenn es richtig schlecht läuft, dann schon." Die Ansteckungsgefahr der Delta-Virusvariante könne man noch nicht genau absehen. Die derzeitige Impfquote reiche in der jetzigen Lage aber noch nicht aus, um eine erneute Ausbreitung des Virus zu verhindern, so Brinkmann.

 

Der Eindruck, dass Deutschland beim Impfen schon auf der sicheren Seite sei, trüge. Dafür stehe aktuell viel zu wenig Impfstoff zur Verfügung. "Ein Impfangebot alleine führt noch keine Immunität herbei. Dafür muss schon tatsächlich geimpft werden", betonte Brinkmann. Sinnvoll sei es jetzt, die Zahlen noch weiter zu senken. "Stellen Sie sich mal vor, wir rasseln pünktlich zu den Sommerferien in die vierte Welle hinein - was dann hier los wäre!" Sie bleibe im "Team Vernunft und Vorsicht": "Je niedriger die Inzidenzen, desto unbeschwerter können wir den Sommer genießen", sagte Brinkmann. 

Quelle: ntv.de, ino/dpa

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