Panorama

Forscher im Rampenlicht Experten erklären der Welt die Pandemie

Viele Deutsche kennen inzwischen Christian Drosten oder Lothar Wieler. Die Experten erklären den Verlauf der Coronavirus-Pandemie in Deutschland. Doch wer nimmt diese Rolle in anderen Ländern ein - in den USA, in China oder Italien?

Sie sind Ärzte, Wissenschaftler oder Katastrophenschützer und erklären ihren Landsleuten die Pandemie. Die Corona-Krise hat Experten ins Rampenlicht gebracht, die mit ihrem Fachwissen die Menschen durch die Ausnahmesituation begleiten - so wie die Virologen Christian Drosten und Alexander Kekulé oder RKI-Chef Lothar Wieler in Deutschland. Doch wer sind diese Fachleute in anderen Ländern? Ein Überblick:

Spanien

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Fernando Simón

(Foto: dpa)

Für die Spanier ist Fernando Simón das Gesicht der Corona-Krise. Mit seiner dünnen heiseren Stimme analysiert der Epidemiologe und Chef des Zentrums für Gesundheitsnotfälle täglich im Fernsehen die dramatische Situation im Land.

Ende März wurden die Pressekonferenzen immer wieder von seinen Hustenanfällen unterbrochen, kurz darauf stand fest: Der 57-Jährige hat sich selbst mit dem Coronavirus infiziert. Seither klärt er die Spanier vom Krankenzimmer aus über den Stand der Epidemie auf - wie gewohnt auf entspannte Art und in verständlichen Worten.

Manchen Kollegen ist Simón, der schon für die EU und die Weltgesundheitsorganisation in Afrika und Lateinamerika im Einsatz war und sich um Ebola-Fälle in Spanien kümmerte, allerdings zu gelassen. Sie werfen ihm vor, die Ausgangssperre zu spät empfohlen zu haben.

Italien

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Angelo Borrelli

(Foto: Wikimedia / CC BY 2.0)

Jeden Abend um sechs Uhr hat Angelo Borrelli seinen Auftritt: Dann trägt der Leiter des italienischen Zivilschutzes der Nation die aktuellen Zahlen der Corona-Epidemie vor: Infizierte, Intensivpatienten, Genesene und zum Schluss die Todesopfer. Die Italiener kennen den ehemaligen Buchhalter von früheren Katastrophen wie Erdbeben und Überschwemmungen. Der 55-Jährige strahlt Ruhe aus, wenn sich Panik in der Bevölkerung breit macht.

Als Borrelli Ende März von der Bildfläche verschwand und sich mit Fieber in Quarantäne begab, schrillten die Alarmglocken. Doch ein negativer Corona-Test gab drei Tage später Entwarnung. Borelli war zurück.

China

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Zhong Nanshan (M.)

(Foto: REUTERS)

Als Peking die Sars-Epidemie 2003 totschwieg, warnte Zhong Nanshan vor der Gefahr. Seine damalige Kritik an der Regierung verleiht dem Epidemiologen nun Glaubwürdigkeit. Der 83-Jährige leitet den Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie innerhalb des Gesundheitsministeriums. Zugleich fungiert er als inoffizieller Sprecher in der Krise, auf dessen Einschätzungen die Medien Wert legen.

Es war Zhong, der Ende Januar verkündete, dass sich das neue Virus von Mensch zu Mensch verbreitet und damit gefährlicher ist als angenommen. Als Konsequenz wurden ganze Städte abgeriegelt und neue Krankenhäuser gebaut.

USA

Anthony Fauci ist ein international renommierter Experte für Infektionskrankheiten. Bei der Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie hat er ein weiteres Talent offenbart: US-Präsident Donald Trump diplomatisch zu widersprechen und in die wissenschaftlich richtige Richtung zu lenken.

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Anthony Fauci - und sein Chef, US-Präsident Donald Trump.

(Foto: REUTERS)

Fast täglich tritt der Chef des US-Instituts für Infektionskrankheiten mit Trump vor die Kameras. Mit ruhiger professoraler Stimme informiert der klein gewachsene Mann über die Krise und schreckt dabei nicht davor zurück, Trump zu korrigieren. Weder gebe es bereits ein wirksames Medikament noch stehe in Kürze ein Impfstoff zur Verfügung, stellte Fauci klar. "Ich will ihn nicht in Verlegenheit bringen", sondern nur "bei den Fakten bleiben", erklärte er selbst dazu.

Faucis Expertise ist unbestritten: Er führte die USA bereits durch die Aids-Epidemie und bekämpfte den Ausbruch von Ebola.

Polen

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Lukasz Szumowski während einer Video-Pressekonferenz.

(Foto: imago images/Eastnews)

Noch vor ein paar Wochen kannte kaum jemand in Polen Gesundheitsminister Lukasz Szumowski. Jetzt führt er den Kampf gegen das Coronavirus. Mit müdem, ernstem Gesicht tritt der 47-jährige Kardiologe und Professor von der rechtsgerichteten Regierungspartei Pis vor die Kameras.

Szumowski ist tiefgläubiger Katholik und erntete viel Spott, als er in einem Gebet das polnische Gesundheitssystem der Jungfrau Maria anvertraute. Doch durch seine Rolle in der Corona-Krise gewann er an Zustimmung - obwohl er, als die Pandemie bereits um sich griff, noch nach Italien in den Skiurlaub fuhr.

Quelle: ntv.de, mli/AFP