40 Tote in Crans-MontanaFahrlässige Tötung: Polizei nimmt Ermittlungen gegen Bar-Betreiber auf

40 überwiegend junge Menschen sterben in der Silvesternacht in einer Bar in Crans-Montana. Filmaufnahmen und Zeugenaussagen rücken unsichere Materialien und fehlende Notausgänge als Ursache der Brandkatastrophe in den Mittelpunkt. Auch bei den Ermittlern geraten die Betreiber der Bar unter Verdacht.
Zwei Tage nach dem verheerenden Brand in einer Bar in Crans-Montana mit 40 Toten haben Polizei und Staatsanwaltschaft strafrechtliche Ermittlungen gegen die beiden Betreiber aufgenommen. "Nach Abschluss der ersten Ermittlungen, die unter der Leitung der Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis durchgeführt wurden, wurde gestern Abend eine Strafuntersuchung gegen die beiden Betreiber der Bar eröffnet", teilte die Polizei des Kantons Wallis mit. "Ihnen werden fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst vorgeworfen. Es wird daran erinnert, dass bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung gilt."
Bei dem Brand in der Silvesternacht war nach ersten Ermittlungen durch funkensprühende Partyfontänen Schaumstoff an der Decke in Brand geraten. Das Feuer breitete sich in kürzester Zeit aus. Neben den Todesopfern erlitten 119 Menschen größtenteils schwere Brandverletzungen, die in Spezialkliniken behandelt werden müssen. Die "Lebensprognose" vieler Menschen sei unklar, sagten die Schweizer Behörden am Freitag.
Brandschutzexperten stellen infrage, ob der Schaumstoff, der wahrscheinlich zur Schalldämmung unter der Decke angebracht war, den gesetzlichen Vorgaben entsprach. Außerdem wird geprüft, ob die Bar genügend Notausgänge hatte und alle Vorgaben zum Brandschutz eingehalten wurden.
Zeugen berichten, die Besucher hätten alle versucht, über eine einzige enge Treppe aus dem Untergeschoss zu fliehen. Dabei sei es zu Gedränge gekommen, einige hätten nur noch an den hochgestreckten Armen herausgezogen werden können. Andere sagten, hinter einer verschlossenen Tür seien durch eine Glasscheibe verzweifelte Menschen zu sehen gewesen, die nicht hinauskamen.
Alle Vorschriften eingehalten?
Die Bar "Le Constellation" wird von einem französischen Ehepaar betrieben. Es gab bisher lediglich an, dass es am Boden zerstört sei und mit den Ermittlungsbehörden kooperiere, um die Katastrophe aufzuklären. In einem kurzen Gespräch mit einer Schweizer Zeitung gab der 49-jährige Ehemann aber auch an, dass der Betrieb in den vergangenen zehn Jahren "dreimal kontrolliert" worden sei: "Alles im Lokal hat den Vorschriften entsprochen."
Der französischen Justiz ist der 49-Jährige offenbar nicht unbekannt. Die französische Zeitung "Le Parisien" berichtet, dass er vor etwa 20 Jahren dem Zuhälter-Milieu angehörte. In der Region Savoyen im Südosten Frankreichs soll er demnach um die Jahrtausendwende wegen Betrugs, Entführung und Freiheitsberaubung im Gefängnis gesessen haben.
Gut 48 Stunden nach dem verheerenden Brand hat die Polizei derweil die ersten der 40 Todesopfer identifiziert. Es handelt sich nach diesen Angaben um zwei Schweizerinnen im Alter von 21 und 16 Jahren sowie zwei Schweizer im Alter von 18 und 16 Jahren. Die Leichname seien den Familien übergeben worden.