Panorama

Katastrophe von Crans-Montana"Viele Verletzte haben eine unsichere Lebensprognose"

02.01.2026, 15:16 Uhr
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Mindestens 40 Tote sind bestätigt. Es könnten viele weitere hinzukommen. (Foto: picture alliance/dpa/AP)

Für etliche, überwiegend junge Menschen endet die Silvesterfeier in der Bar "Le Constellation" in einer Tragödie. Auf einer Pressekonferenz teilen die Behörden mit: Auch viele Überlebende kämpfen nach wie vor um ihr Leben. Die Brandursache scheint indes gefunden.

Bei einer Pressekonferenz haben die Schweizer Behörden am Nachmittag über die aktuellen Erkenntnisse zur Brandkatastrophe von Crans-Montana informiert. Die Todeszahl liegt demnach nach wie vor bei 40. Hinzu kommen 119 Verletzte, von denen inzwischen 113 vollständig identifiziert wurden. In sechs Fällen warten die Ermittler demnach noch auf eine definitive Bestätigung der Identität. Das teilte Frédéric Gisler, der Kommandant der Walliser Kantonspolizei, mit.

Demzufolge besitzen 71 Verletzte die Schweizer Staatsangehörigkeit. Zudem befinden sich 14 Franzosen, 11 Italiener, vier Serben, ein Bosnier, ein Belgier, ein Luxemburger, ein Pole und ein Portugiese unter den Verletzten. In 14 Fällen ist die Nationalität der Betroffenen unbekannt. Opfer mit deutscher Staatsangehörigkeit wurde bisher nicht vermeldet. Von den Verletzten wurden 50 in auf Verbrennungen spezialisierte Kliniken im Ausland verlegt. Die meisten Schwerletzten sind zwischen 16 und 26 Jahren alt. Die Tragödie gehört zu den schlimmsten Unfällen in der Geschichte der Schweiz.

Den Angaben zufolge könnte sich die Zahl der Toten noch erhöhen, der Zustand etlicher Verletzter sei kritisch. "Viele der Verletzten kämpfen noch immer um ihr Leben", sagte Mathias Reynard, der Regierungspräsident des Kantons Wallis, bei der Pressekonferenz. "Sie haben eine unsichere Lebensprognose."

Brandursache gefunden

Die Brandursache scheint indes gefunden. Laut der Generalstaatsanwältin des Kantons Wallis, Béatrice Pilloud, scheint sich die Hypothese zu bestätigen, dass das Feuer durch Wunderkerzen und Fontänen verursacht wurde, die an Champagnerflaschen angebracht waren. "Diese kamen zu nah an die Decke", sagte sie bei der Pressekonferenz. "Daraufhin kam es zu einem sich schnell ausbreitenden Brand." Das habe die Auswertung von Bildmaterial ergeben sowie die Stellungnahmen von Augenzeugen.

Im Internet kursiert bereits seit einigen Stunden ein Foto, das den genauen Moment dokumentiert, in dem die Decke der Bar "Le Constellation" Feuer fängt. Darauf sind mehrere feiernde Menschen zu sehen, die die angesprochenen Champagnerflaschen mit Sprühfontänen nach oben halten. Die Akustikpaneele an der Decke fangen derweil Feuer.

Im Fokus der weiteren Ermittlungen steht demnach, welche Arbeiten in den Räumlichkeiten durchgeführt und welche Materialien dabei verwendet wurden. Außerdem möchten die Behörden klären, für welche Personenzahl die Bar "Le Constellation" ausgelegt war, wie viele Personen sich in der Silvesternacht dort aufhielten, wie die Fluchtwege gestaltet waren und ob es Feuerlöscher gab.

Flashover und mehrere Explosionen

Bei dem verheerenden Silvesterbrand in einer Bar im Schweizer Ski-Ort Crans-Montana haben sich die Flammen Augenzeugen zufolge rasend schnell ausgebreitet und den Party-Ort im Untergeschoss des zweistöckigen Lokals für zahlreiche Menschen in eine tödliche Falle verwandelt. Die Regierung des Kantons Wallis erklärte, infolge des Brandes sei es zu einem sogenannten Flashover gekommen, "der nach ersten Erkenntnissen eine oder mehrere Explosionen zur Folge hatte".

Laut der Non-Profit-Internetplattform Brand-Feuer.de handelt es sich bei einem Flashover um einen heftigen Flammenüberschlag, auch Feuersprung genannt. Das Institut der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen spricht von einem Phänomen "der extremen Brandausbreitung". Es entsteht, wenn sich in einem geschlossenen Raum sogenannte Pyrolysegase ansammeln. Bei Pyrolyse handelt es sich um die Spaltung organischer Verbindungen durch große Hitze.

Die Bar "Le Constellation" befindet sich im Erdgeschoss und Keller eines Wohngebäudes und hat Platz für 300 Menschen sowie 40 weitere Personen auf der Terrasse, wie es auf der Website von Crans-Montana hieß. Mehrere Zeugen sagten, dass der Veranstaltungsraum im Untergeschoss, wo das Feuer ausbrach, nur durch eine Treppe mit dem Erdgeschoss verbunden sei. Einige beschrieben die Treppe als "schmal".

Quelle: ntv.de, chr

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