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Ausbilder in Käfig gesperrt Feuerwehrleute für Schaumdusche verurteilt

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Fragwürdige Verabschiedungsriten bei der Feuerwehr? Ein Ausbilder wurde durch eine Schaumdusche verletzt. (Symbolbild)

(Foto: picture alliance/dpa)

Feuerwehrleute wollen einen Ausbilder ehren und beschießen ihn mit Löschschaum. Doch der Spaß geht nach hinten los: Der Mann gerät in Panik und wird verletzt. Lange kann er nicht mehr arbeiten. Die Verantwortlichen werden verurteilt, aber das Gericht zeigt sich milde.

Aus dem ehrenvollen Abschied wurde ein traumatisches Erlebnis: Um einen Ausbilder bei einer Schulung zu verabschieden, haben Feuerwehrleute ihn in einen Käfig gestellt und mit Löschschaum besprüht. Zwei Jahre nach der Tat sprach das Amtsgericht Erlangen das Urteil: Einer der Beteiligten habe sich der gefährlichen Körperverletzung in einem minder schweren Fall schuldig gemacht. Den Ausbildungsleiter verurteilte das Amtsgericht wegen Anstiftung.

Die Richterin sprach eine Verwarnung gegen die 29 und 56 Jahre alten Männer aus. Die Angeklagten müssen Schadensersatz in Höhe von 1500 und 2500 Euro zahlen und ein Jahr straffrei bleiben. Andererseits droht ihnen eine deutlich höhere Geldstrafe. Die Verteidigerin des Ausbildungsleiters teilte mit, ihr Mandant wolle in Berufung gehen. Der Vorfall hatte sich im April 2017 während einer Schulung für Nachwuchsfeuerwehrkräfte ereignet.

Als ehrenvolle Verabschiedung und zum Scherz war der Ausbilder demnach in einem Gitterwagen für knapp zehn Sekunden von vorne und hinten mit Löschschaum besprüht worden. Der 50 Jahre alte Mann hatte sich nach eigener Aussage zwar zunächst dagegen gewehrt, in den Käfig gesperrt zu werden, habe dann aber gesagt: "Dann lass' ich euch euren Spaß!" Die Richterin schloss deshalb eine Freiheitsberaubung und Nötigung aus, betonte aber gleichzeitig, dass die Situation aufgrund des Gruppenzwangs für den Mann "quasi alternativlos" gewesen sei.

Verabschiedungsriten bei der Feuerwehr?

Während der Ausbilder mit dem Schaum besprüht wurde, war er laut eigener Aussage in Panik geraten und schluckte daher auch etwas Löschflüssigkeit. Der langjährige Feuerwehrmann erlitt Hautreizungen und eine posttraumatische Belastungsstörung. Acht Monate lang konnte er nicht arbeiten. Er befindet sich seit dem Vorfall in psychotherapeutischer Behandlung und hatte mit Angstzuständen und Suizidgedanken zu kämpfen.

Im Verlauf des Prozesses gab es rege Diskussionen darüber, wie üblich Schaumduschen und ähnliche Scherze als Verabschiedungsriten bei der Feuerwehr seien. Zeugen hatten sich unterschiedlich dazu geäußert. An das Publikum, in dem sich auch viele Kollegen der Verurteilten befanden, gewandt, betonte die Richterin: "Nur weil es ein Ritual gibt, befreit das nicht von Schuldbarkeit." Neben den beiden Angeklagten waren acht weitere Feuerwehrleute an der Aktion beteiligt. Weil sie dem Opfer eine Entschädigung von jeweils 1000 Euro zahlten, wurde das Verfahren gegen sie eingestellt.

Quelle: n-tv.de, bma/dpa

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