Nur zwei Frauen gerettetFlüchtlingsboot kentert vor libyscher Küste - 53 Menschen vermisst

Immer wieder enden Überfahrten von Libyen nach Europa tödlich für zahlreiche Menschen. Nun läuft ein Boot vor der Küste Nordafrikas voll Wasser und geht unter. 55 Geflüchtete sind an Bord. Von 53 Migranten fehlt bisher jede Spur.
Nach dem Kentern eines Flüchtlingsboots vor der Küste Libyens werden Dutzende Tote befürchtet, darunter zwei Babys. 53 der 55 Insassen seien entweder tot oder würden vermisst, teilte die Internationale Organisation für Migration (IOM) mit. Nur zwei nigerianische Frauen seien von den libyschen Behörden gerettet worden. Eine der Überlebenden habe nach eigenen Angaben ihre zwei Babys bei der Tragödie verloren, die andere ihren Ehemann.
An Bord des Gummiboots hätten sich Migranten und Flüchtlinge aus mehreren afrikanischen Ländern befunden, teilte die IOM unter Berufung auf die Überlebenden mit. Die Gruppe sei am Donnerstag gegen 23 Uhr aufgebrochen, etwa sechs Stunden später sei das Boot gekentert, nachdem Wasser eingedrungen sei. Insgesamt wurden der IOM zufolge damit in diesem Jahr auf der Strecke im zentralen Mittelmeer bereits mindestens 484 Migranten als tot oder vermisst erfasst. Allein im Januar seien es mindestens 375 Migranten gewesen, wobei die tatsächliche Zahl vermutlich deutlich höher sein dürfte. Im vergangenen Jahr betrug die Zahl der Vermissten den Angaben nach mehr als 1300.
"Diese wiederholten Vorfälle verdeutlichen die anhaltenden und tödlichen Gefahren, denen sich Migranten und Flüchtlinge bei dem Versuch der gefährlichen Überfahrt aussetzen", erklärte die IOM. Die zu den Vereinten Nationen gehörende Organisation forderte erneut eine stärkere internationale Zusammenarbeit und schutzorientierte Maßnahmen, um gegen Schleuser- und Menschenhändlerbanden vorzugehen. Diese beuteten die Migranten aus und setzten sie schwerem Missbrauch und erheblichen Gefahren in seeuntüchtigen Booten aus.
Seit dem Sturz von Machthaber Muammar al-Gaddafi bei einem von der Nato unterstützten Aufstand im Jahr 2011 ist Libyen zu einer Transitroute für Migranten geworden. Diese fliehen auf gefährlichen Strecken durch die Wüste und über das Mittelmeer vor Konflikten und Armut nach Europa.