Panorama

Schiffsunfall im Ärmelkanal Frachter rammt Benzintanker

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Die "Seafrontier" nach der Kollision mit der "Huayang Endevaour": Die Schäden an den Aufbauten

(Foto: Préfet Maritime de la Manche et Mer du Nord / Premar-Manche.gouv.fr)

Alarm in der Straße von Dover: Mitten in der Nacht kommt es auf hoher See zur Kollision zwischen einem Tanker und einem Frachtschiff. An Bord der rund 180 Meter langen "Seafrontier" befinden sich fast 40.000 Tonnen Benzin.

In der Meerenge vor Calais sind ein Öltanker und ein Frachtschiff zusammengestoßen. Bei der Kollision der beiden Schiffe im Ärmelkanal zwischen Frankreich und England in der Nacht habe es keine Verletzten gegeben, teilten die französischen Behörden mit.

Bei der Kollision sei auch kein Öl ausgetreten. Bei dem Tanker handelt es sich um den unter der Flagge der Sonderverwaltungszone Hongkong fahrenden "Seafrontier" mit einer 27-köpfigen Besatzung. An Bord des rund 180 Meter langen und gut 32 Meter breiten Tankers befindet sich den Angaben zufolge eine Ladung von rund 38.000 Tonnen Benzin. Dazu kommen die Vorräte an Schweröl für den Antrieb.

Loch im Rumpf

Das Schiff wurde bei dem Zusammenstoß ersten Bildern britischer Medien zufolge unter anderem im Bereich der Brückenaufbauten beschädigt. Einem Bericht der BBC zufolge klafft im Rumpf zudem ein größeres Loch, das sich allerdings über der Wasserlinie befindet. Der Tanker konnte am frühen Nachmittag wieder aus eigener Kraft Fahrt aufnehmen.

Die Unfallursache ist noch vollkommen unklar. Das Schadensbild deutet allerdings darauf hin, dass der an dem Unfall beteiligte Frachter, die "Huayang Endeavour", den Tanker auf der Backbordseite auf Höhe der Brücke gerammt haben muss.

Glück im Unglück

Damit dürfte der Tanker nur durch Zufall einem größeren Schäden entgangen sein: Die "Huayang Endeavour" war den Angaben zufolge unbeladen unterwegs. Wäre das Schiff tiefer im Wasser gelegen, hätte sich wohl die Bugnase unterhalb der Wasserlinie in den Rumpf des Benzintankers gebohrt.

Der ebenfalls unter der Flagge der Sonderverwaltungszone Hongkong fahrende Frachter liegt nach der Kollision mit seinen 22 Mann an Bord offenbar noch mitten im Ärmelkanal vor Anker. Ob es dafür eine Weisung der Behörden gab, blieb unklar. Bei dem Schiff handelt es sich um einen 225 Meter langen und 32 Meter breiten Schüttgutfrachter mit Zielhafen Lagos in Nigeria.

Kein Wassereinbruch

Der Unfallort liegt rund 30 Kilometer vor Dünkirchen in der Nähe der Sandbank Sandettie. Britische und französische Schlepper sind vor Ort im Einsatz, um die Situation im Blick zu behalten und um bei Bedarf eingreifen zu können. "Obwohl beide Schiffe bei dem Zusammenstoß beschädigt wurden, gab es keine Wassereinbrüche und keine Verschmutzungen", erklärte ein Sprecher der Rettungskräfte. Einheiten der britischen Küstenwache konnten noch in der Nacht abgezogen werden. Per Hubschrauber suchen derzeit Spezialisten das Meer nach ausgetretenen Gefahrenstoffen ab.

Die Straße von Calais, auch die Straße von Dover genannt, ist der engste Teil des Ärmelkanals. Sie gehört zu den meistbefahrenen Wasserstraßen der Welt - und gleichzeitig zu den schwierigsten Gewässern überhaupt: Starke Gezeitenströmungen, zahlreiche Untiefen und diverse Sandbänke machen die Fahrt durch die Meerenge zu einer höchst anspruchsvollen Aufgabe - insbesondere bei schlechtem Wetter. Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens ist der Schiffsverkehr in der Region streng reglementiert.

Quelle: ntv.de, mmo/AFP/dpa