Panorama

Coronavirus auf dem Vormarsch Frankreich und USA holen Bürger aus Wuhan zurück

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Kontrollen und Hygienemaßnahmen im Transportwesen sollen das Virus eindämmen.

(Foto: REUTERS)

Die Regierung und Peking räumt der Bekämpfung des Coronavirus höchste Priorität ein. Doch die Zahl der Neuinfizierten steigt weiter rasant. Frankreich und die USA wollen ihre Staatsbürger nun so schnell wie möglich aus der besonders gefährdeten Metropole Wuhan holen.

Trotz drastischer Gegenmaßnahmen breitet sich das Coronavirus weiter stark aus: In China stieg die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem neuartigen Erreger binnen eines Tages sprunghaft um mehr als 400 Fälle auf 1372. Aufgrund der Lage planen Frankreich und die USA laut Medienberichten ihre Bürger aus der zentralchinesischen Stadt Wuhan zu holen. In der Elf-Millionen-Metropole war das Virus zuerst aufgetreten.

Für ausreisende US-Bürger sei ein Charterflug für 230 Personen am Sonntag organisiert worden, berichtet das "Wall Street Journal". Das französische Generalkonsulat werde hingegen eine Busverbindung in die Stadt Changsha anbieten, meldet die chinesische Zeitung "South China Morning Post". Die Busse stünden Franzosen und ihren chinesischen sowie ausländischen Ehepartnern sowie ihren Kindern zur Verfügung. Auch der Autobauer Peugeot will seine Mitarbeiter und deren Familien, die sich in Wuhan aufhalten, nach Frankreich zurückholen. Es handele sich um 38 Personen, teilte der Pkw-Hersteller mit. Russland steht ebenfalls mit chinesischen Behörden wegen einer möglichen Rückholung in Kontakt.

Patienten in Frankreich nicht schwer erkrankt

Derweil gibt das chinesische Staatsfernsehen die Zahl der Toten mit 41 an, davon 39 in der schwer betroffenen Provinz Hubei mit der Metropole Wuhan. Außerhalb Chinas gibt es demnach rund 30 bestätigte Infektionen - darunter die ersten drei europäischen Patienten in Frankreich. Diese drei Infizierten sind offenbar nicht schwer erkrankt. Dem Paar, das im Pariser Krankenhaus Bichat behandelt werde, gehe es gut, erklärten Ärzte bei einer Pressekonferenz. Einer von ihnen habe noch etwas Fieber. Der 31-jährige Mann und seine 30 Jahre alte Frau waren demnach am 18. Januar von einem Aufenthalt in Wuhan in Frankreich angekommen. 

Auch dem dritten Patienten, der in einer Klinik in Bordeaux behandelt wird, gehe es gut, sagte der Bürgermeister der Stadt, Nicolas Florian. Der 48-jährige Franzose chinesischer Herkunft sei im Weingeschäft tätig und reise zwischen Frankreich und China hin und her. In Bordeaux wurden aufgrund des Gesundheitsrisikos die Feiern zum chinesischen Neujahr an diesem Sonntag abgesagt. Die französische Gesundheitsministerin Agnès Buzyn appellierte an Reisende aus China, bei Lungenproblemen oder Fieber keinesfalls einen Arzt oder ein Krankenhaus aufzusuchen, sondern den Notdienst zu kontaktieren.

Peking stoppt Fernbusverkehr

Der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping berief in Peking ein Krisentreffen ein. Alle Ebenen von Partei und Regierung müssten dem Kampf gegen das Coronavirus höchste Priorität einräumen, sagte er laut der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Die Partei habe eine Arbeitsgruppe eingerichtet, um das Vorgehen zu lenken. Die Teilnehmer des Treffens forderten die lokalen Funktionäre auf, "noch energischere Maßnahmen" zu ergreifen, um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern.

China hat bereits drastische Maßnahmen ergriffen. Mehr als 40 Millionen Menschen in gut einem Dutzend Städten im Herzen des Landes wurden weitgehend von der Außenwelt abgeschottet, indem der Verkehr gestoppt wurde. Besonders betroffen ist dabei Wuhan. Die Krankenhäuser der Stadt sind offenbar völlig überfordert. Nach unbestätigten Berichten werden Patienten zurückgewiesen, weil es nicht genug Personal und Betten gibt.

In Peking gibt es bereits rund 30 bestätigte Fälle. Aus Angst vor einer Einschleppung des Virus stoppt die Hauptstadt von Sonntag an ihren Busverkehr mit den Provinzen. Die Regierung ordnete landesweit Kontrollen und Hygienemaßnahmen im Transportwesen an. Am heutigen Samstag stand an vielen Verkehrsknotenpunkten schon Personal, das mit Hand-Messgeräten die Temperatur von Reisenden maß.

Quelle: ntv.de, jpe/rts/dpa